Unfälle von Kindern Was die gesetzliche Unfall­versicherung zahlt

5
Unfälle von Kindern - Was die gesetzliche Unfall­versicherung zahlt
Schulweg. Auf dem Weg zu Schule und Kita sind Kinder gesetzlich unfall­versichert. © Adobe Stock / photophonie

Mehr als eine Million Unfälle von Kindern zählt die gesetzliche Unfall­versicherung pro Jahr. Wichtig ist, ihr jeden Unfall zu melden. Sie leistet umfassend.

Schulweg ist versichert

Philipp, acht Jahre, stürzt auf dem Schulweg mit dem Fahr­rad. „Der schöne Schneidezahn – kaputt!“, erinnert sich seine Mutter Annette Baum*. Dennoch hatte der Junge Glück im Unglück. „Die Zahn­ärztin hat die abge­brochene Ecke wieder ange­klebt, den Zahn für die Unfall­anzeige fotografiert und alles genau dokumentiert“, erzählt die Berlinerin. Und weil das Miss­geschick auf dem Weg zur Schule passierte, kommt die Unfall­kasse Berlin für sämtliche Kosten im Zusammen­hang mit der Verletzung auf.

Unfall­versicherung zahlt mehr als die Krankenkasse

2017 gab es bundes­weit mehr als 1,2 Millionen Unfälle in Kinder­tages­stätten, Schulen und Hoch­schulen, auf dem Weg dorthin oder zurück nach Hause. In den Einrichtungen selbst sowie auf dem Hin- und Heimweg stehen Kinder und junge Leute unter dem Schutz der gesetzlichen Unfall­versicherung. Sie bietet mehr als die gesetzlichen Krankenkassen. Neben ärzt­licher Behand­lung, Reha und psycho­logischer Betreuung zahlt sie im Ernst­fall auch für Unter­richt am Krankenbett, gewährt Zuschüsse zu Wohnungs­umbauten oder sogar eine lebens­lange Rente, wenn ein Gesund­heits­schaden sich nicht auskurieren lässt.

Gesetzliche Unfall­versicherung für Kinder: Wichtige Tipps

Unfälle melden.
Auch wenn es nur ein aufgeschlagenes Knie ist – melden Sie selbst Kleinig­keiten der gesetzlichen Unfall­versicherung. So sichern Sie Ihrem Kind Leistungen, falls es wider Erwarten zu Spät­folgen kommt – etwa, weil eine Wunde sich entzündet.
Unterlagen sichern.
Haben Ihr Sohn oder Ihre Tochter sich verletzt, heben Sie eine Kopie der Unfall­anzeige auf. Auch Röntgen­bilder, Laborbefunde und Arzt­briefe sollten Sie aufbewahren. Schulen und Kitas müssen auch Bagatell­verletzungen, für die kein Arzt­besuch erforderlich ist, im sogenannten Verband­buch dokumentieren. Solche Informationen sind viel wert, falls es einmal Ärger mit der Unfall­kasse oder mit privaten Versicherungen gibt.
Ärzte informieren.
Teilen Sie Ärzten oder Zahn­ärzten mit, wenn der Unfall in der Kita oder Schule beziehungs­weise auf dem Hin- oder Heimweg passiert ist. Die Unfall­versicherung sieht umfang­reichere Leistungen für die medizi­nische Versorgung und die Nach­sorge vor als gesetzliche Krankenkassen.
Folge­kosten.
Die gesetzliche Unfall­versicherung kommt lebens­läng­lich für die Folgen eines Schul- oder Kinder­garten­unfalls auf. Auch als Erwachsener können Sie Ihre Ansprüche geltend machen, wenn beispiels­weise eine Nach­operation oder Zahn­ersatz erforderlich ist.

Leistungen ein Leben lang

Aufgabe der gesetzlichen Unfall­versicherung ist es, Folgen für Ausbildung oder Erwerbs­leben möglichst gut auszugleichen. „Wir sollen dafür sorgen, dass das Kind so gestellt wird, als sei der Unfall nicht passiert“, sagt Kirsten Wasmuth von der Unfall­kasse Berlin. Dafür stehen den verunglückten Kindern sowie deren Eltern während des gesamten Prozesses spezielle Ansprech­partner zur Seite. Bei schweren Unfällen beraten die Experten sogar im Hinblick auf die spätere Berufs­wahl. Diese Betreuung aus einer Hand ist für Betroffene oft eine große Erleichterung.

