Ausgewählt, geprüft, bewertet

Finanztest hat Angebote der Versicherer für eine private Unfallversicherung getestet. Wir haben über 500 Tarife untersucht, die bei Vollinvalidität mindestens 100 000 Euro (Versicherungssumme) und im Todesfall 10 000 Euro zahlen.

Von allen Angeboten einer Gesellschaft haben wir die mit den besten Finanztest-Qualitätsurteilen ermittelt und in der Tabelle dargestellt. Gibt es davon mehrere Varianten (z. B. Basis, Komfort), haben wir sie aufgeführt. Weitere Tarife eines Anbieters nennen wir, wenn beim besten Tarif unter den Modellvorgaben keine Kinder versichert werden können.

Tarifname

Der Tarifname zeigt die Höhe der Auszahlung bei Invalidität. Heißt der Tarif P 350, erhält der Versicherte bei Vollinvalidität 350 Prozent der Versicherungssumme.

Finanztest-Qualitätsurteil

In das Finanztest-Qualitätsurteil ging das Urteil über das Preis-Leistungs-Verhältnis der Kapitalzahlung mit einem Gewicht von 60 Prozent, das Urteil über die Versicherungsbedingungen mit 30 Prozent und das Urteil über die Antragsformulare mit 10 Prozent ein. Die Rangfolge der Angebote entspricht den Zwischennoten auf einer Skala von 0,5 bis 5,5. Bei gleichem Qualitätsurteil haben wir alphabetisch sortiert.

Preis-Leistungs-Verhältnis (60 Prozent)

Das Preis-Leistungs-Verhältnis setzt die Beiträge ins Verhältnis zur Höhe der Kapitalzahlung. Es ergibt sich, indem der Jahresbeitrag für Kinder (falls angeboten), der Beitrag für die niedrige Gefahrengruppe und der für die höhere Gefahrengruppe jeweils durch die in der Untersuchung erreichte Kennzahl für die Leistung geteilt wird. Die Ergebnisse wurden in fünf Abschnitte eingeteilt und einer Notenskala von 0,5 bis 5,5 zugeordnet. Einzelne Extremwerte haben das Ergebnis nicht beeinflusst. Für den Gesamtwert wurde der Mittelwert aus diesen Urteilen gebildet.

Leistung: Um die Leistung zu berechnen, haben wir für jedes Angebot die Höhe der Auszahlung in der Regel für 25, 50, 75, 90 und 100 Prozent Invalidität ermittelt. Dann haben wir diese Werte zu einer Leistungskurve (siehe Grafiken) verbunden und die darunterliegende Fläche berechnet. Da die geringeren Invaliditätsgrade viel häufiger vorkommen als die hohen, haben wir die Leistung unterschiedlich berücksichtigt: 0 bis 25 Prozent Invalidität mit einem Gewicht von 35 Prozent, 25 bis 50 Prozent Invalidität mit 35 Prozent, 50 bis 75 Prozent Invalidität mit 15 Prozent, 75 bis 90 Prozent Invalidität mit 10 Prozent und 90 bis 100 Prozent Invalidität mit 5 Prozent.

Jahresbeitrag: Die Beiträge gelten für Einjahresverträge inklusive Versicherungsteuer, auf volle Euro gerundet. Bei altersabhängigen Tarifen wurde ein Alter von 40 Jahren angenommen. Der Vertrag verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn er nicht gekündigt wird.

Kind: Zu Kinderkonditionen versicherbar sind Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.

Niedrige Gefahrengruppe: Frauen werden meist in die niedrige Gefahrengruppe eingestuft, ebenso wie Männer mit einem wenig gefährlichen Beruf wie zum Beispiel kaufmännische Angestellte (Innendienst).

Höhere Gefahrengruppe: In die höhere Gefahrengruppe werden zum Beispiel Handwerker oder Kraftfahrer eingestuft. Frauen werden fast nie dieser Gruppe zugewiesen.

Anträge (10 Prozent)

Wir haben die Antragsformulare untersucht, die die Versicherer für den Abschluss einer Unfallversicherung verwenden. Bewertet wurde, ob sie folgende Anforderungen erfüllen:

  • Es wird mit einfachen Worten auf die Folgen einer fehlerhaften Beantwortung der Gesundheitsfragen hingewiesen. Der Hinweis (z. B. „Versicherer kann zurücktreten“ oder „... die Leistung verweigern“) ist drucktechnisch hervorgehoben und steht in der Nähe der Gesundheitsfragen.
  • Fragen nach Erkrankungen sind zeitlich begrenzt.
  • Es wird nur nach objektiven Tatbeständen (Krankheiten etc.) gefragt.
  • Die Antragsformulare enthalten keine offenen Fragen, die der Antragsteller nicht sicher beantworten kann, wie „Sind Sie völlig gesund?“.

