Unfallversicherung Test

Rund 8,4 Millionen Menschen verletzten sich 2005 bei Unfällen, mehr als die Hälfte zuhause oder in der Freizeit. Zum Glück tragen nur die wenigsten einen bleibenden Schaden davon. Durch einen häuslichen Unfall geschädigt sind von den rund 6,6 Millionen schwerbehinderten Menschen in Deutschland nur etwa 9 000, durch Krankheiten hingegen 5,5 Millionen.

Viele Leute haben gleich mehrere Verträge und sind trotzdem schlecht abgesichert. Finanztest hilft beim Aufräumen: Sehr guten und günstigen Schutz gibt es schon ab etwa 100 Euro im Jahr.

Manch einer weiß gar nicht, wie viele Unfallversicherungen er hat. Rund 30 Millionen Verträge sind in Deutschland im Umlauf, die die Kunden direkt, über Vereine, zusammen mit Kredit- oder Kundenkarten oder im Rahmen eines Reiseversicherungspakets abgeschlossen haben. Doch viele dieser Policen taugen nicht viel, weil die Versicherungsleistungen zu niedrig oder die Bedingungen nicht kundenfreundlich sind.

Die private Unfallversicherung zahlt, wenn Versicherte durch einen Unfall einen bleibenden körperlichen Schaden erleiden. Das Geld können sie zum Beispiel verwenden, um Wohnung oder Auto umzubauen, eine Hilfe im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung zu bezahlen oder um sich zusätzliche Therapien leisten zu können, die die Krankenkasse oder der Rentenversicherungsträger nicht übernehmen.

Damit hierfür ausreichend Geld zur Verfügung steht, muss der Kunde hoch genug versichert sein. Wir haben deshalb Angebote mit einer Versicherungssumme von 100 000 Euro geprüft und die besten in den Tabellen dargestellt. Unsere wichtigsten Testkriterien waren das Preis-Leistungs-Verhältnis für die Kapitalzahlung und die Bedingungen, die festlegen, unter welchen Voraussetzungen der Versicherte wie viel Geld erhält. Für die besten Angebote müssen Kunden etwa 100 bis 150 Euro im Jahr ausgeben.

Vergleichen lohnt sich: Manche Policen kosten ein Vielfaches und leisten manchmal sogar weniger.

Unsere Urteile beziehen sich auf die größte Kundengruppe: Männer mit ungefährlichen Berufen, zum Beispiel kaufmännische Angestellte im Innendienst. Frauen können sich in der Regel zu den gleichen Konditionen versichern, in einigen Fällen sogar günstiger. Für Männer mit körperlich anstrengenderen Berufen, zum Beispiel Handwerker oder Kraftfahrer, kostet der Unfallschutz mehr. Will eine Familie nur für die Kinder Unfallversicherungen abschließen, können andere Angebote günstiger sein.

Kein Anbieter ist für alle Personengruppen der beste. Deswegen haben wir zusätzlich die besten Angebote für Frauen, Kinder und für Männer der hohen Gefahrengruppe (siehe Tabellen) dargestellt. Zusätzlich finden Sie die besten Angebote für maximal 70 Euro im Jahr.

Wer in einem besonders gefährlichen Beruf arbeitet, zum Beispiel als Berufssportler, Sprengmeister oder Zirkusartist, erhält meist gar keinen Versicherungsvertrag oder höchstens einen Schutz nur für Unfälle in der Freizeit. Generell nicht versicherbar sind Menschen, die bereits schwerbehindert oder pflegebedürftig sind. Auch Menschen mit geistiger Behinderung können sich normalerweise nicht versichern.

Keine Angst vor Zahlenmystik

Unfallversicherung Test

Der Schutz für Kinder und Jugendliche ist günstiger als für Erwachsene.

„Alle sechs Sekunden ereignet sich ein Unfall in Heim und Freizeit“, schlägt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Alarm. Private Unfallversicherer zitieren das gern in ihrer Werbung. Denn Freizeitunfälle sind vom Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung ausgenommen. Diese zahlt im Wesentlichen nur für Unfälle bei der Arbeit, in der Schule und Universität, im Kindergarten sowie auf dem Weg dorthin und zurück.

Doch die Unfallzahlen sind nur die halbe Wahrheit. Die Versicherung soll ja vor allem vor den finanziellen Folgen schwerer bleibender Gesundheitsschäden schützen. Und diese sind zum Glück bei häuslichen Unfällen selten. Von den 6,6 Millionen Schwerbehinderten haben laut Statistischem Bundesamt nur 2,5 Prozent ihre Behinderung durch einen Unfall erlitten. Von diesen wiederum ist die Hälfte infolge eines Arbeitsunfalls schwerbehindert. Sie erhalten auch Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung.

Dennoch ist die Unfallversicherung ein sinnvoller Schutz: Wenn es einen schlimm erwischt, spielt es keine Rolle, ob es ein statistisch unwahrscheinlicher Fall war.

