Auf der Wiesn ein bisserl über die Stränge schlagen, ist bei vielen Oktober­fest-Besuchern durch­aus einge­plant. Die Folge: Jedes Jahr verletzen sich Gäste bei alkoholbe­dingten Stürzen und Schlägereien. Allein im vergangenen Jahr mussten über 10 000 Personen von Erst­helfern betreut werden. Ängst­liche Wiesn-Gäste können jetzt kurz­fristig eine Unfall­versicherung abschließen. 5,99 Euro kostet der Schutz für 24 Stunden. test.de hat das Angebot unter die Lupe genommen.

Angebot nur im Netz erhältlich

Die Versicherungs­gruppe die Bayerische hat eine Unfall­versicherung mit weiteren Extra­leistungen für die Wiesn konzipiert. Die Police ist über die kostenlose App „Appsichern“ vom Smartphone oder über die Internetseite www.wiesnschutz.de erhältlich. Die Bezahlung erfolgt über drei zur Auswahl stehende Bezahl-Dienst­leister. Der Vertrag kann nach 24 Stunden oder zum gewünschten Zeitraum enden. Maximal läuft der Schutz bis zum Ende des Oktober­fests am 5. Oktober 2014.

Schutz für den Fall dauer­hafter Invalidität

Der Versicherer springt ein, wenn ein Gast durch einen Unfall dauer­haft invalide wird. Die maximale Versicherungs­summe beträgt 50 000 Euro. Der Verlust oder die Funk­tions­unfähigkeit bestimmter Körperteile richtet sich nach der so genannten Gliedertaxe. Wer einen Zeigefinger verliert, erhält 10 Prozent Invaliditäts­leistung, also 10 Prozent der Versicherungs­summe – das sind 5 000 Euro. Bei Verlust eines Auges gibt es 50 Prozent, also 25 000 Euro. Darüber hinaus bietet der Versicherer weitere Extras:

  • Kosmetische OP. Für kosmetische Operationen nach einem Wiesnunfall über­nimmt der Versicherer Arzt­honorare, sons­tige Kosten der Operation und Kosten des Klinik­aufent­halts – maximal bis zu 10 000 Euro.
  • Zahnbe­hand­lung. Für neue Eck- und Schneidezähne gibt es pro Unfall maximal 2 000 Euro.
  • Kranken­trans­port. Für einen medizi­nisch sinn­vollen und vertret­baren Krankenrück­trans­port aus München an den Wohn­ort oder das dem Wohn­ort nächst­gelegene Kranken­haus über­nimmt der Versicherer bis zu 2 000 Euro.
  • Dokumente. Für Ersatz­dokumente zahlt der Versicherer bis zu 100 Euro, sofern ein Wiesn-Gast den Diebstahl oder Raub der Papiere und Bank­karten polizei­lich meldet und die Kosten für die Ersatz­beschaffung nach­weist.

Ein Angebot ohne Gesund­heits­prüfung

Kurz­entschlossene, die noch keine Unfall­versicherung haben und die fürchten, im feucht­fröhlichen Trubel der Wiesn verletzt zu werden, können mit wenigen Klicks schnell einen Unfall­schutz erhalten. Eine Gesund­heits­prüfung gibt es nicht. Kunden müssen nur persönliche Angaben wie ihren Namen, Adresse, Geburts­datum sowie eine bezugs­berechtigte Person im Todes­fall angeben.

Die Versicherungs­summe ist recht gering

Die Nachteile des Angebots: Die Versicherungs­summe von maximal 50 000 Euro ist relativ gering. Wer dauer­haft invalide und zum Beispiel ein Leben lang im Roll­stuhl sitzen muss, ist darauf angewiesen, auch finanziell gut versorgt zu sein. Deshalb empfiehlt Finanztest mindestens eine Versicherungs­summe von 100 000 Euro. Aber auch bei nied­rigeren Invaliditäts­graden muss die Leistung stimmen. Bei guten Unfall­versicherungen erhalten Versicherte zum Beispiel bei einer Vollinvalidität mindestens 500 000 Euro.

Was tatsäch­lich versichert ist

Was vielen manchmal nicht klar ist: Der Unfall­versicherer springt nicht bei Unfällen an sich ein – sondern nur, wenn Schäden bleiben. Dass heißt: Wer bei einer Maßkrug­schlägerei verletzt wird, sich einen Fuß verstaucht oder nach einem Sturz von der Bier­bank wochen­lang den Arm in Gips hat, bekommt keine Versicherungs­leistung, wenn später alles wieder gut wird. Ein weiterer Nachteil: Der Versicherungs­schutz gilt nur auf dem Fest­gelände des Oktober­festes sowie auf dem Weg der direkten An- und Abreise. Wer in München im Hotel über­nachtet und dort beim Frühstücken unglück­lich verunglückt, hat keinen Versicherungs­schutz.

Alkohol­konsum erlaubt

Auf der Wiesn ein bisserl über die Stränge schlagen, ist bei vielen Besuchern durch­aus einge­plant. Jedes Jahr sind Erst­helfer im Dauer­einsatz, weil sich Gäste bei alkoholbe­dingten Stürzen und Schlägereien verletzen. Allein im vergangenen Jahr mussten über 10 000 Personen betreut werden. In der Kurz­zeit-Unfall­versicherung sind Unfälle durch Bewusst­seins­störungen, die durch Trunkenheit verursacht sind, versichert. Bei Bewusst­seins­störungen, die infolge von Trunkenheit beim Fahren eines Autos vorliegen, besteht Versicherungs­schutz jedoch nur, wenn der Blut­alkohol­gehalt unter 0,5 Promille liegt. Oft zahlt ein Unfall­versicherer nicht, wenn Alkohol im Spiel war. Allerdings schließen die meisten guten Unfall­versicherungen aus unserem Test von Unfallversicherungen auch den Schutz bei Unfällen unter Alkohol­einfluss ein. Beim Auto­fahren akzeptieren viele Versicherer sogar einen Blut­alkohol­wert bis 1,1 Promille.

Fazit: Für Frei­zeit-Unfall­schutz recht teuer

Für einen Frei­zeit-Unfall­schutz, der nur auf dem Oktober­fest Gültig­keit hat, ist die Police relativ teuer. Ein Wiesn-Gast, der sich für vier Tage versichert, zahlt 23,96 Euro. Kunden sollten sich auch darüber im Klaren sein, dass der Versicherer nur bei bleibenden Gesund­heits­schäden einspringt. Außerdem dürfte die Versicherungs­summe im Ernst­fall nicht ausreichen. Besser: Recht­zeitig für einen optimalen Schutz sorgen. Sinn­voll ist eine Unfall­versicherung, die jeden Tag und welt­weit gilt. Guten Schutz gibt es ab etwa 120 Euro im Jahr. Mehr Infos finden Sie im letzten Test von Unfallversicherungen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 27 Nutzer finden das hilfreich.