Zuständig sind die Unfall­kassen der Bundes­länder

Auch bei kleineren Unfall­schäden begleiten die Kassen ihre Versicherten lebens­lang. Das ist viel wert. So schätzen Experten die Kosten für einen ausgeschlagenen Zahn wie den von Philipp Baum im Lauf des Lebens auf 10 000 bis 20 000 Euro. Wenn jemand später beispiels­weise ein Implantat braucht, sind die Zuschüsse von der gesetzlichen Krankenkasse gering. Für einen größeren Teil der Kosten kommt die Unfall­versicherung auf, einschließ­lich notwendiger Nachbesserungen. Zuständig für die Regulierung sind bei Schul-, Hoch­schul- und Kinder­garten­unfällen die Unfall­kassen der Bundes­länder. Ihre Aufgaben sind die gleichen, die für Berufs­tätige die Berufs­genossenschaften über­nehmen. Und sie haben allein mit Zahn­schäden wie im Eingangs­fall eine Menge zu tun: Bundes­weit hatten Kinder, Jugend­liche und Studenten im Jahr 2017 rund 50 500 Unfälle mit Zahn­schäden, inklusive Kiefer und Zahn­fleisch­schäden.

Auch Ausflüge mit der Schule sind versichert

Die gesetzliche Unfall­versicherung schützt nicht nur während des Aufenthalts in Kita, Schule oder Uni, sondern auch auf dem Hin- und Rückweg sowie während besonderer Veranstaltungen, etwa Ausflügen oder Aufenthalten in Schul­land­heimen. Andreas Machacek, Fach­anwalt für Sozialrecht, sagt: „Die Unfall­versicherung versucht, jedem Einzel­fall so gerecht wie möglich zu werden.“ Dennoch machen bestimmte Details immer wieder Probleme. „Alle Rechts­fragen, die bei Arbeits­unfällen auftauchen, gibt es auch im Zusammen­hang mit Schülern, Studenten oder Kita­kindern“, so Machacek. Welche Probleme im Zusammen­hang Arbeits­unfällen auftreten können, lesen Sie in unserem Special Arbeitsunfall: In diesen Fällen zahlt die Berufsgenossenschaft.

Streit um Wege und Umwege

Bei Wegeunfällen etwa müssen Gerichte immer wieder klären, ob und wann es noch als Schulweg gilt, wenn das Kind einen Umweg macht. Die Antwort fällt, je nach Alter des Betroffenen, unterschiedlich aus. So gab das Bundes­sozialge­richt 2007 einem damals acht­jährigen Jungen recht, der versehentlich zwei Halte­stellen zu spät aus dem Schulbus ausgestiegen war und dann beim Über­queren der Straße von einem Auto angefahren wurde (Az. B 2 U 29/06 R). Er sei noch auf dem Schulweg gewesen. „Bei einer 15-Jährigen, die nach der Schule einkaufen geht, würden die Gerichte wohl anders entscheiden“, meint Anwalt Machacek.

Spät­folgen oder neue Beschwerden?

Gestritten wird oft auch darum, was noch zu den Spät­folgen eines Unfalls gehört und damit auf Kosten der Unfall­kasse behandelt wird. „Wenn jemand sich als Kind beim Schul­sport das Kreuzband gerissen hat und später im Leistungs­sport Knie­probleme bekommt, ist kaum zu sagen, ob das noch Folge der damaligen Verletzung ist“, sagt Machacek.

Jeden Unfall dokumentieren

In Kitas, Schulen und Hoch­schulen wissen die Mitarbeiter, dass jeder noch so kleine Unfall zu melden ist – schließ­lich können später Komplikationen auftreten. Auch vermeintliche Bagatellen werden im sogenannten Verband­buch einge­tragen, das jede Einrichtung führen muss. Wenn dagegen auf dem Nach­hauseweg etwas passiert, sollten Eltern den Arzt unbe­dingt darauf hinweisen, dass es sich um einen Fall für die gesetzliche Unfall­versicherung handelt. Die Leistungen, zum Beispiel für Medikamente oder Physio­therapie, sind dann nicht durch die sonst geltenden Budgets begrenzt und Ärzte können nach einer speziellen Gebühren­ordnung abrechnen, über die sie besser vergütet werden.

