Unternehmensbeteiligungen Meldung

Anbieter von atypisch stillen Beteiligungen werben Anleger mit fragwürdigen Gewinnversprechen für langfristige Verträge. Garantierte Mindestverzinsungen, wie sie zum Beispiel die Euro-Gruppe verspricht, sind eher Hoffnungswerte.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, Steuern sparen und finanziell fürs Alter vorsorgen. Das versprechen Anbieter von atypisch stillen Unternehmensbeteiligungen. Doch halten können sie diese Versprechen nur selten. Vor allem feste Zinsen, wie sie beispielsweise von der Euro-Gruppe aus Würzburg garantiert werden, sind angesichts des unternehmerischen Risikos für solche Beteiligungen höchst zweifelhaft.

Auch wissen viele Anleger nicht, dass sie als atypisch stiller Teilhaber am Gewinn und Verlust des Unternehmens beteiligt sind. Schlimmer noch: Im Falle des Zusammenbruchs ihrer Anlagefirma besteht oft sogar eine Nachschusspflicht für den Anleger bis zur Höhe seiner Anlage. Manchmal auch darüber hinaus.

Kleinanleger als Opfer

Unternehmensbeteiligungen Meldung

Objekt der Euro-Gruppe in Würzburg.

Und obwohl Hunderttausende Anleger in den vergangenen zehn Jahren viel Geld mit dieser Anlageform verloren haben, boomt der Markt für atypisch stille Unternehmensbeteiligungen. Tausende Anleger investieren in langfristige Verträge, die Laufzeiten zwischen meist zehn und dreißig Jahren haben. Vor allem Kleinanleger sind Opfer geschickter Vermittler von zweifelhaften Anbietern. Ihnen werden die Beteiligungen nicht als Einmalanlage, sondern in Form von Sparplänen verkauft, in die sie jahrelang Monat für Monat einzahlen müssen.

Die Euro-Gruppe

Auch Helmut Britze* hatte noch nie von einer atypisch stillen Beteiligung gehört, als er von Klaus Streck, dem Berliner Vertriebsleiter der Allgemeinen Vermögensberatung (AVB) in Gerbrunn Ende letzten Jahres angesprochen wurde. Die AVB, die bundesweit Filialen betreibt, organisiert die Vermittlung von riskanten atypisch stillen Beteiligungen an der so genannten Euro-Gruppe in Würzburg. Die Euro-Gruppe selbst hat eine ganze Reihe von Aktiengesellschaften (AG) gegründet.

Britze beteiligte sich nicht nur an einer Gesellschaft, sondern bevollmächtigte im Vertrag die Goj AG, in seinem Namen und auf seine Rechnung weitere atypisch stille Beteiligungen an Anlagegesellschaften zu zeichnen.

Die Euro-Gruppe gründete bisher die Goj Immobilienhandel AG, die Schober Immobilienhandel AG, die Ibeka Immobilien Beteiligung AG und die Lenz Immobilien Handel AG. Prospekte und Gesellschaftsverträge der Würzburger Firmen sind dabei bis auf wenige firmenspezifische Details im Wesentlichen identisch.

Keine Risikohinweise

Britze beteiligte sich an der Goj AG, die das Anlegergeld unter anderem in Immobilien, Beteiligungen an anderen Unternehmen sowie in festverzinsliche Wertpapiere stecken will. Den Emissionsprospekt zu der Anlage erhielt er erst nach Vertragsabschluss. So erfuhr er zunächst nichts von den Risiken der Anlage, die im Prospekt beschrieben werden. Auch Streck ­ so Britze ­ habe während des Beratungsgesprächs nichts erwähnt. Vielmehr machte ihm der AVB-Vermittler wortreich klar, dass seine insgesamt sieben abgeschlossenen Lebensversicherungen zur Altersvorsorge nicht taugten. "Mit Kapitallebensversicherungen haben viele Millionen Menschen in den letzten Jahrzehnten schätzungsweise mehrere Hundert Milliarden Mark verloren", heißt es dazu in einem Informationsblatt, das der AVB-Vermittler Britze gab. Nur etwa 5 Prozent der Kunden hätten aus einer Kapitallebensversicherung eine gute Rendite bekommen. "Andere wurden mit verlogenen Rendite-Versprechen hereingelegt", steht in dem Papier.

Dagegen seien für eine Beteiligung an der Goj AG 6 Prozent Rendite garantiert. Auch die Gewinnprognosen mit 8 bis 10 Prozent im Jahr fand Britze überzeugend. Außerdem könnten die Anfangsverluste der ersten Jahre steuerlich zu Ersparnissen bis zur Höhe der Einlage führen, lockte der Vermittler.

