Den dreisten Versuch eines Unfallversicherers, sich vor der Auszahlung zu drücken, hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main abgewehrt. Das Unternehmen wollte einer Kundin die ihr zustehende Geldsumme aus ihrer Unfallversicherung nicht zahlen, weil sie beim Ausfüllen des Versicherungsantrags einen vor 36 Jahren erlittenen Knochenbruch nicht angegeben hatte.

Sie war damals ­ als Kind ­ aus dem Bett gefallen und hatte sich den Arm gebrochen. Der Bruch heilte vollständig und problemlos, sodass die Frau sich bei Abschluss der Versicherung nicht mehr daran erinnerte.

Bei einem Verkehrsunfall brach sie sich 1994 den Arm erneut, und zwar so kompliziert, dass eine dauerhafte Beeinträchtigung zurückblieb. Der Unfallversicherer erkannte anhand der medizinischen Unterlagen, dass der Arm in der Vergangenheit schon einmal gebrochen war und warf der Versicherten vor, sie hätte das verschwiegen. Deshalb sollte sie keine Leistungen aus der Unfallversicherung erhalten.

So darf sich die Versicherungsgesellschaft aber nicht aus der Affäre ziehen. Die Frankfurter Richter (Az. 7 U 182/96) verurteilten sie zum Zahlen. Der Armbruch im Kindesalter sei für die aktuelle Unfallverletzung völlig unerheblich. Außerdem könne man der Versicherten nicht anlasten, dass sie sich nach der langen Zeit von 36 Jahren nicht mehr genau an Kindheitserlebnisse erinnerte.

Dieser Artikel ist hilfreich. 499 Nutzer finden das hilfreich.