Unrechtmäßige Bankgebühren Test

Dienstleistungen haben ihren Preis. Doch die Banken verschleiern die Kosten oft und lassen ihre Kunden in die Falle tappen. Einige Finanztest-Leser haben sich erfolgreich gewehrt.

Im Supermarkt oder beim Friseur ist es meist ganz einfach: Der Kunde weiß, was er bezahlen muss, bevor er das Päckchen Filtertüten in den Einkaufswagen packt oder vor dem Kopfwaschbecken Platz nimmt. Der Preis steht am Regal oder in der Preisliste im Schaufenster. So einfach ist es bei den Banken und Sparkassen nicht.

Das bekam Finanztest-Leserin Nicole Heckert zu spüren. Sie erfuhr erst zu spät, dass sich die Konditionen für ihr Onlinegirokonto geändert hatten. Auf einmal waren nur noch 40 Buchungen kostenlos, jede weitere kostete 30 Cent.

Erst als Heckert die 41. Buchung auslöste, bekam sie online eine „interne Mitteilung“ von einem Bankmitarbeiter. Eine Vorabinformation auf dem Kontoauszug gab es nicht, „weil das ja Negativwerbung für die Bank ist“, sagte ihr ein Mitarbeiter in der Filiale auf Nachfrage. Auf der Homepage der Volksbank Solling stand zu dieser Zeit sogar noch der alte Preis.

Beschwerden quer durch die Banken

Nicole Heckert ist eine von 120 Leserinnen und Lesern, die sich auf unseren Aufruf zum Thema Bankgebühren gemeldet haben. Im August hatten wir nach Erfahrungen mit Gebühren für tägliche Bankgeschäfte, Baufinanzierung und Geldanlage gefragt. Wir wollten wissen, worüber sich unsere Leser am meisten ärgern.

Die meisten Leserzuschriften betreffen die Postbank. Entsprechend ihrem Marktanteil werden aber auch Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und Citibank genannt, außerdem die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken. Ärger gibt es offenbar überall.

Mit Erfolg gewehrt

Unrechtmäßige Bankgebühren Test

Ungeschickt. Die Volksbank Solling hatte die Preissteigerung fürs Girokonto zwar auf der Homepage mitgeteilt, aber die neuen Entgelte nicht im Schalterraum der Filiale Uslar ausgehängt. Nicole Heckert bekam Buchungskosten erstattet.

Heckert wehrte sich und berief sich auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ihrer Volksbank. Dort stand, dass immer die Konditionen gelten, die im Preisaushang stehen. Die neuen Preise hatte die Bank aber noch gar nicht ausgehängt. Die Kundin bekam 35 Euro erstattet.

Banken und Sparkassen müssen im Schalterraum die Preise für ihre wesentlichen Leistungen bekanntgeben. Für weitere Dienstleistungen dürfen sie Geld verlangen, wenn die Kosten im ausführlichen Preisverzeichnis stehen. Das muss jedem Kunden auf Nachfrage zugänglich sein.

Aber nicht jeder Preis, der im Verzeichnis steht, ist rechtens. Noch immer kassieren Banken zum Beispiel weit über 100 Euro, wenn sie den Wert eines Hauses für eine Immobilienfinanzierung ermitteln oder nach Abschluss der Baufinanzierung die Löschung der Grundschuld im Grundbuch ermöglichen. Diese Gebühren sind unzulässig (siehe „Immobilienfinanzierung“).

Die Banken dürfen auch den Erben eines Verstorbenen keine pauschale Aufwandsentschädigung abknöpfen, bloß weil sie den Nachlass bearbeiten müssen.

Unzulässig ist eine Gebühr auch immer dann, wenn die Bank mit der Tätigkeit eine gesetzliche Pflicht erfüllt. Deshalb darf sie für eine Löschungsbewilligung der Grundschuld genauso wenig Geld verlangen wie für das Ändern eines Freistellungsauftrags.