Großes Geld für großen Schaden

Die wichtigste Leistung einer Unfallversicherung ist das Geld, das der Kunde bei einem bleibenden Gesundheitsschaden, einer Invalidität, erhält. Die Versicherungssumme ist die Basis. Wie viel Geld es für welchen Grad der Invalidität gibt, hängt aber vom Tariftyp ab. Die meisten Tarife haben eine sogenannte Progression (siehe Grafiken). Das bedeutet: In den niedrigen Invaliditätsgraden bis 25 steigt die Summe gleichmäßig an, danach geht die Kurve steiler nach oben. Welchen Maximalbetrag der Kunde bei Vollinvalidität erhält, zeigt die jeweilige Tarifbezeichnung.

Bei Tarifen mit einer Progression von 500 Prozent (P 500) würde der Versicherte bei 100-prozentiger Invalidität, zum Beispiel bei einer Querschnittlähmung, 500 000 Euro erhalten. Bei einer Invalidität von 50 Prozent, zum Beispiel einer Erblindung auf einem Auge, erhielte er bei unserem „sehr gut“ bewerteten Tarif der Haftpflichtkasse Darmstadt 100 000 Euro.

Zwischen 25 und 100 Prozent Invalidität können die Leistungen bei zwei Tarifen mit gleicher Progression unterschiedlich sein. Der Kunde erfährt das normalerweise nicht. Auskunft darüber gibt die Leistungskennzahl in unserem Test. Ein Wert von über 100 ist sehr gut, zwischen 80 und 100 ist er durchschnittlich, darunter eher unterdurchschnittlich.

Durchblick nicht gewünscht

Nicht nur aus diesen Leistungsunterschieden machen die Versicherer ein Geheimnis. Auch die reine Masse an Tarifvarianten erschwert den Vergleich. Trauriger Rekord: Allein die Gerling Versicherung schickte uns mehr als 100 Angebote.

Mindestens drei verschiedene Bedingungswerke, etliche Versicherungssummen und Progressionsvarianten – nahezu beliebig untereinander kombinierbar – stehen bei den meisten Versicherern zur Wahl. Der Wettbewerb wird durch diese Intransparenz massiv erschwert.

Statt sich dem Vergleich von Kernleistung und Preis zu stellen, werben Versicherer oft mit Extras, die für den Kunden im Vergleich zur Kapitalleistung weniger relevant sind. Beispiele hierfür sind Krankenhaustagegeld oder Service-Hotlines.

Wichtige Bedingungen

Auch die höchste Versicherungssumme und Progression nützen dem Versicherten nichts, wenn die übrigen Vertragsbedingungen es schwermachen, diese Leistung im Ernstfall auch zu bekommen. Deshalb haben wir es besser bewertet, wenn ein Tarif kundenfreundlichere Regelungen enthält, als es die Musterbedingungen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft vorsehen:

  • Gliedertaxe: Je nach Schwere des Schadens gibt es unterschiedlich hohe Summen. Die Schwere des Schadens wird in Prozent Invalidität ausgedrückt. Welcher Invaliditätsgrad jemandem für seine Unfallverletzung zuerkannt wird, richtet sich nach der Gliedertaxe, die Teil der Versicherungsbedingungen ist.
    Verlust oder Funktionsunfähigkeit einer Hand bedeutet laut Musterbedingungen 55 Prozent Invalidität. Bei dem „sehr gut“ bewerteten Tarif „UnfallMaxx“ der NV sind es 70 Prozent. Beim Verlust der Stimme sieht die Ammerländer in den „Exclusiv“-Bedingungen 50 statt 0 Prozent vor.
  • Vorerkrankungen: Hatte jemand schon vor dem Unfall zum Beispiel eine Kniegelenksarthrose und infolge eines Unfalls muss das Kniegelenk versteift werden, kann es ihm passieren, dass der Versicherer den dafür vorgesehenen Invaliditätsgrad nicht anerkennt. Beträgt der Anteil der Erkrankung 25 Prozent oder mehr an der festgestellten Invalidität, bekommt der Verletzte „Abzug“. Manche Versicherer, zum Beispiel die NV in ihren „UnfallMaxx“-Bedingungen, ziehen aber für Krankheiten erst dann etwas vom Invaliditätsgrad ab, wenn diese zu mehr als 50 Prozent an der Invalidität mitgewirkt haben.
  • Meldefristen: Üblicherweise muss die Invalidität innerhalb eines Jahres nach dem Unfall eingetreten sein, innerhalb von 15 Monaten nach dem Unfall vom Arzt schriftlich festgestellt und bei der Versicherung gemeldet sein.
    Gewährt ein Versicherer dem Unfallopfer mehr Zeit, ist das kundenfreundlicher. Denn oft stellt sich erst nach längerer Zeit heraus, ob ein Schaden von Dauer ist, oder der Verletzte muss lange warten, bis ein Arzt die richtige Diagnose stellt.
  • Bewusstseinsstörungen: Trunkenheit oder Bewusstseinsstörungen durch Medikamente bei einem Unfall sind normalerweise ein Grund, die Leistung zu verweigern. Was viele nicht wissen: Das gilt nicht nur, wenn jemand betrunken Auto fährt, sondern auch, wenn er zu Hause die Treppe runterfällt. Da dies eine sehr harte Regelung ist, haben wir es besser bewertet, wenn ein Versicherer zumindest bis zu einem bestimmten Promillewert doch zahlt.
    Zu den Bewusstseinsstörungen gehören auch Ohnmachten oder Schlaganfälle. Normalerweise sind Unfälle, die infolge eines solchen Ereignisses passieren, ebenfalls vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Immerhin den Schlaganfall und daraus resultierende Unfallverletzungen haben manche Anbieter aber mitversichert.

