Wunsch und Wirklichkeit

Zwangsversteigerungen von ­Immobilien folgen bestimmten Regeln. Doch die Firma Fairrenta will seltsame Wege gehen.

Ersteigerungspreise: Fairrenta behauptet, dass nach einer Statistik der Deutschen Bundesbank bei Zwangsversteigerungen zirka 52 Prozent des tatsächlichen Verkehrswerts als Kaufpreis erzielt werden. Auf Nachfrage erklärte die Bundesbank jedoch, dass eine solche Statistik bei ihr nicht existiert. Auch sonst gibt es keine offiziellen Zahlen, die diese Schleuderpreise bestätigen würden. Rechtspfleger mit langer Erfahrung mit Zwangsversteigerungen bei Amtsgerichten schätzen die durchschnittlichen Ersteigerungspreise auf 60 bis 80 Prozent.

Mietrendite: Laut Otmar Knoll, ­Vertriebsleiter der Fairrenta GmbH, kaufen Kapitalanleger typischerweise Wohn- und Gewerbeimmobilien mit rund 7 bis 8 Prozent Mietrendite. Fairrenta will nur Objekte mit mindestens 10 Prozent Mietrendite kaufen. In guten Großstadtlagen stünden derzeit Immobilien für 12 bis 14 Prozent Mietrendite und zirka 50 bis 70 Prozent des Verkehrswerts konkret zum Ankauf zur Verfügung. Immobilienprofis halten das für utopisch. Die Mietrendite gibt an, wie viel Prozent des Kaufpreises oder seines angelegten Kapitals der Anleger über die Mieten pro Jahr wieder hereinbekommt.

Immobilien: Noch hat Fairrenta keine einzige Immobilie ersteigert. Das erste Objekt soll eine Immobilie in Hannover werden, die noch im Besitz einer Großbank sei, sagt Knoll von Fairrenta. Das Angebot der Fairrenta liege derzeit bei 1,65 Millionen Euro, wobei der Verkehrswert 3,81 Millionen Euro betrage. Dieser Preis entspräche sogar nur 43 Prozent des Verkehrswerts.

Rettungserwerb: Fairrenta will bereits im Vorfeld der Versteigerung die Forderungen der Banken übernehmen. Ein solcher so genannter Rettungserwerb setzt die Zustimmung des Eigentümers voraus. Da dieser jedoch meist überschuldet ist und die Restschulden über dem aktuellen Verkehrswert der Immobilie liegen, sind Rettungserwerbe mehr als selten. In den meisten Fällen scheitern sie und die Immobilie kommt doch in die Zwangsversteigerung

Bietabkommen: Fairrenta verweist gerne auf ihre guten Beziehungen zu deutschen Banken. Dadurch könne sie lukrative Objekte bei der eigentlichen Versteigerung zum vorher mit der Gläubigerbank ausgehandelten Preis ersteigern. Eine solche schriftliche Ausbietungsgarantie verpflichtet den Bieter, im Versteigerungstermin eine bestimmte Summe zu bieten. Für die Bank bedeutet das, dass sie auf jeden Fall einen Bieter hat und den vorher vereinbarten Preis auch dann erhält, wenn auf der Versteigerung weit weniger geboten wird.

Vorteile für den Bieter Fairrenta hat das jedoch nicht, weil die Firma in der Versteigerung jederzeit von einem Dritten überboten werden kann.

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