Interview: Von der Leiter gestürzt

Unfallversicherung Test

Dr. Christian Müller-Mai

Dr. Christian Müller-Mai, Oberarzt der Unfall­chirurgie im Unfallkrankenhaus Berlin, berichtet von Badeunfällen und Stürzen von der Leiter. Schwere Folgen wie Querschnittslähmung sind zwar die Ausnahme, aber sie kommen doch vor.

Finanztest: Viele Unfälle passieren bei der Arbeit oder in der Schule, wo die ­gesetzliche Unfallversicherung greift. Wie sieht es in der Freizeit aus, die nur private Policen abdecken?

Müller-Mai: Abgesehen vom Straßenverkehr kommen häufig Unfälle im Haushalt vor. Im Sommer haben wir es oft mit Badeunfällen zu tun – auch mit schweren Folgen bis hin zur Querschnittslähmung.

Finanztest: Wie häufig sind diese Unfälle mit schweren Verletzungen?

Müller-Mai: Sie sind die Ausnahme, aber sie kommen vor. Im vergangenen Sommer haben wir hier beispielsweise acht Querschnittslähmungen nach Badeunfällen behandelt. Und auch im Haushalt passiert es durchaus, dass jemand von der Leiter stürzt und sich dabei einen ­Becken- oder Wirbelbruch zuzieht.

Finanztest: Nach einem Unfall benötigt die Versicherung Informationen über die Schwere der Verletzung. Wie legen Sie fest, wie weit die Bewegungsfähigkeit des Patienten eingeschränkt ist?

Müller-Mai: Wenn wir den Invaliditätsgrad bestimmen, richten wir uns nach funktionellen Einschränkungen und standardisierten Tabellen. Beispielsweise kann der Invaliditätsgrad nach einem Wirbelbruch ohne Schädigung des Rückenmarks zwischen 10 und 40 Prozent liegen. Eine 100-prozentige Invalidität liegt vor, wenn sich der Patient halsabwärts nicht mehr bewegen kann. Über Diagnose und Behandlung informieren wir die Versicherer zunächst in einem „Ärztlichen Befundbericht“. Darin gehen wir auch auf mögliche unfallfremde Ursachen für die Bewegungsbeeinträchtigung ein, etwa frühere Verletzungen. Bei komplexeren Fällen verlangen die Versicherer zusätzlich ein fachärztliches Gutachten. Das erstellen wir oder andere durch das Unternehmen beauftragte Gutachter.

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