Erst einmal zum Durch­gangs­arzt

Zuständig für die Behand­lung von Unfall­opfern sind spezielle Durch­gangs­ärzte, meist Chirurgen. Patienten kommen so gleich zu Experten, die Erfahrung mit Unfall­verletzungen haben. Bei kleineren Blessuren kann aber auch der Haus- oder Kinder­arzt über die Unfall­kasse abrechnen. Wichtiger als die Wahl des formal zuständigen Mediziners ist jedoch die Meldung bei der Unfall­kasse. Sie sichert dem Kind eine Rente, wenn seine Erwerbs­fähig­keit wegen etwaiger Spät­folgen dauer­haft gemindert ist. Das ist zwar nur selten der Fall: Auf rund 1,3 Millionen Unfälle kamen im Jahr 2017 beispiels­weise nur rund 660 neue Unfall­renten. Der Fall der kleinen Antonia Weber* belegt jedoch: Die Meldung ist mehr als nur eine Formsache.

Lebens­lange Rente für schlimme Fälle

2014 hatte die damals Fünf­jährige einen schweren Unfall in ihrem Born­heimer Kinder­garten: Ein Föhn explodierte, während sie damit ein Bild trock­nete. Antonia erlitt einen Strom­schlag, verbrannte sich beide Hände an der glühenden Heizspirale. Die Unfall­kasse Nord­rhein-West­falen kam für die Operationen und die Nachbehand­lungen auf und zahlte für eine Haus­halts­hilfe, die sich um Antonias Geschwister kümmerte, während die Mutter ihre jüngste Tochter zu den Operationen begleitete. „Manchmal ist es verwirrend, wer zuständig ist, ich kenne ja meine Rechte nicht – aber insgesamt läuft es mit der Unfall­kasse gut“, erzählt Mutter Weber*. Mitt­lerweile hat Antonia vier Operationen hinter sich. Mit Haut­trans­plantationen versuchen die Ärzte, die Hände best­möglich wieder­herzu­stellen. Möglicher­weise wird sie aber trotzdem nicht mehr richtig greifen können. Noch ist unklar, wie schwer der bleibende Schaden ist. Die Unfall­kasse prüft nun, ob Antonia eine Rente zusteht.

Wie die Unfall­kasse die Rentenhöhe berechnet

Minderung der Erwerbs­fähig­keit. Ausschlag­gebend dafür ist die „Minderung der Erwerbs­fähig­keit“, kurz MdE. Ab einer Minderung von 20 Prozent zahlt die Unfall­versicherung eine Rente. Bei Kindern und Jugend­lichen beginnt die Versichertenrente in aller Regel am Tag nach dem Versicherungs­fall. Ist ein Schüler zu diesem Zeit­punkt zwischen 6 und 15 Jahre alt, erhält er derzeit bei einer MdE von 50 Prozent zunächst 346,11 Euro beziehungs­weise 318,89 Euro monatlich – je nachdem, ob sich der Versicherungs­fall in West- oder Ostdeutsch­land ereignet hat. Diese Rente wird dann, wie alle Renten der Unfall­versicherung, jähr­lich angepasst.

Jahres­arbeits­verdienst. Wenn das Kind das 15. beziehungs­weise 18. Lebens­jahr voll­endet hat, wird sein (fiktiver) Jahres­arbeits­verdienstes (JAV) – die Grund­lage, auf der die Rente berechnet wird – in zwei Schritten erhöht. Hat das Kind eine Ausbildung abge­schlossen, wird der JAV-Wert an den eines der Ausbildung entsprechenden Berufes angepasst. Kann die Ausbildung aufgrund der Unfall­folgen nicht weiterverfolgt werden, gilt sie als zum ursprüng­lich vorgesehene Ausbildungs­ende abge­schlossen.

Einmalzahlung als Alternative

Bei Renten unter 40 Prozent können sich die Betroffenen alternativ eine einmalige Kapital­abfindung zahlen lassen. Welche Option die bessere ist, hängt von den Umständen des Einzel­falls ab. Stefan Boltz von der Deutschen Gesetzlichen Unfall­versicherung meint: „Wegen der noch ausstehenden Neufest­setzungen ist die komplette Abfindung für diese jungen Berechtigten nicht immer eine sinn­volle Option. Selbst Teil­abfindungen sind in dieser Alters­gruppe rechnerisch ein schlechtes Geschäft.“

Versicherte müssen regel­mäßig zur Nach­unter­suchung

Grund­sätzlich gilt: Die Unfall­kasse zahlt die Rente bis zum Lebens­ende, falls sich der Gesund­heits­zustand nicht bessert. Die Versicherten müssen regel­mäßig zur Nach­unter­suchung, solange noch mit Änderungen, also Verbesserungen oder Verschlimmerungen, zu rechnen ist. Boltz: „Sobald aus medizi­nischer Sicht ein Dauer­zustand einge­treten ist, werden keine Nachbegut­achtungen mehr veranlasst“.

