Unfall­versicherung für Senioren Das bieten Assistance-Tarife

Unfall­versicherung für Senioren - Das bieten Assistance-Tarife
Herbert Haf war froh, dass die Versicherung nach dem Unfall seiner Frau für Alltags­hilfe sorgte. © Heiko Meyer

Spezielle Versicherungen helfen im Alltag, wenn ältere Menschen verunglü­cken. Wir zeigen die besten Tarife.

Unfall­versicherung für Senioren Alle Testergebnisse für Assistance-Leis­tungen für Senioren 02/2019

Inhalt

Ein falscher Schritt im Garten – und schon trat für das Ehepaar Haf aus dem hessischen Gudens­berg ein Notfall ein. Hildegund Haf hatte sich beim Sturz die Schulter gebrochen und musste eine Woche im Kranken­haus verbringen. Danach wollte sie nur eins: schnell wieder nach Hause. Doch das war schwierig, denn ihr Mann Herbert ist nach einigen Operationen in seinem Bewegungs­spielraum stark einge­schränkt. Pflegen konnte er seine Frau nicht. „Dass wir eine Versicherung haben, die in solchen Fällen hilft, hat uns in der Situation gerettet“, sagt der 80-Jährige.

Jahre zuvor hatte er den Schutz­brief SorglosLeben der SV Sparkassen­versicherung für sich und seine Ehefrau abge­schlossen – eine Unfall­versicherung mit Assistance-Leistungen für Senioren.

Noch als seine Frau im Kranken­haus lag, rief der ehemalige Mathematik-Professor bei einer Notfall­nummer der Deutschen Assistance an, einem Unternehmen, das für verschiedene Versicherer Hilfs­leistungen organisiert. Zwei Monate lang bekamen die Hafs Unterstüt­zung: Essen auf Rädern, einen Fahr­dienst zum Arzt sowie Hilfe im Haushalt und bei der Garten­arbeit – solange, bis sich das Ehepaar selbst versorgen konnte. Die Versicherung zahlte die Kosten.

Unser Rat

Bedarf.
Wären Sie nach einem Unfall mit der Organisation des Alltags über­fordert, weil sich keiner um Sie kümmern kann? Dann kann eine Absicherung mit Assistance-Leistungen bei einem Unfall­versicherer sinn­voll sein. So bekommen Sie nach einem Unfall Hilfen wie Menü-Service, Haus­halts­hilfe und Fahr­dienste organisiert und bezahlt.
Auswahl.
Wenn Sie bereits eine Unfall­versicherung haben, fragen Sie Ihren Versicherer nach Assistance-Angeboten und vergleichen Sie diese mit unserem Mindestumfang. Für 65- und 75-jährige Neukunden sind der Optimal-Tarif der WGV und die Unfall­versicherung Classic inklusive Schutz­brief der Huk24 und der Huk-Coburg Allgemeine empfehlens­wert und günstig (Tabelle Assistance-Leistungen für Senioren).
Vertrag.
Falls Sie Assistance-Leistungen zu einer bestehenden Unfall­versicherung dazu­kaufen, versuchen Sie möglichst, Ihren alten Vertrag zu behalten und nur zu erweitern. Sie laufen sonst Gefahr, schlechtere Bedingungen im Unfall­schutz zu bekommen.

Unbürokratisch im Notfall

Assistance-Leistungen gibt es nicht nur in der Unfall­versicherung. Ihr Konzept: Nach einem Schadens­fall bekommt ein Versicherter statt Geld unbürokratisch Hilfe. Das kann bei einer Auto­versicherung die Pannen­hilfe sein, bei einer Auslands­kranken­versicherung die Organisation des Rück­trans­ports. Bei Unfall­versicherungen wird schnelle und praktische Hilfe wie bei den Hafs geleistet – bei schweren Unfällen aber auch bei Verletzungen, die wieder abheilen, wie einem gebrochenen Arm oder einem verknack­sten Fuß. Ein Kunde kann solche Assistance-Leistungen separat versichern. Meist wird der Schutz aber zusammen mit einer regulären Unfall­versicherung angeboten, die im Fall einer unfall­bedingten Invalidität in der Regel eine fest­gelegte Summe oder Rente auszahlt.

Unfall­versicherung für Senioren Alle Testergebnisse für Assistance-Leis­tungen für Senioren 02/2019

Krankenkasse zahlt medizi­nische Hilfe

Zwar steht auch Senioren ohne Assistance-Schutz Unterstüt­zung zu – allerdings vor allem im medizi­nischen und pflegerischen Bereich. Krankenkassen bewil­ligen Haus­halts­hilfen nur in bestimmten Fällen. Wer im Kranken­haus liegt und von dort aus seinen Alltag zu Hause organisieren muss, ist auf die Sozialstationen der Krankenhäuser angewiesen und im Pflegefall auf die Pfle­gestütz­punkte in seiner Kommune. Doch das kann in einer ohnehin schwierigen Situation Zeit und Nerven kosten. Im Rück­blick sagt Herbert Haf: „Für uns war es eine große Erleichterung, dass uns die Organisation abge­nommen wurde und alles reibungs­los ablief.“

Jüngere zahlen meist weniger

Wir wollten wissen, was Unfall­versicherer an Assistance-Leistungen bieten und haben 57 Tarife untersucht. Einige kann man separat abschließen, andere sind an eine Unfall­versicherung mit finanziellen Leistungen gekoppelt. Fast immer ist der Jahres­beitrag vom Einstiegsalter abhängig: Wer sich mit 65 Jahren zum Abschluss entschließt, zahlt bei den meisten Versicherern weniger Beitrag als ein 75-Jähriger.

