Unfallrentenversicherung Test

Eine lebenslange Unfallrente hilft, laufende Kosten nach einer schweren Verletzung zu decken. Dieser Zusatz zur privaten Unfallversicherung ist für Kinder und für manchen Erwachsenen geeignet. Gute Angebote gibt es für weniger als 100 Euro im Jahr.

Ein Sturz auf der Skateranlage oder beim Reiten, ein übermütiger Sprung in den flachen See, ein selbst verschuldeter Autounfall auf vereister Fahrbahn: Nach einem schweren Unfall zahlt die private Unfallversicherung eine große Summe auf einen Schlag. Doch dieses Geld kann schnell verbraucht sein, wenn die Wohnung behindertengerecht umgebaut werden muss.

Was ist dann mit den zusätzlichen Kosten, die für eine Haushaltshilfe anfallen? Wie lassen sich Einkommenseinbußen ausgleichen, wenn der Verletzte nach dem Unfall nicht mehr voll arbeiten kann?

Dann hilft es, wenn der Kunde zusätzlich eine Unfallrentenversicherung abgeschlossen hat. Sie sichert ihm eine lebenslange monatliche Rente. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft wird heute ­bereits mehr als jeder zweite Vertrag über eine Unfallversicherung mit einer zusätz­lichen Unfallrente abgeschlossen.

Dieser Zusatz hat allerdings einen entscheidenden Haken: Die Versicherung zahlt in der Regel erst, wenn der Versicherte durch einen Unfall eine bleibende Invalidität von mindestens 50 Prozent erleidet.

So schwer invalide ist ein Mensch nach den Musterbedingungen für die Unfallversicherung (AUB 99) zum Beispiel, wenn er ein Auge verloren hat oder ein Bein bis unterhalb des Knies nicht mehr funktionsfähig ist. Bei einer weniger schweren Verletzung bekommt der Versicherte – anders als von der Unfallversicherung – in der ­Regel keinen Cent. Deshalb empfiehlt ­Finanztest, die Unfallrentenversicherung nur als Ergänzung zur Unfallversicherung, nicht als alleinigen Schutz.

Sinnvoll vor allem für Kinder

Die Rente ist insbesondere für Kinder und junge Leute interessant: Erleiden sie durch einen Unfall ein schweres Handikap, können sie womöglich nie selbst ihren Lebensunterhalt bestreiten. Mit der Rente können sie den finanziellen Nachteil zumindest mildern.

Wollen Eltern ihr Kind doppelt absichern, damit es im Ernstfall eine einmalige hohe Kapitalleistung und eine lebenslange monatliche Rente von 1 000 Euro erhält, zahlen sie dafür beispielsweise bei der Baden Badener insgesamt 143 Euro im Jahr – 63 Euro davon für die Rente.

Die Baden Badener und die Europa sind die einzigen Gesellschaften, die in unserem Test privater Unfallversicherungen mit „sehr gut“ bewerteten Tarifen vertreten sind und zusätzlich eine Unfallrente anbieten.

Paket oder separater Vertrag?

Oft bieten Versicherer an, mit der Unfallversicherung gleich die Rente abzuschließen. Der Kunde muss aber nicht beide Verträge beim selben Anbieter unterzeichnen: Die meisten Versicherungsgesellschaften verkaufen auch separate Verträge für die Unfallrente, sodass jeder die beiden besten Teile kombinieren kann.

Finanztest hat sich die Angebote für die Unfallrentenversicherung genauer angesehen. In unserer Tabelle haben wir nur die 36 Tarife der Versicherer berücksichtigt, die in der jüngsten Untersuchung von Unfallversicherungen zumindest das Qualitätsurteil „befriedigend“ erhalten haben und deren Vertragsbedingungen mindestens mit „gut“ bewertet wurden. Da die Bedingungen für die Unfallrente auf denen der Unfallversicherung basieren, sind die aufgeführten Tarife alle zu empfehlen.

Wer ein passendes Angebot sucht, kann sich daher zunächst am Preis orientieren. Die Europa macht beispielsweise mit einem Jahresbeitrag von 38 Euro das günstigste Angebot für ein Kind. Bei der Mannheimer kostet ein vergleichbarer Schutz mit 92 Euro mehr als das Doppelte.

Auch für Erwachsene

Nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene kann die Unfallrentenversicherung sinnvoll sein.

Erste Wahl ist für sie zwar immer eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch wir wissen aus vielen Leserzuschriften, dass längst nicht jeder einen Vertrag bekommt, der einen abschließen möchte.

Manchen lehnen die Versicherer wegen seines Berufs ab. In bestimmten Berufen ist ihnen die Gefahr zu groß, dass jemand berufsunfähig wird. Andere werden wegen Vorerkrankungen abgelehnt. Wer wegen psychischer Probleme in Behandlung war, bekommt oft keinen Berufsunfähigkeitsschutz.