Unbe­dingt Expertenrat einholen

Ob die Einmalzahlung im Einzel­fall wirk­lich eine güns­tige Alternative ist, sollte mit einem Fach­anwalt für Sozialrecht besprochen werden, der auch medizinrecht­liche Kennt­nisse besitzt. Eine Rechtsschutzversicherung, die auch Kosten für die juristische Beratung außer­halb von Prozessen trägt, ist hier hilf­reich. Dafür muss der Vertrag aber schon vor dem Unfall bestanden haben. Im Rechts­streit ist die Police noch wichtiger, denn neben den Anwalts- und Gerichts­kosten sind oft teure Gutachten von Fach­ärzten erforderlich.

Mehr als jeder dritte Unfall passiert beim Sport

Allein bei Ball­spielen im Sport­unter­richt verletzten sich 2017 rund 201 000 Kita­kinder, Schüler und Studierende.

Melde­pflichtige Unfälle in Kita, Schule und Hoch­schule 2017

Unter­richt/Kita­betrieb: 322 205
Pause: 302 039
Sport/Ball­spiele: 200 967
Sport/Geräte- und Bodenturnen: 47 964
Sport/Leicht­athletik: 25 885
Sport/andere: 175 769
Straßenverkehr: 58 191
Andere Wegeunfälle: 51 184
Sons­tige Unfälle (zum Beispiel besondere Veranstaltung, Aufenthalt auf der Schul­anlage): 137 721

Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfall­versicherung (DGUV): Statistik

Schmerzens­geld vom Schuldigen

Zusätzlich zu den Leistungen der Unfall­kasse fordert Alexandra Weber von der Stadt Bornheim als Trägerin der Kita Schmerzens­geld für ihre Tochter. Ihrer Meinung nach wäre das angemessen, da die Prüfplakette des Föhns am Unfall­tag bereits seit drei Jahren abge­laufen war. Die Erfolgs­aussichten sind jedoch durch­wachsen. Im Fall eines Schülers, der sich im Chemie­unter­richt Brand­verletzungen zugezogen hatte, urteilte das Land­gericht Osnabrück: Ein Schmerzensgeld von der Schule stehe ihm nicht zu (Az. 5 O 596/14). Für die Folgen von Schul­unfällen sei grund­sätzlich nur die gesetzliche Unfall­versicherung zuständig.

Wenn Dritte beteiligt sind, zahlt die Haft­pflicht

Anders sieht es aus, wenn nicht nur der Träger der Einrichtung, sondern auch Dritte am Unfall beteiligt sind. Wird ein Kind auf dem Schulweg etwa von einem Auto angefahren, zahlt beispiels­weise die Kfz-Haft­pflicht­versicherung des Auto­fahrers Schmerzens­geld und Schaden­ersatz. Auch wenn Mitschüler einander verletzen, kann es in schweren Fällen sein, dass der Täter Schmerzens­geld zahlen muss. Eine gute Privathaft­pflicht­versicherung ist daher unerläss­lich, um für alle Fälle gewappnet zu sein.

* Name von der Redak­tion geändert.

5

Mehr zum Thema

  • Arbeits­unfall In diesen Fällen zahlt die Berufs­genossenschaft

    - Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall trägt die gesetzliche Unfall­versicherung die Kosten von Behand­lung, Reha oder Unfall­rente. Der Schutz im Home­office ist jetzt...

  • Bei der Arbeit infiziert Wann gilt Corona als Berufs­krankheit?

    - Stecken sich Angestellte im Beruf mit dem Coronavirus an, kann das als Berufs­krankheit oder Arbeits­unfall gelten. Doch je nach Tätig­keit sind die Hürden hoch.

  • Gesetzliche Unfall­versicherung Einfach erklärt

    - Alle Beschäftigten stehen auto­matisch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfall­versicherung. Was das für sie bedeutet und in welchen Fällen die Versicherung hilft.

