Vage Aussichten für atypisch stille Gesellschafter

Anbieter von riskanten Unternehmensbeteiligungen versprechen attraktive Renditen und hohe Steuerersparnisse. Doch die Gewinne sind alles andere als sicher.

Steuerersparnisse

Eine Gesellschaft muss die Absicht haben, Gewinne zu erzielen. Hat sie diese Absicht nicht und zielt sie lediglich darauf ab, dass Anleger steuerliche Verluste geltend machen können, gibt es keine Steuerersparnisse. Durch den neuen Paragraph 2 b des Einkommensteuergesetzes werden ohnehin steuerliche Verluste bei Verlustzuweisungsgesellschaften nur noch mit späteren Gewinnen verrechnet. Eine böse Steuerfalle für Anleger, die atypisch stille Beteiligungen vor allem in der Hoffnung auf Steuervorteile gezeichnet haben.

Gewinne

Bei den Gewinnversprechen der Gesellschaften handelt es sich um reine Hoffnungswerte. Garantien sind nicht möglich, weil kein Unternehmen seinen wirtschaftlichen Erfolg vorhersehen kann. Die Anlegerrendite kann leicht auf null sinken.

Verluste

Der atypisch stille Gesellschafter ist nicht nur am Gewinn und Verlust des Unternehmens, sondern zusätzlich am Vermögen der Gesellschaft beteiligt. Er haftet für den Fall, dass seine Anlagegesellschaft in die roten Zahlen gerät. Dabei ist die Haftung in vielen Verträgen auf die Höhe der Einlage beschränkt. Es gibt aber auch Beteiligungsverträge, bei denen Anleger über die Höhe der Einlage hinaus für Verluste gerade stehen müssen. Für den Fall, dass eine finanzielle Schieflage auftritt oder die Firma Pleite geht, fordert das Unternehmen den Anleger auf, Geld nachzuschießen.

Kosten

Die so genannten weichen Kosten für Provisionen und Vertrieb von atypisch stillen Gesellschaften sind oft viel zu hoch. Soforteinzahlungen und die ersten Monatsraten gehen meist vollständig für diese Gebühren drauf. Sie betragen zum Teil bis zu 30 Prozent der Beteiligungssumme. Dadurch wird die Anlegerrendite schon von vornherein enorm gemindert.

Wirtschaftliche Risiken

Atypisch stille Beteiligungen sind riskant. Oft sind sie als so genannter Blindpool konstruiert, bei dem Anleger nicht wissen, in welche Objekte das Unternehmen ihr Geld investiert. Für die Gesellschaft hat das den Vorteil, flexibel reagieren und bei lukrativen Investitionen sofort zugreifen zu können. Der Anleger allerdings weiß weder, in welche Immobilien, Wertpapiere oder Unternehmensbeteiligungen sein Geld fließt, noch, ob dies zu einem guten oder schlechten Kaufpreis passiert. Das bedeutet, dass sich Sparer mit mehr oder weniger vagen Anlagerichtlinien und völlig unsicheren Renditeprognosen begnügen müssen. Das ist besonders gefährlich, wenn sich Anleger im Vertrag mit der Wiederanlage ihrer Ausschüttungen einverstanden erklären. Läuft etwas schief und geht das Unternehmen Pleite, ist der Totalverlust programmiert. Gleich mehrere Anbieter atypisch stiller Unternehmensbeteiligungen ereilte dieses Schicksal in den letzten zehn Jahren.

In der Vergangenheit wurden zudem zahlreiche Beteiligungsgesellschaften als reine Abzockfirmen gegründet. Dabei wurde nach dem Schneeballprinzip vorgegangen. Um die Gesellschaft am Leben zu halten, wurden Renditen für Altanleger aus frisch eingezahlten Anlegergeldern bezahlt. Das fiel zunächst nicht auf, weil atypisch stille Beteiligungen meist sehr lange Laufzeiten haben.

Kündigung

Langfristige Beteiligungen können nicht vor Ablauf der Mindestlaufzeit gekündigt werden. Sonst drohen hohe Verluste. Viele Gesellschaften kassieren Abgangsentschädigungen in Höhe von 20 bis 25 Prozent der Gesamtbeteiligungssumme.

Beratung

Berater müssen über die Risiken der Anlage aufklären. Tun sie das nicht, müssen sie für fehlerhafte Angaben haften (siehe auch Urteil des Bundesgerichtshofs vom 13. Januar 2000, Az: III ZR 62/99).

Emissionsprospekt

Die Angaben im Prospekt müssen vollständig und richtig sein. Mangelhafte Informationen über wesentliche Fakten der Anlage können zum Vertragsausstieg berechtigen.

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