Für einige ist der Schutz auch zu teuer. Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann leicht das Fünffache einer Unfallversicherung mit Unfallrentenzusatz kosten.

In all diesen Fällen kann der Unfallschutz die einzige Wahl sein. Im Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung hat er jedoch den Nachteil, dass der Versicherer eben nur dann leistet, wenn die Ursache der Invalidität tatsächlich ein Unfall war. Bei den weitaus häufiger vorkommenden Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit durch Krankheit bekommt der Kunde nichts.

Preis nach Beruf

Wie viel Beitrag ein Erwachsener für seine Versicherung zahlen muss, hängt wie bei der Unfallversicherung davon ab, in welche Gefahrengruppe ihn der Versicherer einstuft. Frauen ordnen die Versicherer in der Regel – ganz gleich, welchen Beruf sie ausüben – in die „niedrige Gefahrengruppe“ ein. Doch bei Männern richtet sich die Einstufung üblicherweise nach ihrem Beruf.

Handwerker und Kraftfahrer zählen zur „höheren Gefahrengruppe“. Sie zahlen zum Teil mehr als doppelt so viel wie etwa ein kaufmännischer Angestellter im Innendienst: Während dieser sich bei der Europa für 40 Euro im Jahr versichern kann, zahlt der Handwerker beim selben Anbieter 106 Euro.

Bei der Itzehoer (Extra Plus) müsste er sogar 255 Euro zahlen. Das günstigste Angebot bekäme er bei der Gothaer mit einem Jahresbeitrag von 93 Euro.

Gefährliche Hobbys oder Sportarten spielen für den Beitrag oft keine Rolle. Für Flugsportarten und Motorrennen gilt der Versicherungsschutz aber nicht.

Bessere Bedingungen

Nach einem Unfall prüfen die Versicherer anhand der so genannten Gliedertaxe, welchem Grad der Invalidität eine Verletzung entspricht. Dabei kommen nicht alle Versicherer zum selben Ergebnis, denn sie bewerten bestimmte Verletzungen unterschiedlich.

Nach den Musterbedingungen für die private Unfallversicherung bedeutet beispielsweise der Verlust des Beins bis zur Mitte des Unterschenkels eine Invalidität von 45 Prozent. Bei manchen Tarifen ist diese Verletzung hingegen 50 Prozent und mehr „wert“.

Viele Versicherer bieten zumindest in einzelnen Tarifen bessere Gliedertaxen als in den Musterbedingungen vorgegeben. Bei der Unfallrentenversicherung kann genau dieser Unterschied entscheidend dafür sein, ob der Versicherer zahlt oder nicht.

Ähnliche Bedeutung hat die Frage, wie großzügig der Versicherer mit Vorerkrankungen umgeht. Ist ein Mensch nach einem Autounfall zum Beispiel nicht mehr in der Lage, seinen Arm im Schultergelenk zu bewegen, gilt laut Gliedertaxe eine Invalidität von 70 Prozent. Problematisch wird es, wenn die Funktionsfähigkeit des Armes bereits zu 40 Prozent eingeschränkt war.

In der Regel rechnen Versicherer diese Vorerkrankung mit an, sodass der Grad der Invalidität unter die geforderten 50 Prozent sinkt und der Versicherte keine Rente erhält. In besseren Verträgen wird die Erkrankung dagegen nicht berücksichtigt.

In der Tabelle ist zu sehen, dass die Versicherungsgesellschaften fast immer eine Unfallrente mit zumindest einem dieser beiden Qualitätsfaktoren anbieten. Muss sich der Versicherte zwischen zwei Angeboten mit vergleichbarem Preis entscheiden, sollte er den Tarif wählen, bei dem beide Faktoren verbessert sind.

Rente nicht unter 1 000 Euro

Da die Rente Einkommenseinbußen ausgleichen soll, ist es sinnvoll, im Vertrag ­eine Höhe von mindestens 1 000 Euro pro Monat festzulegen.

Deutscher Ring und Condor bieten gegen einen höheren Beitrag für besonders schwere Verletzungen in ihren Tarifen eine Staffelung an: Ab einer Invalidität von 90 Prozent erhält der Versicherte dann beispielsweise bei der Condor 2 000 Euro anstatt 1 000 Euro pro Monat.

Steht fest, dass der Kunde Anspruch auf eine monatliche Rente hat, zahlen die Versicherungsgesellschaften meist rückwirkend ab Beginn des Monats, in dem der Unfall passierte.

Nur wenn eine ärztliche Untersuchung in den ersten drei Jahren nach dem Unfall ergibt, dass der Invaliditätsgrad unter 50 Prozent gesunken ist, kann das Unternehmen im Regelfall die Zahlungen stoppen. Ansonsten zahlt es lebenslang Monat für Monat die Rente.

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