Unternehmensbeteiligungen Meldung

Stille Gesellschafter verlieren häufig viel Geld.

Viele Anbieter empfehlen stille Beteiligungen an Unternehmen als ideale Altersvorsorge. Doch Gewinne sind unsicher. Für Verluste müssen die Anleger haften.

Jens Meier* ist einer von Hunderttausenden Anlegern, die auf schöne Werbesprüche hereingefallen sind. Eine „langfristig sichere Form der Vermögensbildung“ und eine bessere Alternative zum Sparbuch hatte die Südwest-Finanz-Vermittlung Zweite AG in Markdorf ihr Angebot, das „Ratensparprogramm Südwestrenta plus“ genannt.

Meier hatte nicht begriffen, dass er damit sein Geld in Gefahr brachte. Er wusste auch nicht, dass er dieses Ratensparprogramm vor Vertragsende nicht kündigen kann. Das merkte er erst, als er sein Haus renovieren wollte und sein Geld zurückhaben wollte. Die Firma weigerte sich. Meier klagte und erfuhr erst vor Gericht, auf was er sich eingelassen hatte.

Risiken werden verschleiert

Das Ratensparprogramm der Südwest-Finanz-Vermittlung ist eine Unternehmensbeteiligung, für die Meier 15 Jahre lang 153 Euro im Monat einzahlen sollte. Meier wurde ein so genannter atypisch stiller Gesellschafter.

Wie Meier wissen die wenigsten Anleger mit atypisch stillen Beteiligungen, dass sie bei Vertragsabschluss Mitunternehmer ihrer Anlagefirma werden. Still ist ihre Beteiligung, weil die Anleger nach außen gar nicht in Erscheinung treten und in der Firma nichts zu sagen haben. Und atypisch, weil der auf diese Weise nur still Beteiligte dennoch wie ein Mitunternehmer behandelt wird. Als solcher ist er am Gewinn und Verlust seiner Anlagefirma beteiligt.

Die meisten stillen Gesellschaften wie die Südwest-Finanz-Vermittlung investieren das Anlegergeld in Immobilien, Wertpapiere und andere Unternehmen. Sind die Investitionen nicht erfolgreich, haften die Anleger für Verluste bis zur Höhe ihrer Gesamteinlage. Bei manchen Gesellschaften müssen sie sogar noch Geld nachschießen, wenn diese in eine wirtschaftliche Schieflage geraten.

Schon die von den Initiatoren stiller Beteiligungen verwendeten Begriffe wie Pensionssparplan oder Ratensparprogramm verschleiern die tatsächliche Rolle des Anlegers als Mitgesellschafter. So können dubiose Anbieter mithilfe vermeintlich harmloser Sparpläne viel Geld einsammeln.

Sie tun das über viele Jahre. Denn stille Beteiligungen haben meist Laufzeiten zwischen 10 und 40 Jahren. Laut Gesellschaftsvertrag ist eine ordentliche Kündigung ausgeschlossen. Wer trotzdem vorher aussteigen will, wird dafür mit einer Abgangsentschädigung in Höhe von 15 bis 25 Prozent seiner Gesamtanlagesumme bestraft.

Anbieter kassieren hohe Kosten

Einmalanleger zahlen zwischen 10 000 und 50 000 Euro plus 5 bis 8 Prozent Gebühr (Agio) auf einen Schlag ein. Kleinanleger wie Meier zahlen in Sparpläne Monat für Monat Beträge zwischen 50 und 300 Euro ein. Weil das Geld dann langsamer fließt, nehmen die Firmen von Ratensparern oft mehr Gebühren – manchmal bis zu 12 Prozent der Gesamtanlagesumme.

Hinzu kommen noch andere Kosten, die Anbieter für Provisionen, Prospekt und Verwaltung kassieren. Meier wurden von seiner Zeichnungssumme in Höhe von rund 29 000 Euro für solche Gebühren 5 Prozent Agio plus jährlich 1 Prozent abgezogen.

Da sich die Firmen ihre Arbeit grundsätzlich vorab entlohnen lassen, steht das Kapitalkonto eines Ratensparers erst einmal viele Monate im Minus, bis der erste Euro in die Kapitalanlage fließt. Diese Kosten schmälern mögliche Gewinne für Anleger ganz erheblich.

Vage Anlagerichtlinien

Die meisten stillen Gesellschaften sind wie die Südwest-Finanz-Vermittlung Zweite AG als „Blind-Pool“ konstruiert: Anleger wissen nicht, in was ihr Geld konkret investiert wird. Sie erfahren nur allgemein, dass ihr Geld in Immobilien oder andere Unternehmen fließt. In den Prospekten der Firmen wird dies gerne als „Vertrauensinvestition“ in das Management bezeichnet.

Wieso viele Gesellschaften mit „festen Zinsen“ oder Ausschüttungen zwischen 6 und 12 Prozent werben, bleibt ihr Geheimnis. Tatsächlich sind solche Zahlen aus der Werbung angesichts hoher Kosten und unsicherer Investi­tionen reine Hoffnungswerte. Zumal wenn Anbieter stiller Beteiligungen für die Vermittlung auch noch bis zu 30 Prozent des ausgewiesenen Jahresüberschusses als Vorabgewinn einsacken.

Einer Wiederanlage der jährlichen Ausschüttungen sollte niemand zustimmen. Wirtschaftet die Firma schlecht und macht Verluste, sind auch Gewinne aus guten Jahren verloren.

Auch Steuervorteile, mit denen Firmen gerne werben, sind nicht sicher. Manche Firmen gründen immer neue Gesellschaften, um deren Verluste in den Anfangsjahren steuerlich geltend machen zu können. Das Geld der Anleger leiten sie an die neuen Gesellschaften weiter. Doch die Rechnung geht nicht immer auf, weil das Finanzamt nur mitspielt, wenn eine Gesellschaft eine Gewinnabsicht nachweisen kann.

Nur wenige Fälle gehen so glimpflich aus wie der des stillen Gesellschafters Meier. Das Oberlandesgericht Schleswig verurteilte die Südwest-Finanz-Vermittlung in zweiter Instanz wegen Sittenwidrigkeit der Beteiligung zu Schadenersatz.

Gegen dieses Urteil legte die Firma Revision beim Bundesgerichtshof ein. Schließlich verglich man sich außergerichtlich. Meier musste zwar einen Teil der Prozesskosten tragen, erhält aber sein eingezahltes Geld zurück.

* Name von der Redaktion geändert.

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