Kostenlos müssen auch Tätigkeiten sein, die eine Bank im eigenen Interesse durchführt. Sie muss deshalb gebührenfrei nachforschen, ob eine Überweisung beim Empfänger angekommen ist, und darf auch kein Geld dafür nehmen, dass sie für einen Kredit den Wert einer Immobilie ermittelt. Auch typische Bankdienstleistungen wie das Einrichten oder Schließen eines Girokontos müssen kostenfrei sein.

Banken erfinden neue Preise

Immerhin verstoßen die Banken und Sparkassen nicht mehr so häufig wie noch vor einigen Jahren gegen die eigenen Preisregeln oder das geltende Recht. „Im Girokontobereich ist es um die Bankentgelte ruhiger geworden,“ sagt Hartmut Strube, Jurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie ist federführend bei der juristischen Verfolgung von unzulässigen Bankgebühren. „Dafür ist es komplizierter geworden, weil die Banken versuchen, die Regeln zu umgehen.“

Mehrere Banken haben zum Beispiel Entgelte von Kunden kassiert, die Angebote eingeholt, dann aber keinen Vertrag geschlossen haben. Ein anderes Institut wollte allein dafür Geld, dass ein aus dem Ausland eingehender Geldbetrag auf dem Girokonto verbucht wurde.

Strube berichtet auch über eine Bank, die für ein gepfändetes Konto eine zusätzliche Pauschale mit der Begründung berechnete, das Konto stehe schließlich unter „besonderer Betreuung“.

Alle diese Kreditinstitute hat die Verbraucherzentrale abgemahnt und die Kunden haben ihr Geld zurückbekommen (siehe „20 verbotene Gebühren“)

Ungeschickt, ungerecht, unflexibel

Unrechtmäßige Bankgebühren Test

Unflexibel. Henriette Freikamp hat sich über die Postbank geärgert. Die Bank kassierte Kontoführungsgebühren, bloß weil Freikamps Gehalt mal am 1. des Monats, mal schon am 31. des Vormonats einging. Dabei war es hoch genug für ein kostenfreies Konto.

Die meisten Leserinnen und Leser, die uns geschrieben haben, ärgern sich mehr über mangelhafte Informationen als über die Gebühr selbst. Denn gut informiert hätte mancher die Kosten vermeiden können.

So wechselten viele schließlich die Bank wie Henriette Freikamp: Bei einem monatlichen Geldeingang von 1 250 Euro war ihr Postbank-Girokonto kostenlos. Mit der Höhe und der Regelmäßigkeit des Geldeingangs hatte die angestellte wissenschaftliche Mitarbeiterin kein Problem, denn ihr Nettogehalt liegt darüber. Doch manchmal kam der Lohn am ersten Tag, manchmal bereits am letzten Tag des Vormonats. Dann hat die Postbank in dem Monat, in dem vermeintlich kein Gehalt einging, 5,90 Euro für die Kontoführung berechnet.

„Auf meine Beschwerde sagte man mir, dass das alles EDV-mäßig abläuft und die Bank keine Möglichkeit hat, das individuell zu lösen“, schildert Freikamp ihren Ärger. Als sie die Bank wechselte, bot man ihr an, die Gebühren für ein Jahr zu übernehmen.

Finanztest-Leser Ingo Ludwig konnte 20 Euro für Recherchekosten bei der norisbank gerade noch einmal zurückholen. Er hatte Geld überwiesen und sich gewundert, weil es nach seiner Meinung zu lange unterwegs war. Er fragte bei der Bank, wo denn das Geld geblieben sei, und sollte für die Aufklärung 20 Euro bezahlen.

