Abrechnungen deuten auf Totalverlust hin

Die Beteiligungssparpläne der ­Göttinger Gruppe lassen Anleger um ihre Rente zittern.

Heinz und Helga Becker* fühlen sich von der Göttinger Gruppe betrogen. Zehn Jahre lang haben sie Monat für Monat 100 Mark in „atypisch stille“ Beteiligungsverträge verschiedener Unternehmen der Göttinger Gruppe eingezahlt. Rund 12 000 Mark plus Gebühren. Nach Ablauf ihrer Verträge im Oktober 2000 kündigten sie ordnungsgemäß und warteten auf einen schönen Batzen Geld. Doch der kam nicht. Erst mithilfe eines Anwalts erhielten sie wenigstens eine vorläufige Abrechnung: Ihr Geld ist weg. Die Abrechnung weist sogar ein Minus aus. Theoretisch müssten die Beckers der Göttinger Gruppe noch Geld zahlen.

Anwalt Markolf Schmidt von der Kanzlei Jena & Prof. Dr. Bröker in Göttingen will jetzt klagen. Große Hoffnung, dass die Beckers und Tausende andere Anleger ihr Geld aus den als „Pensionssparplan“ oder „Securente“ bezeichnete Beteiligungen zurückerhalten, hat er jedoch nicht. „Die Zahlungsmoral der Göttinger wird immer schlechter. Nicht einmal zugesagtes Geld aus mit Anlegern geschlossenen Vergleichen wird gezahlt“, weiß Schmidt.

Schon seit Monaten werden Anleger wie die Beckers von der Göttinger Gruppe hingehalten. Solange es keinen testierten Jahresabschluss für das Jahr 2000 gebe, könnte das Auseinandersetzungsguthaben für die Anleger nicht berechnet werden, erklären die Göttinger. So heißt das Guthaben, das Anlegern aus dem Vermögen, den stillen Reserven sowie dem Geschäftswert der Gesellschaft zusteht.

Ein testierter Abschluss wurde zunächst für das vierte Quartal 2001 angekündigt. Im Dezember 2001 schaffte es der Konzern aber gerade – deutlich verspätet – den Jahresabschluss für 1999 festzustellen.

Die Verzögerungen seien unter anderem auf die Schließung der zur Göttinger Gruppe gehörenden Partin-Bank zurückzuführen. Deren Verluste trugen dazu bei, dass die ebenfalls zur Göttinger Gruppe gehörende Securenta AG 1999 einen Bilanzverlust von rund 100 Millionen Euro machte.

Die Göttinger Gruppe erklärte jetzt gegenüber Finanztest, dass die Hauptversammlung für den Jahresabschluss 2000 bis spätestens Ende 2002 stattfinden soll und dass die Auseinandersetzungsguthaben für 2000 „voraussichtlich insgesamt positiv sein werden“. Weniger als eine schwarze Null soll es für Anleger also offenbar nicht geben.

* Name von der Redaktion geändert.

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