Empfehlens­wert ab 35 Euro im Jahr

Empfehlens­wert sind 17 Angebote. Besonders günstig ist der Tarif Optimal der WGV: 65-Jährige zahlen beim Einstieg 35 Euro jähr­lich, 75-jährige Neukunden 51 Euro. Auch die Unfall­versicherung Classic inklusive Unfall-Schutz­brief der Huk24 und der Huk-Coburg Allgemeine sind günstig. Sie kosten im Jahr nicht mehr als 58 beziehungs­weise 80 Euro (siehe Unser Rat oben). Wer über einen Abschluss nach­denkt, sollte die Tarife genau vergleichen, denn es gibt große Unterschiede – bei den alters­abhängigen Beiträgen und beim Leistungs­umfang. So sollten beispiels­weise Senioren mit Hund eher einen Tarif wählen, der eine Haustier­betreuung enthält.

Der Partner muss versorgt sein

Wir empfehlen Tarife, die eine Reihe von festgelegten Leistungen bieten. Dazu gehören umfassende Hilfen vom Menü-Dienst bis zur Begleitung bei Arzt­besuchen. Die Hilfe sollte über einen Zeitraum von sechs Monaten geleistet werden.

Wichtig ist, dass die Pflege eines Angehörigen durch die Versicherer abge­deckt ist. Schließ­lich versorgt bei älteren Paaren häufig einer den anderen. Sinn­voller­weise sind im Versicherungs­schutz auch Unfälle einge­schlossen, die durch alters­typische Erkrankungen wie Schlag­anfälle sowie durch Bewusst­seins­störungen nach der Einnahme von Medikamenten entstehen.

Wer bereits eine Unfall­versicherung besitzt, sollte seinen Versicherer nach dessen Assistance-Angeboten fragen und diese mit unseren Ergeb­nissen vergleichen.

Wie die Hilfe im Notfall abläuft

Großer Vorteil der Assistance-Leistungen: Der Kunde muss sie – anders als zum Beispiel Geldzah­lungen nach einem Schadens­fall – nicht schriftlich beantragen. In der Regel reicht ein Anruf oder eine E-Mail an die Service­center der Assistancen, also jene Unternehmen, die eng mit den Versicherern zusammen­arbeiten. Falls eine Versicherung ein ärzt­liches Attest verlangt, kann der Kunde es später nach­reichen.

Mitarbeiter in den Service­centern heißen Assisteure und bringen eine Ausbildung im medizi­nischen Bereich oder bei einer Versicherung mit. Die Versicherten schildern ihnen telefo­nisch oder schriftlich, was passiert ist und welche Art von Unterstüt­zung sie brauchen – zum Beispiel Essen auf Rädern, Pflege­leistungen, Fahr­dienste, Begleitung bei Behördengängen.

Mirja Werner, Mitarbeiterin der Deutschen Assistance sagt:„Es ist wichtig, dass sich Versicherte oder ihre Angehörigen nach einem Unfall so schnell wie möglich melden und die Lage detailliert schildern.“ Allergien, Unver­träglich­keiten, behandelnde Ärzte und mögliche Ansprech­partner in der Familie sind weitere Themen der ersten Gespräche.

Zwei Tage, bis Unterstüt­zung steht

Um die nötigen Hilfs­leistungen zu veranlassen, greifen die Assisteure auf ein bundes­weites Netz­werk mit lokalen Pflege­diensten und anderen Dienst­leistern zurück. Auch Hilfs­organisationen wie die Caritas arbeiten mit ihnen zusammen.

„Im Schnitt dauert es ein bis zwei Werk­tage, bis wir Hilfe organisiert haben“, sagt Mirja Werner. „Oft behelfen wir uns so lange mit Zwischenlösungen. Wenn noch kein Menü-Service bereit­steht, ist es möglich, dass die Versicherten sich Essen bei einem Restaurant-Liefer­dienst bestellen und anschließend die Quittungen einreichen.“ Die meisten Versicherten würden warme Mahl­zeiten, einen Reinigungs­service und Fahr­dienste benötigen. Verwandte oder Bekannte können in der Notfall­situation ebenfalls einspringen und werden im Nach­hinein von den Versicherern dafür bezahlt. „Voraus­setzung ist allerdings, dass ein geregeltes Arbeits­verhältnis wie ein Minijob besteht“, sagt Werner.

Versicherung greift nicht immer

Unser Fazit: Der Abschluss von Assistance-Leistungen kann sich für ältere Menschen lohnen, die weit­gehend auf sich alleine gestellt sind oder sich nach einem Unfall womöglich mit der Organisation von Hilfe über­fordert fühlen.