Bewertete Bedingungen (30 Prozent)

Die Vertragsbedingungen haben wir nach einem Punktesystem bewertet. Wenn der Versicherer sich an den Allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen (AUB 99) orientiert, hat er 50 Prozent der Punkte erreicht. Weitere Punkte wurden für Bedingungen vergeben, die über dieses Niveau hinausgehen.

ja = Bei dieser Bedingung ist im Vergleich zu den AUB 99 erweiterter Versicherungsschutz mindestens bis zu einer bestimmten Höhe gegeben.

eingeschränkt = Bei dieser Bedingung ist erweiterter Versicherungsschutz zumindest eingeschränkt gegeben.

nein = Bei dieser Bedingung ist kein erweiterter Versicherungsschutz gegeben.

nicht generell = Nicht generell eingeschlossen, Versicherungsschutz gegen Zuschlag möglich (Verbesserung der Gliedertaxe nicht nur für bestimmte Berufsgruppen, z. B. Heilberufe). Erweiterter Versicherungsschutz kann gegen Mehrbeitrag vereinbart werden.

Verbesserte Gliedertaxe: Bei den gekennzeichneten Tarifen anerkennt der Versicherer für bestimmte Gesundheitsschäden höhere Invaliditätsgrade als in den AUB 99 vorgesehen.

ja = Die Verbesserungen gegenüber den AUB 99 betragen insgesamt mindestens 50 Prozentpunkte.

Berücksichtigung von Vorerkrankungen: Haben vorhandene Krankheiten zu der unfallbedingten Invalidität beigetragen, vermindert der Versicherer den Invaliditätsgrad entsprechend.

nein = Abzug, wenn die Invalidität zu 25 Prozent auf die Krankheit zurückgeht.

ja = Erst Abzug, wenn Invalidität zu mindestens 40 Prozent auf die Vorerkrankung zurückgeht.

Verlängerte Fristen: Üblich sind folgende Höchstfristen: Die Invalidität ist 12 Monate nach dem Unfall eingetreten, wurde innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall ärztlich festgestellt und gegenüber der Gesellschaft geltend gemacht.

ja = Der Unfall kann innerhalb von 15 Monaten zu einer Invalidität führen. Für die ärztliche Feststellung und für die Meldung an den Versicherer gewährt dieser zudem eine Frist von 21 Monaten oder mehr.

Unfall durch Trunkenheit mitversichert: Bei den gekennzeichneten Tarifen zahlt der Versicherer auch, wenn der Unfall durch eine alkoholbedingte Bewusstseinsstörung (auch bei Alkohol am Steuer) verursacht wurde.

ja = Hier zahlt der Versicherer bei Unfällen durch Trunkenheit am Steuer uneingeschränkt bis zu einem Blutalkoholwert von mindestens 1,0 Promille.

Unfall durch Schlaganfall mitversichert:

ja = Der Versicherer zahlt auch, wenn der Unfall durch eine Bewusstseinsstörung (zum Beispiel Ohnmacht) infolge eines Schlaganfalls passiert ist.

Kapitalwahlrecht ab 65 Jahren:

ja = Der Versicherer zahlt auch nach dem 65. Geburtstag bei Invalidität die gesamte Geldsumme auf einen Schlag oder lässt dem Kunden die Wahl, ob er das Kapital oder eine monatliche Rente will.

nein = Versicherte ab 65 Jahren erhalten nur eine Rente, keine Kapitalzahlung.

Unveränderte Fortführung des Vertrags über 75 Jahre:

ja = Der Vertrag läuft zu den bisherigen Konditionen weiter.

nein = Der Vertrag endet, wenn der Versicherte 75 Jahre alt wird, oder wird zu schlechteren Bedingungen weitergeführt.

Ausgewählte Sonderleistungen (wurden bei der Bewertung nicht berücksichtigt).

Bergungskosten:

ja = Der Versicherer beteiligt sich bis mindestens 5 000 Euro an den Kosten für eine Rettungsaktion, etwa auf See oder im Gebirge.

Kosmetische Operationen:

ja = Der Versicherer beteiligt sich bis mindestens 5 000 Euro an den Behandlungskosten, wenn unfallbedingte optische Beeinträchtigungen operativ gemildert werden, die nicht in der Gliedertaxe aufgeführt sind.

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