„Dabei schuldet die Bank den Erfolg der Überweisung“, sagt Verbraucherschützer Strube. „Kann der Kunde ihn nicht feststellen, führt sein Wunsch nach Aufklärung weder zu einer Reklamations- noch zu einer Nachforschungsgebühr.“

Über die Dauer von Überweisungen klagte auch ein Leser, der Kunde der Apotheker- und Ärztebank ist. Allerdings sollten Bankkunden bei Überweisungen nicht zu ungeduldig sein. Schließlich dürfen sich Banken bei Überweisungen innerhalb Deutschlands von Bank A zu Bank B drei Bankgeschäftstage Zeit lassen. Die Frist beginnt am Tag nach dem Auftrag.

Zwei Tage dürfen es nur sein, wenn die Zahlung innerhalb desselben Instituts erfolgt, nur ein Tag bei Überweisung innerhalb der gleichen Haupt- oder Zweigstelle.

Gebühren am Automaten unklar

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Ungeklärt. Für Christian (rechts) und Michael Zimmer hatte der Opa Sparbücher angelegt. Als die Eltern sie nach dessen Tod auflösten und das Geld auf das Konto einer anderen Bank überweisen ließen, berechnete die Sparkasse Merzig-Wadern ohne Begründung jeweils 10 Euro.

Andere Leser klagen, dass die Banken schlecht darüber informieren, was es kostet, wenn sie Geld am Automaten abheben, und beschweren sich über unfreundliche Mitarbeiter.

Eine Leserin und ihr Mann ärgern sich über ihre Volksbank in Marl. Auf ihr Gemeinschaftskonto fließen beide Gehälter, trotzdem kostet die zweite ec-Karte 5 Euro.

Irritiert waren die Brüder Christian und Michael Zimmer. Ihr Großvater hatte für die Enkel je ein Sparbuch angelegt. Nach seinem Tod haben die Eltern die Sparbücher bei der Sparkasse Merzig-Wadern aufgelöst und das Geld auf ein Konto bei einer Genossenschaftsbank überweisen lassen. Doch das Geld ging nicht vollständig dort ein. Die Sparkasse zog jeweils 10 Euro ab.

Den Eltern sagte man daraufhin, dass die Überweisung an die Genossenschaftsbank besonders aufwändig gewesen sei. Finanztest erhielt bis Redaktionsschluss keine Auskunft, wie die Kosten zustande gekommen sind. Im Preisverzeichnis der Bank waren sie nicht nachzulesen.

Kunden müssen aktiv werden

Selbst Banken, die mit gebührenfreien Leistungen werben, kassieren bisweilen erst einmal ab. Im Januar 2008 fiel einer Finanztest-Leserin auf, dass die BW Bank für ihre Visa-Kreditkarte 20 Euro Jahresgebühr abgebucht hatte. Dabei warb die Bank gerade mit Plakaten und im Internet damit, dass die Kreditkarte neuerdings kostenlos sei.

Die Kundin fragte nach, erhielt die Antwort „Oh ja, Sie haben Recht“, und bekam 20 Euro gutgeschrieben. Es stellte sich heraus, dass die Bank nur denjenigen die Kartengebühr erlässt, die sich melden. Die Leserin hat ihre Konsequenzen gezogen und die Bank gewechselt. Sie ist nicht allein.

Ina-Kerstin Rohmert will zum Beispiel weg von der Sparkasse, „auch wenn ich schon seit meiner Geburt dort Kunde bin.“ 5 Euro Kontoführungsgebühr für ein wenig genutztes Onlinekonto findet sie zu teuer.

Wenigstens der Abschied ist gratis: Ein Girokonto dürfen Kunden fristlos und ohne Angabe von Gründen kündigen. Die Bank darf dafür kein Geld berechnen.

Die Bank wechseln – das ist das beste Druckmittel der Kunden. Sie sollten ihre Bank betrachten wie jeden Anbieter einer Ware oder Dienstleistung: Ist das Angebot schlecht, wählen sie ein anderes. Wie im Supermarkt: Sind für den alten Preis plötzlich weniger Filtertüten in der Packung, kauft man diese Marke nicht mehr.

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