30-jährige Beteiligungen

Da konnte Britze nicht Nein sagen. Zusammen mit seiner Frau unterschrieb er im Dezember 1999 einen Beitrittsantrag als atypisch stiller Gesellschafter der Goj AG und verpflichtete sich über einen Zeitraum von 30 Jahren insgesamt 72.000 Mark in monatlichen Raten von 200 Mark anzusparen. Den für die Beteiligung sofort fälligen Aufschlag (Agio) von 8 Prozent in Höhe von 5.760 Mark könne er aus dem Rückkaufswert seiner Lebensversicherungen bezahlen, riet ihm Streck. Von den Verlusten, die ein vorzeitiger Ausstieg aus Verträgen mit Lebensversicherungen Kunden beschert, habe Streck nichts gesagt, erklärt Britze. Und Steuernachzahlungen, die aufgrund der vorzeitigen Kündigungen fällig wurden, habe Streck als "Peanuts" bezeichnet.

Auf Nachfrage von Finanztest bestritt Streck, Britze mangelhaft aufgeklärt zu haben. Schließlich habe ihm der Kunde in einem Fragebogen unterschrieben, dass alles korrekt abgelaufen sei.

Vorsicht, Vollmachten!

Nicht korrekt, sondern perfekt lief das Geschäft ab, jedenfalls aus Sicht der AVB. Streck kümmerte sich nämlich auch um die Kündigungen von Britzes Lebensversicherungen. Dazu legte er dem Familienvater eine Vollmacht für den Nürnberger Rechtsanwalt Peter Hofbeck zur Unterschrift vor. Mit seiner Unterschrift bevollmächtigte Britze den Anwalt nicht nur zu Kündigungen von Vertragsverhältnissen, sondern "zur Abgabe und Entgegennahme einseitiger Willenserklärungen". Mit anderen Worten: Mit seiner Unterschrift legte Britze fast seine gesamte Vermögensverwaltung in die Hand des Anwalts.

Verträge werden gekündigt

Streck ließ sich sodann sämtliche Originalpolicen von Britze aushändigen, um sie an Hofbeck zwecks Kündigung der Versicherungen weiterzugeben. Nach den Vollmachten befragt, sagte Streck: "Das ist doch das Problem des Kunden, wenn er das unterschreibt."

Weder von Goj-Vorstand Johann Dallmayer noch von Rechtsanwalt Peter Hofbeck war eine Stellungnahme zu den höchst zweifelhaften Vollmachten und zu dem "Vertrag über die treuhänderische Kündigung diverser Verträge" zu bekommen. 50 Mark Pauschalgebühr nimmt Hofbeck laut Vertrag für seine Dienste. Die Gebühr zieht er von den Zahlungen aus den gekündigten Lebensversicherungen oder Bausparverträgen gleich ab.

Der Rückkaufswert der Versicherungen fließt dann in die Beteiligungen der Euro-Gruppe. Bei Britze sollte es in die Goj AG investiert werden.

Widerruf im letzten Moment

Um sich Klarheit über die Beteiligung zu schaffen, wandte sich Helmut Britze auch an die Verbraucherzentrale (VZ) in Berlin. Dort erfuhr er, dass

- eine Garantie für eine Mindestverzinsung wertlos sein kann, da das Risiko einer unternehmerischen Beteiligung nicht abschätzbar sei;

- steuerliche Verluste aufgrund von Beteiligungen an Verlustzuweisungsgesellschaften nicht mehr mit anderen positiven Einkünften verrechnet werden dürfen, sofern der Steuervorteil der Hauptgrund für die Beteiligung war;

- die weichen Kosten für Emissions-Vertriebs- und Verwaltungskosten von 11,9 Prozent sowie ein Aufgeld (Agio) von 8 Prozent der Einlage im Falle eines Ansparplans 19,9 Prozent der Gesamtbeteiligungssumme ausmachen. Doch Britze und seine Frau hatten Glück. Gerade noch rechtzeitig zogen sie die Notbremse und widerriefen den Vertrag mit der Goj AG im Dezember 1999. Erst nach eindringlicher Aufforderung erhielt das Ehepaar fünf Originalverträge zurück. Um die Herausgabe von zwei weiteren Policen wurde Mitte März immer noch gestritten.

*Name von der Redaktion geändert

Dieser Artikel ist hilfreich. 738 Nutzer finden das hilfreich.