Unfallflucht Meldung

Der Zettel hinterm Scheibenwischer reicht nach einem Unfall nicht aus. Wer weiterfährt, riskiert deftige Strafen.

Auch wer nur kurz einkaufen war, kann sein blaues Wunder erleben, wenn plötzlich die Autotür verbeult oder der Seitenspiegel abgeknickt ist. Doch hinter dem Scheibenwischer steckt ja ein Zettel: ein "Sorry!" mit Name und Telefonnummer. Ein Anruf unter der Nummer ergibt jedoch: "Julia Meier? Gibts hier nicht!" Der Zettel war nur ein mieser Trick.

Stehen bleiben und abwarten

Um solche Situationen zu verhindern, legt das Gesetz fest, dass man eine "nach den Umständen angemessene Zeit" warten muss, wenn man vor Ort weder den Geschädigten antrifft noch jemanden, der die nötigen Daten notieren kann oder will und den Geschädigten informiert. Das könnte zum Beispiel ein Parkwächter sein.

Flieht der Verursacher stattdessen, drohen ihm bis zu drei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe. Auch der Entzug des Führerscheins ist möglich.

Die Wartezeit darf umso kürzer sein, je unwahrscheinlicher es ist, dass jemand erscheint und die Daten des Unfallverursachers aufnimmt. Nachts, bei schlechtem Wetter und wenig Verkehr muss man nur kurz stehen bleiben. Mehr Geduld wird bei schweren Unfällen mit hohem Schaden erwartet.

Hat jemand das Auto des Nachbarn nur gering verbeult, darf er schon nach wenigen Minuten losgehen, um Bescheid zu sagen. Als ein Fahrer an einem Samstagmorgen auf einer belebten Straße an einem anderen Wagen einen Schaden in Höhe von 300 Mark verursachte, ließ das Amtsgericht Homburg 20 Minuten Wartezeit genügen (Az. 5 Cs 514/81). Bei größeren Sach- oder Personenschäden muss dagegen mindestens eine Stunde gewartet werden, bei Todesfällen sogar mehrere Stunden.

Ausbüxen erlaubt

Sofort weiterfahren darf man nur bei kleinsten Schäden ­ wenn davon auszugehen ist, dass der Betroffene keinen Ersatz fordern würde. Das Oberlandesgericht Düsseldorf sah die Grenze dafür bei Sachschäden bis zu 40 Mark und sprach einen Autofahrer vom Vorwurf der Unfallflucht frei, der nur ein Nummernschild verbeult hatte (Az. 5 Ss 348/96). Gleich weiterfahren darf auch, wer sich mit den Betroffenen über die Schadensabwicklung geeinigt oder den Schaden vor Ort ersetzt hat.

Im Nachhinein anrufen

Warten muss ebenso wenig, wer sich oder einen anderen verletzt hat und deshalb schnell ins Krankenhaus fahren muss. Auch Notarzt und Feuerwehr dürfen weiterfahren, wenn sie gerade im Einsatz sind.

In solchen Notfällen und nach Ablauf der Wartefrist ist das Weiterfahren aber nur vorübergehend erlaubt. Danach muss man auf dem schnellsten Wege nachträglich der Polizei oder dem Geschädigten seine Personalien, die Fahrzeugdaten und die Art der Unfallbeteiligung mitteilen.

Wer im Affekt zunächst geflohen ist, sollte die Meldung binnen 24 Stunden nachholen. Dann winkt Strafmilderung oder gar Straffreiheit, sofern der Unfall nur unbedeutende Sachschäden verursacht hat (bis zu 2.000 Mark) und "außerhalb des fließenden Verkehrs" passiert ist. Das betrifft insbesondere Zusammenstöße beim Einparken. Die "Selbstanzeige" muss aber freiwillig erfolgen. Wer wartet, bis ihn die Polizei aufspürt, darf nicht auf Milde hoffen.

Versicherungsverlust

Unfallflüchtige können aber auch ihren Versicherungsschutz verlieren ­ selbst wenn die Verschuldensfrage völlig klar war (Bundesgerichtshof, Az. IV ZR 71/99). Die Kfz-Haftpflichtversicherung muss dann zwar die verursachten Fremdschäden begleichen. Sie kann dafür aber anteiligen Ersatz vom Unfallflüchtigen fordern. Zugleich darf die Kaskoversicherung den Ersatz für die am eigenen Auto entstandenen Sachschäden verweigern.

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