Unfal­lersatz­tarife der Auto­vermieter

Tipps

Wer bei einem Unfall unver­schuldet zu Schaden kommt, hat Anspruch auf Ersatz aller Schäden. Dazu gehört: Ein Ersatz­wagen, wenn der eigene wegen des Unfalls repariert oder ersetzt werden muss. Aber: Betroffene dürfen sich nicht um jeden Preis eindecken. test.de gibt Tipps.

Inhalt
  1. Überblick
  2. Tipps
  • Unfal­lersatz­wagen. Seien Sie miss­trauisch, wenn Ihnen der Abschlepp­dienst etwa unaufge­fordert einen Mietwagen anbietet. Akzeptieren Sie ein solches Angebot nur, wenn der Vermieter sich schriftlich oder vor Zeugen verpflichtet, direkt mit der Versicherung des Unfall­ver­ursachers abzu­rechnen und Sie bei unver­schuldeten Unfällen nichts selbst zahlen müssen. Wenn sich der Vermieter darauf nicht einlässt, nehmen Sie für nicht allzu weite Stre­cken besser ein Taxi. Wenn es sonst sehr viel teurer wird, können Sie selbst­verständlich auch den teuren Mietwagen nehmen. Sie müssen ihn dann so schnell wie möglich gegen einen preis­werten eintauschen.
  • Anmietung. Wenn Sie selbst ein Auto mieten, nennen Sie möglichst nicht den Unfall als Grund für die Anmietung. Sie haben dann bessere Chancen, ein güns­tiges Angebot zu bekommen. Wenn möglich: Vergleichen Sie verschiedene Angebote.
  • Unfal­lersatz­tarif. Wenn Sie einen regelrechten Unfal­lersatz­wagen wollen, damit der Vermieter direkt mit der Versicherung abrechnet: Bestehen Sie darauf, dass der von der Versicherung zu ersetzende Schaden Ober­grenze für den Miet­preis einschließ­lich etwaiger Zusatz­leistungen ist und sie nur etwas selbst zahlen müssen, wenn Ihnen ein Mitverschulden zur Last fällt oder Sie den Mietwagen länger als angemessen nutzen. Hintergrund: Wenn der Auto­vermieter Ihnen besondere Leistungen wie die Abrechnung direkt mit der Versicherung, die Über­gabe außer­halb der Geschäfts­zeiten oder ähnliches bietet, darf ein Unfal­lersatz­wagen etwas mehr kosten als ein Mietwagen sonst. Ob und welcher Aufschlag gerecht­fertigt ist, dürfen die zuständigen Richter im Streitfall schätzen.
  • Alternativ­angebot. Wenn Sie ein Ersatz­wagen-Angebot der Versicherung des Unfall­ver­ursachers akzeptieren, sind Sie sicher vor über­höhten Preisen und müssen keinen Eigen­anteil zahlen, wenn kein Mitverschulden trifft. Prüfen Sie allerdings, ob der Wagen und der Service einen voll­wertigen Ersatz für den Ausfall Ihres eigenen Autos darstellen.

Mehr zum Thema

  • Schadens­abwick­lung nach Auto­unfall So tricksen die Versicherer

    - Nach einem Unfall kürzen viele Versicherer dreist die Erstattung. Die Stiftung Warentest zeigt, welche Tricks sie nutzen und gibt Hinweise, wie Betroffene mehr bekommen.

  • Mietwagen So vermeiden Sie Ärger im Urlaub

    - Ein Miet­auto für den Urlaub zu buchen, geht schnell und einfach. Wir erklären, was beim Buchen über Onlineportale wichtig ist und wie Sie sich vor Reinfällen schützen.

  • E-Scooter Diese Regeln gelten für Elektro-Tret­roller

    - E-Scooter gehören in Groß­städten zum Straßenbild. Was viele nicht wissen: Bei E-Tret­rollern gelten die gleichen Promille­grenzen wie beim Pkw. Wir erklären die...

3 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

stwelkemeier am 10.09.2012 um 18:52 Uhr
Regulierungsverhalten der Versicherer

Ich muss mich Herrn Brabec anschließen. Zahlreiche Dokumentationen der neueren Zeit haben gezeigt, wie Versicherungsunternehmen zu Lasten der Geschädigten regulieren. Exemplarisch sei hingewiesen auf "Die Nein-Sager" (Das Erste): http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/11638688_exclusiv-im-ersten-die-nein-sager

Profilbild test.de-Redakteur_Herrmann am 08.09.2012 um 15:51 Uhr
Anwalt und Mietwagen

Richtig: Bei einem Unfall Geschädigte dürfen auf Kosten des Gegners einen Fachanwalt für Verkehrsrecht engagieren. Kosten müssen sie nur übernehmen, wenn sie ein Mitverschulden trifft oder sie mehr fordern, als ihnen Gerichte später zugestehen. Der Anwalt kommt allerdings zu spät, wenn Betroffene bereits einen unangemessen teuren Mietwagen genommen haben. Immerhin: Er wird Betroffenen dann empfehlen, einen solchen Vertrag sofort zu kündigen und einen günstigeren Mietwagen zu nehmen.
Richtig auch: Das Urteil erlaubt Versicherern auch dann, Geschädigte zu einem günstigeren Mietwagen zu drängen, wenn die Versicherung die Kosten für den bereits gemieteten Mietwagen von Rechts wegen zu übernehmen hätte.

Brabec am 07.09.2012 um 18:24 Uhr
Beitrag unangemessen

Damit treiben Sie den Geschädigen in die Arme des zahlungsunwilligen Versicherers.
Warum weisen Sie Verbraucher nicht einfach darauf hin, dass sie sich auf Kosten des Gegner-Versicherers einen Fachanwalt für Verkehrsrecht nehmen dürfen? Der Anwalt würde sich ausschließlich um die Interessen des Opfers kümmern. Der kann dann auch darauf achten, dass der Vermieter Marktpreise abrechnet.
Im Übrigen ist das von Ihnen gezeichnete Szenario nicht mehr real, seit der Änderung der BGH-Rechtsprechung in 2004 rechnen die Vermieter normale Preise ab, die wir alle kennen. Warum also dieses einseitige Hervorheben von teuren Ersatzwagentarifen? Das ist nicht zu verstehen.
Und es ist auch nicht Inhalt der BGH-Entscheidung, ob der abgerechnete Tarif zu teuer war, denn hier wurde ausschließlich wettbewerbsrechtlich dazu entschieden, ob dem gegnerischen Versicherer der Kontakt zum Geschädigten ganz grundsätzlich verboten werden darf.
Der Kommentator ist tätig für den Bundesverband der Autovermieter