5 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 27.12.2019 um 09:31 Uhr
Narbe bleibt zurück

@joumann: Die Unfallversicherung bezahlt die Kosten der ärzt­lichen Behand­lung, für eine Reha und die psycho­logischer Betreuung und im Ernst­fall auch für Unter­richt am Krankenbett. Entstehen bleibende Schäden in der Beweglichkeit, gewährt die Unfallkasse auch Zuschüsse zu Wohnungs­umbauten oder sogar eine lebens­lange Rente, wenn der Gesund­heits­schaden sich nicht auskurieren lässt.
Heilen die Folgen des Unfalls aus, ohne dass Krankheits- oder Heilungskosten zu übernehmen sind (die nicht von der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung getragen werden) und führt der Unfall auch nicht zu bleibenden Schäden, die die zukünftige Ausübung eines Berufes einschränken können, zahlt die Unfallkasse nicht. Der Unfall allein löst noch keine Leistungspflicht aus. (maa)

joumann am 26.12.2019 um 17:11 Uhr
Narbe bleibt zurück

Unser Erstklässler ist bei einer Schulweihnachtsfeier in der Aula gefallen und hat sich auf den Holzstufen das Kinn aufgeschlagen. Die klaffende Wunde wurde geklebt und aktuell scheint es, dass eine 3-4 cm lange Narbe zurückbleibt.
Kann man hier eigentlich Ansprüche Irgendeiner Art geltend machen?

VEMA_eG am 18.01.2018 um 09:47 Uhr
Meist kein Fall für die Haftpflicht - Teil 3

Verliert ein Schüler z. B. einen Großteil der Sehkraft auf einem Auge, fallen ganze Berufsbilder einfach weg, die man später möglicherweise hätte ergreifen können. Das kann gewaltige Auswirkungen auf den Verdienst im Erwachsenenalter haben. Bedenkt man nun, dass eine umfangreiche Unfallversicherung für ein Kind bei vielen Versicherern kaum 5 Euro im Monat kostet und Kapitalzahlungen im mittleren sechsstelligen Bereich fällig werden können, fragt man sich schon, weshalb viele Eltern diese winzige Investition in die Absicherung ihrer Kinder scheuen. Eine Unfallversicherung sollte spätestens ab dem Kindergarten vorhanden sein. Man weiß ja nie, was kommt. Auch vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherungen bieten einzelne Versicherer bereits für Schüler ab 10 Jahren ab. Auch das kann eine sinnvolle Ergänzung beim Schutz eines Kindes sein.

VEMA_eG am 18.01.2018 um 09:46 Uhr
Meist kein Fall für die Haftpflicht - Teil 2

Bleibt die Prüfung der Aufsichtspflichtverletzung, um so auf die Eltern als die „Quasi-Schuldigen“ zugehen zu können. Auch das wird nichts, denn die Aufsichtspflicht liegt bei einem Schulunfall (meist) bei einer Lehrkraft. Doch auch die kann nicht ständig neben jedem Schüler einer Klasse oder gar auf einem Pausenhof stehen und alles überwachen, was passiert. Das widerspricht dem Leben. Eine Verletzung der Aufsichtspflicht wird also meistens nicht nachweisbar sein. Daher wird die Diensthaftpflicht der Lehrkraft eine Leistung verweigern. Das ist alles kein böser Wille der Versicherer – es fehlt schlicht an einer rechtlichen Haftungsgrundlage auf der man einen Schadensersatzanspruch aufbauen könnte.
Wie bescheiden die Geldleistungen der Gesetzlichen Unfallversicherung für Schüler sind, haben Sie in Ihrem Artikel ja bereits selbst beschrieben. Da Unfallfolgen sehr drastische Auswirkungen haben können, können diese keinesfalls als ausreichend angesehen werden.

VEMA_eG am 18.01.2018 um 09:44 Uhr
Meist kein Fall für die Haftpflicht

Ihre Ausführungen zu den Leistungen der Gesetzlichen Unfallversicherung für Schüler sind soweit natürlich korrekt. Allerdings möchte ich auf Ihren Hinweis eingehen, dass eine gute Privathaftpflicht unerlässlich sei. Das ist für den Alltag natürlich auch korrekt – für Schulunfälle in den meisten Fällen aber wohl bedeutungslos. Die §§ 104-106 SGB VII beschränken die Haftung. Nach diesen Vorschriften ist der Schüler einer allgemeinbildenden Schule, der während des Schulbesuchs einen Schulunfall verursacht, indem er einen Mitschüler verletzt, zum Ersatz des Personenschadens nach dem Recht der unerlaubten Handlung nur verpflichtet, wenn er den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hat. Das wurde so auch vom BGH bestätigt (z. B. VI ZR 163/03). Da Vorsatztaten – so man denn eine solche Unterstellen kann, was nur in den allerseltensten Fällen so sein wird – nachvollziehbarerweise vom Versicherungsschutz der Privathaftpflicht ausgeschlossen sind, findet auch dann keine Entschädigung statt.