Leben die Kinder bei der Mutter, ist der Vater unter­halts­pflichtig. Die Kosten dafür kann er von der Steuer absetzen.

Sind Ex-Partner, ­Kinder oder pflegebedürftige Angehörige auf Unterhalt angewiesen, erreichen solche Zahlungen oft fünf­stel­lige Beträge. Die Steuer­experten der Stiftung Warentest sagen, wann Unter­halts­zahlungen sich von der Steuer absetzen lassen und zeigen anhand von konkreten Beispiel­rechnungen, wie viel steuerliche Entlastung Sie mittels Real­splittung erzielen können.

Das Wichtigste in Kürze

Was Sie zum Thema Unterhalt wissen müssen

Alle Infos. Alle Infos für die Steuererklärung finden Sie im Finanztest Spezial Steuern. Die wichtigsten Fakten rund um das Thema Unterhalt finden Sie hier in unserem kostenlosen Special.

Höchst­betrag. Setzen Sie Unterhalt als außergewöhnliche Belastung ab, sind für das Jahr 2019 bis zu 9 168 Euro drin (für 2020: 9 408 Euro). Es zählen alle Aufwendungen zum Bestreiten der Lebens­führung wie Essen, Kleidung oder Wohnung – in Geld oder Naturalien.

Ex-Partner. Geschiedene haben noch eine weitere Möglich­keit, Unterhalt geltend zu machen. Das Real­splitting ermöglicht, pro Jahr bis zu 13 805 Euro plus Basisbeiträge für Kranken- und Pflegever­sicherung des Expart­ners als Sonder­ausgabe geltend zu machen. Der Empfänger muss sich allerdings verpflichten, den Unterhalt als sons­tige Einkünfte zu versteuern.

Kinder. Bekommen Sie für Ihr voll­jähriges Kind, das auswärts lebt, weder Kindergeld noch Kinder­frei­beträge, können Sie finanzielle Unterstüt­zung ebenfalls bis zum Höchst­betrag als außergewöhnliche Belastung abrechnen.

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Grund­legende Regeln zum Unterhalt

Wer Angehörige – etwa Kinder oder Eltern − unterstützt, weil diese finanziell nicht auf eigenen Beinen stehen, kann die Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung absetzen. Seit 2015 gilt das auch für Leistungen an Bürger­kriegs­flücht­linge. Besonders häufig wird Unterhalt zwischen getrennten oder geschiedenen Ehe- oder Lebens­part­nern gezahlt. Ab dem ersten Tag des dauernden Getrennt­lebens kann ein Partner vom anderen Trennungs­unterhalt verlangen. Kann sich einer der beiden nach der Scheidung nicht selbst unterhalten – etwa weil er die Kinder betreut, eine Ausbildung absol­viert oder erkrankt ist – kann er nach­ehelichen Unterhalt fordern.

Diese Aufwendungen zählen als Unterhalt

Als Unterhalt zählen alle Aufwendungen zum Bestreiten der Lebens­führung wie Essen, Kleidung oder Wohnung. Die Unterstüt­zung kann in Geld oder Naturalien erfolgen. Dabei ist egal, ob die Zahlungen laufend oder einmalig erbracht werden. Da die Höhe der pro Jahr abzugs­fähigen Leistungen begrenzt ist, sollten Sie Ihre Zahlungen so verteilen, dass sie sich auch steuerlich voll auswirken.

Unterhalt steuerlich optimal verteilen

Wer Unterhalt als außergewöhnliche Belastung abziehen will, kann 9 168 Euro für das Jahr 2019 geltend machen (für 2020: 9 408 Euro) – der Höchst­betrag entspricht dem Grund­frei­betrag des jeweiligen Jahres.

Den Höchst­betrag gibt es aber nur, wenn der Unterhalt von Januar an fließt. Nach­zahlungen gehen nicht durch. Das Finanz­amt darf ihn sonst um die fehlenden Monate kürzen (Bundes­finanzhof, Az. VI R 35/16). Der geleistete Unterhalt zählt dann bis zur nächsten Rate des laufenden Jahres oder bis zum Jahres­ende.

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Unter­halts­zahlungen an Ex-Partner

Getrennt­lebende und Geschie­dene können zwischen zwei Varianten wählen, wie das Finanz­amt Unter­halts­zahlun­gen berück­sichtigen soll: über Real­splitting oder als außergewöhnliche Belastung.

