Das Motto der Musketiere „Einer für alle, alle für einen“ trifft auch auf Universal­fernbedienungen zu. Aber wie damals ist auch hier nicht jeder Kandidat gut für die illustre Runde.

Der Kampf mit Mantel und Degen für Ehre und Königin ist Geschichte. Wer seiner Herzensdame heute imponieren will, ficht heldenhaft im Halbdunkel des Wohnzimmers mit den diversen Fernbedienungen für Fernseher, Surround-Verstärker, DVD-Spieler und Sat-Receiver. Oder schafft sich eine Universalfernbedienung an, die sich mit allen Teilen des Wohnzimmer-Essembles versteht. Fragt sich nur welche das kann?

Eine „Gute“ schon für 20 Euro

Zunächst das Testergebnis: Jede zweite der 14 geprüften Universalfernbedienungen erwies sich als „gut“ – die billigste, von Medion, kostet nur 20 Euro. Für sie wie auch die anderen guten Universalfernbedienungen sprechen viele Gründe:

  • Meist ersetzen sie defekte Originale, vielleicht, weil sie zu oft vom Couchtisch gefallen sind – eine Übung, die unsere Geräte im Test klaglos überstanden.
  • Oder es wird eine „Zapper-Fernbedienung“ gesucht, nur für den Fernsehapparat. Originalfernbedienungen sind oft mit Tasten überladen und unübersichtlich. Das kann man von den „Nur-TV-Universalfernbedienungen“ nicht sagen. Doch die Philips schießt mit ihren wenigen Tasten übers Ziel hinaus. Sie hat nicht einmal welche für den Videotext. Auch die anderen beiden im Test überzeugen nicht.
  • Besser gefielen uns viele der größeren, komfortableren Universalfernbedienungen. Sie ersetzen nicht nur eine originale, sondern gleich 3 bis 15 Fernbedienungen. Sie steuern zum Beispiel Audio- oder Heimki­noanlage, Sat- oder DVB-T-Empfänger, Fernsehgerät und DVD-Spieler. Aber nur lernfähige steuern Sonderfunktionen, beispielsweise zur Wahl der Unterkanäle im Sportprogramm beim Bezahlsender Premiere.

Die Grenzen der Universalen

Die Zahl der Originalfernbedienungen ist unüberschaubar, Tastenanordnung und -beschriftung sind schier unendlich. Das macht es den Universalfernbedienungen schwer. Ihre Stärke ist die Steuerung von Einzel­kom­po­nenten. Sie kapitulieren jedoch fast immer vor einer kompakten Musikanlage (CD-Spieler, Radioempfangsteil und Verstärker in einem Gehäuse) und auch vor einem DVD-Festplattenrekorder: Selten können sie mehr als An/Aus oder die Lautstärke regeln. Funktionen wie zeitversetztes Fernsehen können womöglich über die Lernfunktion programmiert werden. Verlass ist darauf aber nicht.

Tipp. Wegen dieser Unwägbarkeiten sollte ein Rückgaberecht ausgehandelt werden.

Der Umgang mit einer Universalfernbedienung für mehrere Geräte ist gewöhnungsbedürftig: Statt zu einer der vielen Einzelbedienungen zu greifen, heißt es an der Universalen, zuerst die richtige Gerätetaste zu drücken. Denn der Druck auf die Vorlauftaste für die DVD bringt nichts, wenn die Universalfernbedienung auf ein anderes Gerät eingestellt ist.

Praktisch sind alle, die beim Druck auf „laut“ und „leise“ stets die Lautstärke des Fernsehers verstellen – auch wenn sie den DVD-Spieler steuern. Das kann nur die Skymaster 7in1 nicht. Die Skymaster 3in1 wie auch die Vivanco 3 SE regeln in so ­einem Fall immer die Lautstärke des TV-Geräts, alle anderen können sogar frei eingestellt werden. Dann wird die Lautstärkeregelung beispielsweise fest auf den Heimkinoverstärker gelegt – das ist gut, falls nicht nur DVDs und CDs, sondern auch der Fernsehton über die Musikanlage läuft. Ebenso praktisch: die Displays der Philips SRU 9600/10, One For All 6 Kameleon und Pearl Q-Sonic, die „kontextbezogen“ nur die Tasten anzeigen, die für das gerade gewählte Gerät sinnvoll sind.

Komplizierte Programmierung

Bevor man entspannt aus dem Fernsehsessel zappen kann, heißt es erst einmal, die Universalfernbedienung auf die Geräte einzustellen. Das Prinzip: Die Kodetabelle in der Bedienungsanleitung enthält nach Gerätegruppen und Hersteller sortiert jeweils mehrere, meist vierstellige Kodes. Die Universalfernbedienung wird in den Programmiermodus geschaltet (zum Beispiel Bedienmenü aufrufen oder eine Set-Taste drücken). Dann wird ein Kode nach dem anderen eingegeben – bis das zu programmierende Gerät auf den An/Aus-Befehl anspricht. Nun funktionieren meist auch alle anderen Grundfunktionen (wie laut/leise, Programmplatz auf/ab, Videotext und so weiter).

Tipp. Oft ist erst der zweite oder dritte funktionierende Kode optimal – zum Beispiel zum Aufruf von Bedienmenüs (etwa für Farbe und Helligkeit). Probieren lohnt.

Die Programmierung ist jedoch oft hakelig. Manchmal stimmt die Bedienungsanleitung nicht, zum Beispiel bei der Vivanco UR 850 LCD: „Drücken Sie kurz die Set-Taste und dann dazu die gewünschte Gerätetaste ...“ – es müssen aber beide Tasten gleichzeitig gedrückt werden. Und die Logitech Harmony 525 muss zwingend am Computer über das Internet programmiert werden. Will der Nutzer Zwischenschritte ausprobieren, saust er zwischen Wohnzimmer und Computer hin und her – wer aber hat den PC schon im Wohnzimmer zu stehen? Und sehr verwirrend fanden wir die Philips SRU 1010/10. Weil sie keine Zifferntasten hat, wird sie über Laut/Leise- und Programm Auf/Ab-Tasten programmiert. Die zugehörige Kodetabelle zeigt keilschriftartige Symbolgruppen (siehe Foto).

Suchlauf voller Tücken

Scheitert die direkte Kodeeingabe, wird das zu steuernde Gerät eingeschaltet und an der Universalfernbedienung kann ein Suchlauf gestartet werden. Jetzt sendet sie das Aus-Signal mit jedem Druck auf die Ein/Aus-Taste in einem anderen Kode. Geht das Gerät dann aus, ist der richtige Kode gefunden. Oft sind Hunderte Versuche erforderlich. Der automatische Such­lauf scheint be­quemer, muss aber sofort gestoppt werden, wenn das zu steuernde Gerät abschaltet. Nach manchmal minutenlangem Warten auf den Treffer verpassten unsere Prüfer ab und zu den richtigen Moment, ein Neustart war unerlässlich. Mit drei parallelen Versuchsaufbauten avancierte der Suchlauf auch deshalb zur meistgehassten Funktion, weil sich unbeabsichtigt immer mal auch ein Gerät an einem anderen Prüfplatz ausschaltete. Aber um dem Nachbarn die Anlage zu verstellen, ist die Reichweite der Fernbedienungen zu gering.

Versagt auch der Suchlauf, helfen die telefonische Hotline, Kodetabellen im Internet (Updatefunktion) oder die Lernfunktion – soweit vorhanden. Taste für Taste lernt die neue Fernbedienung so die Kodes der alten. Ein wahrhaft heldenhaftes Unterfangen im halbdunklen Wohnzimmer.

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