So rechnet das Sozialamt

Unterhaltspflichtigen muss genug für das eigene Leben bleiben. Kinder können einige Kosten und Selbstbehalte unterhaltsmindernd geltend machen.

Beispiel 1: Allein verdienender Sohn, verheiratet, ein 14-jähriges Kind. Das Sozialamt zahlt für den Heimaufenthalt seiner Mutter 1 000 Euro. Der Sohn hat kein Vermögen, auf welches das Sozialamt zugreifen kann.

Welches Einkommen
muss sich das Kind
­anrechnen lassen?

Nettolohn

2 000 Euro

Ständige Lasten
(Altersvorsorge: Lebensversicherung)

-100 Euro

Berufsbedingte Aufwendungen
(5-Prozent-Pauschale) 1

-100 Euro

Bereinigtes Einkommen

1 800 Euro

Wie viel muss
das Kind zahlen?
(Einsetzbares
Einkommen)

Selbstbehalt 2

-1 250 Euro

Selbstbehalt für Ehefrau 2

-950 Euro

Selbstbehalt für Kind 23

-485 Euro

Restbetrag

0 Euro

Der Selbstbehalt der Familie ist höher als das (bereinigte) Einkommen des Sohnes. Das Sozialamt kann keinen Unterhalt verlangen.

Beispiel 2: Besser verdienender Sohn, allein stehend, wohnt in Eigentumswohnung. Das Sozialamt zahlt für den Heimaufenthalt seines Vaters 1 000 Euro.

Welches Einkommen
muss sich das Kind
­anrechnen lassen?

Nettolohn

4 000 Euro

Wert für mietfreies Wohnen im Eigenheim

+400 Euro

Ständige Lasten
(Schuldentilgung)

-350 Euro

Berufsbedingte Aufwendungen
(maximaler Pauschbetrag) 1

-150 Euro

Bereinigtes Einkommen

3 900 Euro

Wie viel muss
das Kind zahlen?
(Einsetzbares
Einkommen)

Selbstbehalt 2

-1 250 Euro

Restbetrag

2 650 Euro

Der Sohn müsste vom Restbetrag 50 Prozent 4 als Einkommen für den Unterhalt einsetzen, also 1 325 Euro. Das Sozialamt bekommt also 1 000 Euro ersetzt.

Beispiel 3: Doppelt verdienendes Ehepaar. Die Ehefrau verdient 1 700 Euro netto. Der Ehemann 4 000 Euro netto. Keine Kinder. Das ­Sozialamt zahlt 1 000 Euro Unterhalt an die Mutter der Ehefrau. Das Ehepaar wohnt in einer Eigentumswohnung (Wert 80 000 Euro), auf die das Amt nicht zugreifen darf.

Welches Einkommen
muss sich das Kind
­anrechnen lassen?

Nettolohn Ehefrau

1 700 Euro

Ständige Lasten (Versicherungen) 5

-100 Euro

Berufsbedingte Aufwendungen
(5-Prozent-Pauschale) 1

-85 Euro

Bereinigtes Einkommen

1 515 Euro

Wie viel muss
das Kind zahlen?
(Einsetzbares
Einkommen)

Selbstbehalt 2

-1 250 Euro

Selbstbehalt für Ehemann

0 6 Euro

Restbetrag

265 Euro

Die Tochter muss vom Restbetrag 50 Prozent 4 als Einkommen für den Unterhalt einsetzen, also 132,50 Euro. Das Sozialamt zahlt die übrigen 867,50 Euro.

Beispiel 4: Unverheiratetes Paar, ein Kind. Das Sozialamt zahlt 1 000 Euro an den Vater des Mannes. Das Kind hat die Frau mit in die ­Familie gebracht. Der unterhaltspflichtige Mann hat kein Vermögen.

Welches Einkommen
muss sich das Kind
­anrechnen lassen?

Nettolohn Mann

2 000 Euro

Ständige Lasten (für Altersvorsorge)

-100 Euro

Berufsbedingte Aufwendungen
(5-Prozent-Pauschale) 1

-100 Euro

Bereinigtes Einkommen

1 800 Euro

Wie viel muss
das Kind zahlen?
(Einsetzbares
Einkommen)

Selbstbehalt 2

-1 250 Euro

Selbsthalt für Kind, Frau

0 7 Euro

Restbetrag

550 Euro

Der Sohn muss vom Restbetrag 50 Prozent 4 als Einkommen für den Unterhalt einsetzen, also 225 Euro. Das ­Sozialamt zahlt die übrigen 775 Euro.

    • 1 Maximal 150 Euro. Wer mehr als die Pauschale angerechnet bekommen will, muss die höheren Aufwendungen beim Amt nachweisen.
    • 2 Nach der „Düsseldorfer Tabelle“, die in der Regel von den Sozialämtern angewendet wird (www.olg-duesseldorf.nrw.de Link „Service“).
    • 3 Der Selbstbehalt für ein Kind hängt vom Alter ab.
    • 4 Zum Prozentsatz siehe auch Interview. Einige Ämter (z. B. Köln, Hannover) setzen 100 Prozent des Restbetrags als Unterhalt an, andere wiederum nur ein Drittel (Wiesbaden).
    • 5 Das Landgericht Münster hat Ausgaben für die private Haftpflicht- und die Rechtsschutzversicherung als abzugsfähig anerkannt (Az. 10 S 65/92).
    • 6 Der Ehemann hat so viel eigenes Einkommen, dass keine Unterhaltspflicht seitens der Ehefrau besteht.
    • 7 Weil für Kind und Partnerin keine Unterhaltspflichten bestehen.