Erste Möglich­keit: Das Real­splitting ermöglicht, pro Jahr bis zu 13 805 Euro plus Basisbeiträge für Kranken- und Pflegever­sicherung des Expart­ners als Sonder­ausgabe geltend zu machen. Das setzt aber voraus, dass der Unter­haltsem­pfänger in der Europäischen Union, im Euro­päischen Wirt­schafts­raum, in Kanada, der Schweiz oder den USA lebt. Der Zahlende muss außerdem die Zustimmung seines Expart­ners einholen, denn das Real­splitting verpflichtet den Empfänger, den Unterhalt als sons­tige Einkünfte zu versteuern. Der Empfänger muss aber nur zustimmen, wenn der Zahlende im Gegen­zug garan­tiert, alle steuer­lichen und sozialrecht­lichen Nachteile auszugleichen, die sich durch den Unterhalt ergeben. Die Zustimmung kann in der Höhe begrenzt werden und wirkt solange, bis der Unterstützte sie widerruft.

Zweite Möglich­keit: Sie setzen den gezahlten Unterhalt als außergewöhnliche Belastung ab – 2019 bis zu einem Betrag von 9 168 Euro zuzüglich eventuell über­nommener Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge. Dieser jähr­liche Höchst­betrag reduziert sich um ein Zwölftel für jeden Monat, in dem Sie die Voraus­setzungen für den Abzug nicht erfüllen. Die unterstützte Person muss die Unter­halts­leistungen weder versteuern noch eine Zustimmungs­erklärung abgeben. Aller­dings darf sie lediglich eigenes Vermögen im Wert von maximal 15 500 Euro besitzen. Ein selbst bewohntes angemessenes Haus zählt dabei nicht mit. Besitzt ein Gegen­stand einen heraus­ragenden persönlichen Wert, muss er ebenfalls nicht verkauft werden. Ansonsten muss der Empfänger über­steigen­des Vermögen zunächst selbst für seine Lebens­haltungs­kosten einsetzen.

Aufpassen müssen Unter­halts­zahler, wenn der unterstützte Ex-Partner weitere Einkünfte oder Bezüge hat. Alles über 624 Euro im Jahr mindert den absetz­baren Höchst­betrag. Für viele Getrennte ist das Real­splitting wegen des höheren Abset­zungs­betrags die güns­tigere Option – zumindest wenn der Empfänger über Vermögen oder Bezüge und Einkünfte verfügt. Berechnen Sie die jeweils mögliche Steuerersparnis und vergleichen Sie, bevor Sie sich für eine der beiden Varianten entscheiden. Beziehen Sie dabei einen im Real­splitting eventuell zu zahlenden Nachteils­ausgleich ein.

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Unterhalt an Angehörige, Kinder und weitere Personen

Angehörige

Wenn Sie Eltern, Groß­eltern oder Enkel unterstützen, kommt ein Abzug von Unterhalt als außergewöhnliche Belastung in Betracht. Es gelten die gleichen Voraus­setzungen wie bei Ehegatten.

Kinder

Wenn Sie Ihren voll­jährigen Kindern finanziell helfen, etwa weil diese auswärts studieren, können Sie für 2019 Zahlungen bis zu 9 168 Euro als außergewöhnliche Belastung absetzen. Hinzu kommen die von Ihnen getragenen Basisbeiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung Ihres Kindes. Das gilt aber nur, wenn Sie für das unterstützte Kind weder Kinder­geld noch Kinder­frei­betrag erhalten. Eltern dürfen Unter­halts­zahlungen an ein erwachsenes Kind in Ausbildung auch dann in voller Höhe absetzen, wenn das Kind mit einem Lebens­gefährten zusammenlebt, der selbst über ausreichend Einkommen verfügt (Bundes­finanzhof, Az. VI R 43/17).

Andere Personen

Bei Zahlungen an nicht unter­halts­berechtigte Personen handelt es sich grund­sätzlich um private Ausgaben. Die lassen sich nicht absetzen. Ausgenommen sind Paare in eheähnlicher Lebens­gemeinschaft, wenn das Amt einem Partner Sozial­leistungen wie Arbeits­losengeld II kürzt, weil sie einen gemein­samen Haushalt führen. Hat der Empfänger keinen Antrag auf Sozial­hilfe gestellt, weil er mit einer Ablehnung rechnete, zieht das Finanz­amt Unterhalt ohne Nach­weis vom zu versteuernden Einkommen ab. Ansonsten verlangt es in der Regel eine Bescheinigung der Arbeits­agentur.

Greifen Sie in Existenz­not geratenen, aber nicht unter­halts­berechtigten Verwandten finanziell unter die Arme, etwa Ihren Geschwistern, gilt das als besondere sitt­liche Verpflichtung. Angemessenen und notwendigen Unterhalt können Sie deshalb als außergewöhnliche Belastung abziehen. Das ­Finanz­amt prüft die wirt­schaftlichen Verhält­nisse des Empfängers aber streng.

