Unternehmensbeteiligungen Meldung

Immer häufiger empfehlen Vermittler den Abschluss von Unternehmensbeteiligungen zur Altersvorsorge. Doch solche Verträge sind dafür völlig ungeeignet.

Heinz Becker* ist wie Hunderttausende andere Anleger auf die Sprüche eines Vermittlers hereingefallen. Steuervorteile und obendrein eine attraktive Rendite hatte der Berater versprochen. Beides biete eine atypisch stille Unternehmensbeteiligung bei der Göttinger Gruppe. Das sei die ideale Altersvorsorge in Zeiten, in denen man sich auf den Staat nicht mehr verlassen könne. Doch davon stimmte nichts, wie Beckers vorläufige Abrechnung nach 10-jährigem Sparen zeigt. Das Konto steht im Minus.

Keine Risikoaufklärung

Über die unternehmerischen Risiken solcher langfristigen Beteiligungen verlor der Berater kein Wort. Und so wusste Becker gar nicht, dass er als atypisch stiller Teilhaber wie ein Mitunternehmer von seiner Anlagefirma behandelt wird.

Atypisch stille Teilhaber sind am Gewinn und Verlust ihre Anlagefirma beteiligt. Sind die Investitionen der Firma in Immobilien, Wertpapiere und andere Unternehmensbeteiligungen nicht erfolgreich, haften Beteiligte für Verluste bis zur Höhe ihrer Anlage. Bei manchen Unternehmen müssen sie sogar noch Geld nachschießen, wenn diese in die roten Zahlen geraten.

Atypisch stille Beteiligungen sind also riskant und zur Altersvorsorge ungeeignet. Dennoch boomt der Markt für solche Verträge.

Einmalanlage und Sparplan

Die Beteiligungen werden Gutverdienenden als Einmalanlage verkauft. Sie zahlen zwischen 5 000 und 50 000 Euro – manchmal mehr – plus 5 bis 8 Prozent Gebühr (Agio) auf einen Schlag ein.

Für Kleinanleger haben sich die Anbieter etwas Besonderes ausgedacht. Ihnen werden die Unternehmensbeteiligungen in Form von „Sparplänen“ verkauft. Sie zahlen dann jahrelang Monat für Monat zwischen 50 Euro und 200 Euro ein. Weil das länger dauert, nimmt die Firma mehr Gebühren. Bis zu 12 Prozent der geplanten Sparsumme beträgt manchmal allein die Vertragsabschlussgebühr.

Hohe Nebenkosten

Zusätzlich kassieren Anbieter stiller Beteiligungen auch noch hohe Nebenkosten. Bis zu 30 Prozent der Gesamtanlagesumme verlangen einige Anlagegesellschaften. Das nennen die Firmen dann „Gestehungs-“ oder „Emissionskosten“. Typischerweise gehen dafür die ersten 20 bis 30 Monatsraten drauf, ehe der erste Euro in die eigentlichen Wirtschaftsgüter des Unternehmens gesteckt wird.

Schon wegen der hohen Nebenkosten ist es also wenig wahrscheinlich, dass Anleger mit diesen Beteiligungen Gewinne machen.

Blindpool-Risiko

Atypisch stille Unternehmensbeteili­gun­gen sind meist als so genannter Blindpool konstruiert. Der Sparer weiß bei Zeichnung seiner Beteiligung weder in welche Immobilien, Wertpapiere oder sonstige Anlagen das Unternehmen sein Geld investiert noch, ob dies zu einem guten oder schlechten Preis passiert. Sparer müssen sich mit vagen Anlagerichtlinien und völlig unsicheren Renditeprognosen zufrieden geben.

Wiederanlage gefährlich

Dieses blinde Anlegen ist besonders gefährlich, wenn sich Anleger im Vertrag mit der Wiederanlage ihrer Ausschüttungen einverstanden erklären. Denn wenn beim Unternehmen etwas schief läuft und Verluste gemacht werden, gehen natürlich auch die früheren, wiederangelegten Gewinne verloren.

Noch schlimmer ist es, wenn die Beteiligungsgesellschaften als reine Abzockfirmen nach dem Schneeballsystem gegründet wurden. In solchen Systemen werden die Ausschüttungen für Altanleger mit den Einzahlungen neuer Sparer finanziert. Der Schneeball schmilzt, wenn keine neuen Anleger mehr gefunden werden. Auch bei der Göttinger Gruppe fürchten viele ein solches dubioses System, was allerdings von den Initiatoren vehement bestritten wird.

Immer neue Firmengründungen

Die Beteiligungsfirmen gründen häufig neue Gesellschaften. Das hat überwiegend steuerliche Gründe. Denn die von einer Gesellschaft in den Anfangsjahren gemachten Verluste können steuerlich geltend gemacht werden.

Um Anlegern möglichst viele Verluste zuweisen zu können, lassen sich Anbieter sogar Vollmachten unterschreiben. Darin erlauben die Anleger „ihrer AG“, ihre Beteiligung in eine weitere Gesellschaft zu überführen. So ging die Göttinger Gruppe vor und auch die Euro-Gruppe aus Würzburg, die inzwischen die Aktiengesellschaften Ibeka, Goj, Lenz, Schober, Knothe, Schuster-Schreiber und Pierenz gegründet hat.

Doch die steuerlichen Verlustzuweisungen sind keinesfalls sicher. Denn es gibt sie nur, wenn die Gesellschaft auch die Absicht hat, Gewinne zu erzielen. Ansonsten erkennen die Finanzämter den Verlustabzug nicht an.

Wegen der Hoffnung auf Steuervorteile sollte sich inzwischen sowieso niemand mehr atypisch still beteiligen. Denn seit 1999 können Verluste nur noch mit späteren Gewinnen verrechnet werden.

Unseriöse Renditeversprechen

Je weniger seriös ein Unternehmen ist, desto schlechter werden Interessenten über die Risiken aufgeklärt. Die EuroGruppe etwa garantierte Anlegern jahrelang feste Zinsen für ihre Beteiligungen. Das war natürlich Unsinn, denn solche Garantien sind gar nicht möglich, weil kein Unternehmen seinen wirtschaftlichen Erfolg vorhersehen kann. Gewinnversprechen der Gesellschaften sind deshalb reine Hoffnungswerte.

Doch Anleger glaubten an den in ­Prospekten versprochenen garantierten Mindestzins von 6 Prozent. Schlimmer noch: Sie ließen sich von Vermittlern überreden, Lebensversicherungen vorzeitig zu kündigen. Das von den Versicherungen ausgezahlte Geld, der Rückkaufswert, wurde dann in atypisch stille Gesellschaften der Euro-Gruppe eingezahlt. Die Vermittler verschwiegen, dass solche Kündigungen regelmäßig mit Verlusten verbunden sind.

Ausstieg nur mit Verlusten

Verschwiegen wird Anlegern auch, dass Beteiligungsverträge vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit – in der Regel 10 bis 30 Jahre – nicht gekündigt werden können. Wer es trotzdem tut, zahlt eine ­satte Abgangsentschädigung in Höhe von 20 bis 25 Prozent der Gesamtbe­teiligungssumme. Doch manchmal ist selbst das besser als jahrelang weiter in eine marode Firma einzuzahlen.

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