Senioren: Unfallversicherer gehen in der Regel nicht sehr freundlich mit älteren Kunden um. Oft können Kunden ab dem 65. Lebensjahr den Vertrag nicht mehr oder nur noch zu schlechteren Konditionen fortführen. Oder sie erhalten die Invaliditätsleistung nicht mehr als einmaligen hohen Geldbetrag, sondern nur als monatliche Rente ausbezahlt.

Nur wenige Versicherer verhalten sich in allen diesen Punkten verbraucherfreundlich gegenüber ihren älteren Kunden. Diese sollten aber trotzdem leistungsstarke und günstige Angebote aus unserem Test wählen und sich nicht in einen speziellen Seniorentarif abdrängen lassen. Denn den können Kunden in der Regel nicht mit so hohen Invaliditätsleistungen abschließen, wie es die Angebote in unserem Test bieten. Für schwächere Leistungen zahlt der Kunde hier zudem höhere Beiträge.

Maximalleistung

Wir haben nur Angebote bis zu einer Progression von 500 dargestellt. Einzelne Versicherer bieten noch höhere Steigerungen bei schwerer Invalidität an, bis hin zu einer Progression von 1 000 Prozent.

Bei einer Versicherungssumme in Höhe von 100 000 Euro bekommt der Kunde aus so einer Police bei Vollinvalidität eine Million Euro. Wer diese Maximalleistung wünscht, sollte aber besonders genau darauf achten, dass auch die Versicherungsbedingungen sehr kundenfreundlich sind. Sonst stehen die großen Summen nur auf dem Papier.

Angebote mit Progression und Bedingungen in der höchstmöglichen Version bieten zum Beispiel Interrisk oder die Gothaer-Tochter Janitos. Oft sind sie aber nur über Versicherungsmakler erhältlich. Die Jahresbeiträge für Männer der niedrigen Gefahrengruppe und Frauen liegen hier bei rund 200 bis 300 Euro.

Kunden können außerdem auf weitere Hürden stoßen, zum Beispiel eine spezielle Risikoprüfung. Die Versicherer behalten sich vor, Antragsteller abzulehnen oder Zuschläge zu verlangen. So müssen sie bei Interrisk einen zusätzlichen Fragebogen zu ihren Einkommensverhältnissen, ihren Sportarten oder Unfällen in der Vergangenheit ausfüllen.

Mogelpackung Rückgewähr

Einige große Versicherer werben für die Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr. Davon raten wir ab. Die Beiträge sind in der Regel bei gleichem Leistungsumfang um ein Vielfaches höher als bei einer reinen Unfallversicherung.

Sie enthält zusätzlich eine Kapitallebensversicherung, aus deren Ertrag die Beiträge für den Unfallschutz bezahlt werden. Wie alle Kapitallebensversicherungen muss sie über viele Jahre abgeschlossen werden, damit nach Abzug aller Kosten überhaupt ein Ertrag entsteht.

Der Kunde vermischt so den Risikoschutz mit einer renditeschwachen und unflexiblen Geldanlage. Ein guter Unfallschutz und eine davon unabhängige Geldanlage sind für den Kunden in der Regel vorteilhafter.

Aussortieren und verbessern

Nicht nur wegen solcher Mogelpackungen lohnt sich der Frühjahrsputz im Versicherungsordner. Auch für andere Unfallpolicen gilt: Eine gute ist meist günstiger als drei schlechte. Auch wenn Sie „Ihre“ Versicherungen nicht in unserer Tabelle finden, hilft die Checkliste beim Aussortieren.

Wer kündigen will, muss dies bis spätestens drei Monate vor dem Ende des Versicherungsjahres schriftlich tun. Beim Aussortieren sollten Wechselwillige gleich die Termine notieren: Das Versicherungsjahr entspricht nämlich oft nicht dem Kalenderjahr. Es endet mit dem in der Police eingetragenen Ablaufdatum.

Kunden können Verträge für ein, drei oder fünf Jahre abschließen. Beide Seiten können zum Ende des Versicherungsjahres kündigen, bei Mehrjahresverträgen zum Ende der vereinbarten Laufzeit. Wenn nicht gekündigt wird, verlängert sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr.

Auch einen guten Vertrag können Kunden noch verbessern: Stellen sie von monatlicher auf jährliche Beitragszahlung um, sparen sie um die 5 Prozent.

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