Geflüchtete

Sie helfen Bürger­kriegs­flücht­lingen, etwa aus Syrien? Sie können Ihre Ausgaben absetzen, wenn Sie sich gegen­über der Ausländerbehörde verpflichtet haben, sämtliche Unter­halts­kosten der geflüchteten Person zu über­nehmen. Das gilt aber nur, wenn der Geflüchtete eine Aufenthalts- oder Nieder­lassungs­erlaubnis besitzt (BMF-Schreiben vom 27.05.2015, Unter­halts­leistungen). Haben Sie Geflüchtete in Ihren Haushalt aufgenommen, brauchen Sie dem Finanz­amt gegen­über keine weiteren Nach­weise zu erbringen. Es geht davon aus, dass Ihnen in 2019 Aufwendungen von 9 168 Euro entstanden sind. Ersetzt ein gemeinnütziger Verein Ihre Kosten, können Sie allerdings entsprechend weniger absetzen.

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Unter­halts­zahlungen – Beispiel­rechnung

Im Jahr 2019 hat Thomas Koch seinem Sohn Phillip pro Monat 600 Euro für Miete und Lebens­mittel über­wiesen, insgesamt 7 200 Euro. Außerdem hat der Vater die Basisbeiträge für die Pflege- und Kranken­versicherung von Phillip in Höhe von 81 Euro pro Monat über­nommen – 972 Euro im Jahr. Der Unter­halts­aufwand 2019 betrug für Koch damit 8 172 Euro. Der 26-jährige Student Phillip war in der Zeit nur gering­fügig beschäftigt und hat 300 Euro pro Monat verdient.

Steuererklärung. Koch macht in der Anlage Unterhalt seine Zahlungen und die über­nommenen Basisbeiträge als außergewöhnliche Belastung geltend. Außerdem gibt er das Einkommen seines Sohnes an.

Höchst­betrag. Der Unter­halts­höchst­betrag für 2019 beträgt 9 168 Euro zuzüglich über­nommener Basisbeiträge der Kranken- und Pflege­versicherung. Im Fall von Thomas Koch steigt der Höchst­betrag um 972 Euro für die Basisbeiträge auf insgesamt 10 140 Euro.

Abzüge. Das Finanz­amt rechnet dem Höchst­betrag allerdings Phillips Einkommen gegen. In 2019 hat Phillip 3 600 Euro verdient. Von diesem Minijob-Gehalt geht zunächst die Kostenpauschale von 180 Euro ab, dann der Anrechnungs­frei­betrag in Höhe von 624 Euro. Es verbleibt ein anrechen­bares Einkommen von 2 796 Euro, das den Unter­halts­höchst­betrag mindert. Von Kochs Unter­halts­aufwand in Höhe von 8 172 Euro erkennt das Finanz­amt schluss­endlich 7 344 Euro (10 140 Euro – 2 796 Euro) an.

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So planen Sie

Soll Ihr Ex-Partner, der Ihnen Unterhalt zahlt, im Jahr 2021 den Sonder­ausgaben­abzug nicht mehr erhalten? Dann ­müssen Sie Ihre Zustimmung noch 2020 beim Finanz­amt widerrufen. Der Widerruf gilt erst im Folge­jahr.

Wenn der Ex-Partner 2021 weniger als den Höchst­betrag absetzt, Ihnen aber tatsäch­lich mehr zahlt, müssen Sie ohne recht­zeitigen Widerruf den Mehr­betrag bis 13 805 Euro versteuern. Denn ohne entsprechenden Sonder­ausgaben­abzug muss Ihr Ex-Partner Ihnen Ihre Steuerlast nicht ausgleichen. Sie tragen die Differenz selbst.

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Prozess­kosten für Unterhalt absetzen

Wer Unterhalt vom früheren Ehepartner einklagt, kann die Gerichts- und Anwalts­kosten als Werbungs­kosten absetzen – unter bestimmten Voraus­setzungen. Das ­entschied das Finanzge­richt Münster (Az. 1 K 494/18 E). Eine geschiedene Frau klagte auf Erhöhung ihres nach­ehelichen Unter­halts. In dem Verfahren einigten sich die Parteien. Der Ex-Ehemann setzte die Zahlungen als Sonder­ausgaben ab, die Ehefrau versteuerte den Unterhalt als sons­tige Einkünfte. Die Prozess­kosten machte sie in ihrer Steuererklärung bei den sons­tigen Einkünften als Werbungs­kosten geltend. Zu Recht, entschieden die Richter. Wer Unterhalt versteuere, für den müsse der Werbungs­kosten­abzug möglich sein.

Dieses Special ist im Januar 2020 auf test.de erschienen und wird laufend aktualisiert.

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