Mit dieser Art von Schutz erhalten sie für eine begrenzte Zeit schnelle Hilfe bei der Pflege, im Haushalt und bei der Organisation ihres Alltags – aber nur nach einem Unfall. Gerade im Alter sind schwere Erkrankungen wie Lungen­entzündungen häufiger als Unfälle. Auch auf sie kann eine Phase der Hilf­losig­keit folgen. In diesen Fällen greift der Versicherungs­schutz in der Regel nicht.

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28 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Profilbild Stiftung_Warentest am 04.04.2022 um 15:31 Uhr
Such eines günstigen Tarifes

@Erftlady: Bitte beachten Sie unsere Tipps zur Suche eines Tarifes. Klicken Sie nicht einfach auf die Schutzpakete, zu denen Sie im Netz eine Werbung für Senioren und Seniorinnen finden. Dahinter befinden sich mitunter sehr teure Spezial- und Kombitarife.
Von den 57 Tarifen, die wir hier getestet hatten, waren 45 Tarife, die es nur in Kombination mit einer Unfallversicherung, gibt, die neben Hilfsleistungen auch finanzielle Leistungen bei unfallbedingter Invalidität bieten, wie eine Kapitalleistung oder eine monatliche Rente. Um einen solchen günstigen Tarif zu finden, lassen Sie sich ein Angebot mit Unfallleistungen geben. Um Geld zu sparen, sollten Sie den Vermittler bitten, die Unfallleistungen so weit wie möglich herunterzusetzten. Denn es kommt Ihnen ja auf die Assistenzleistung des Tarifes an, nicht auf die Unfallleistung. Auf diesem Weg kommen Sie auf Preise, die weit unter den Preisen für Tarife ohne Unfallleistungen liegen.
Vermittler verkaufen oft standardmäßig Tarife mit (weitaus) höheren Unfallleistungen und deswegen kostet dann das Gesamtpaket entsprechend mehr.
Auch heute bekommen Sie noch einen bezahlbaren Tarif, wenn Sie diesen Tipp beherzigen.

Erftlady am 02.04.2022 um 19:06 Uhr
Olle Kamellen fern der aktuellen Realität

Ich habe jetzt (März 2022) versucht, bei den genannten Versicherungen die aktuellen Beiträge zu ermitteln. Die Ergebnisse waren so weit von den Werten aus dem Artikel entfernt, dass keine Versicherung davon auch nur annähernd in Frage kommt.
Dieser Vergleich hat NICHTS mehr mit der Realität zu tun und sollte entfernt oder mit aktuellen Werten auf den heutigen Stand versehen werden. Es ist schon recht mühsam, stundenlang Tarife zu checken, um dann festzustellen, dass nichts davon mehr Bestand hat.

Profilbild Stiftung_Warentest am 06.09.2019 um 16:30 Uhr
Unfall-Rente

@Willebra: In der Regel benötigen verunfallte Senioren keine zusätzlichen finanziellen Mittel in Form einer Unfallrente oder eines Tagegeldes. Sinnvoller sind die im Artikel dargestellten Assistance-Leistungen, die den Versicherten in der Zeit des Krankenhausaufenthalts und in der Zeit bis zur Genesung unterstützen. Wir haben in der Tabelle die Policen gekennzeichnet, die als Zusatz zu privaten Unfallversicherungen angeboten werden. Die Kombination aus Seniorenunfallpolice und privater Unfallversicherung kann sinnvoll sein, wenn bei unfallbedingter Invalidität z.B. ein Umbau im Haus notwendig wird . Dies kann man dann mit der Kapitalleistung, die zur Auszahlung kommt bewerkstelligen. (TK)

Willebra am 28.07.2019 um 19:05 Uhr
Unfall-Rente

Guten Tag.
Ist eine Unfall-Rente für Rentner sinnvoll?
Ist Krankenhaustagegeld für Rentner sinnvoll?
Gruß KH Willebrand

Tara am 02.04.2019 um 12:25 Uhr
Nachtrag Kommentar 28.01., 25.02

Langes Antragsformular komplett ausgefüllt bei der WGV. Heute kommt mit der Post erneut ein Fragebogen, indem man meinen Krankheitsverlauf von Kindesbeinen ( habe extra angerufen um zu fragen, ob mein Armbruch mit 6 auch notiert werden muss.....) an haben will.
Ich bin seit 30 Jahren privat krankenversichert, in den Arztbriefen der letzen 30 Jahre standen Diagnosen ohne Ende.
Ich habe in meinem Leben auch schon einiges an Medikamenten genommen. Ein korrektes Ausfüllen des Fragebogen würde bedeuten, mich durch 30 Jahre private Abrechnungen zu wühlen, von den 31 Jahren vorher, für die ich keinerlei Unterlagen habe mal ganz abgesehen. Dazu sollen Ärzte benannt werden, die für die vorhandenen Diagnosen am ehesten eine Aussage machen können.
Ich nehme seit Jahren keinerlei Medikamente ein, gehe 5 mal die Woche zum Sport und werde meine Assistance Leistungen lieber selbst finanzieren, sollte ich sie jemals benötigen.