Undercover im Finanz­vertrieb Afa Special

In der Ebay-Klein­anzeige ist ein „attraktiver“ Neben­job beschrieben.

In der Ebay-Klein­anzeige ist ein attraktiver Neben­job beschrieben. Nach ersten Gesprächen soll der Finanztest-Mitarbeiter den „Vorteils-Check“ ausfüllen und seine finanziellen Verhält­nisse offenlegen.

Das Angebot klingt erst einmal gut: Zwölf Stunden Arbeit pro Woche als Daten­erfasser, bei freier Zeit­einteilung. „Keine Vorkennt­nisse notwendig“, steht in der Klein­anzeige, und 500 Euro im Monat sind auch nicht schlecht. Ein Finanztest-Mitarbeiter bewirbt sich, landet bei selbst­ständigen Beratern des Finanz­vertriebs Afa AG, soll seine gesamten finanziellen Verhält­nisse offenlegen – und bekommt eine Versicherung angeboten.

Mit dem „individuellen Vorsorgevor­schlag“ geht es los

Vor mir liegt mein „individueller Vorsorgevor­schlag“: eine Renten­versicherung. Monatlich soll ich Beiträge zahlen. In der Modell­rechnung werden daraus über die Jahre beein­druckende Summen. Aber halt! Eigentlich wollte ich doch mehr Geld zur Verfügung haben und nicht noch welches für Versicherungs­beiträge abzwa­cken. Deshalb habe ich mich für einen Neben­job beworben. Von Versicherungen war in der Jobanzeige keine Rede. Nun ist mir fast dasselbe passiert, was ein Finanztest-Leser Anfang 2014 erlebt hat. Auch bei ihm hatte der Neben­job in der Ebay-Klein­anzeige perfekt geklungen: Freie Zeit­einteilung, etwa zwölf Stunden pro Woche. „Keine Vorkennt­nisse notwendig“. 500 Euro im Monat. Nicht schlecht. Hinter dem Jobangebot steckte ein selbst­ständiger Berater des Finanz­vertriebs Afa AG. Der Leser bekam eine Versicherung angeboten, die er nicht wollte. Aus dem Job wurde nichts.

Jobanzeige führt zur Finanz­analyse

Wir haben es darauf­hin selbst ausprobiert und ich habe mich als Daten­erfasser beworben. Ich soll zu Gesprächen in das Afa-Büro in Berlin-Mitte kommen. Dort heißt es, der Job habe mit Kunden­daten im Finanz­bereich zu tun. Mir wird nahegelegt, an Abend­seminaren zu Finanz­themen teil­zunehmen. Geld gibt es dafür nicht. Ich erfahre nun auch, was für Daten zu erfassen sind: Die Afa AG bietet Finanz­analysen an. Ich soll die finanzielle Lage von Interes­senten auf 28 Seiten Fragebogen eintragen – von der Auto­versicherung bis zum Zusatz­beitrag zur Krankenkasse. „Vorteils-Check“ heißt die Analyse. Als erstes soll ich sie selbst ausfüllen. Dadurch lege ich meine gesamte finanzielle Lage offen. Außerdem ist Platz vorgesehen, um weitere Personen zu nennen, die sich auch für eine Finanz­analyse oder einen Job interes­sieren könnten. Es läuft so, wie der Leser beschrieben hat.

Afa macht Finanz­vorschläge

Ziel einer solchen Analyse sollen Einsparungen sein, also etwa teure Versicherungs­verträge und Geld­anlagen durch güns­tigere zu ersetzen. Der „freigesetzte Betrag“ könne in „dringend benötigte Absicherungen“ investiert werden, lockt die Afa. Die Afa AG Berlin wirbt: „Wir beraten Sie optimal, ehrlich und unabhängig“. Für mich wäre es das Beste, im Prinzip alles zu lassen, wie es ist. Denn ich gebe einen sehr guten Bauspar­vertrag und eine Kapital­lebens­versicherung mit 4 Prozent Garan­tiezins an.

Der Vorschlag passt mir nicht

Ich werde aber auf Filme im Internet mit den Titeln „Bausparen ist Geld­vernichtung“ und „Lebens­versicherungen als legaler Betrug“ hingewiesen. Mein „individueller Versorgungs­vorschlag“ sieht eine fonds­gebundene Renten­versicherung ohne Garan­tiezins vor – vom Versicherer Prisma Life. Von dem Namen bin ich nicht über­rascht. Die Versicherungs­gesell­schaft aus Liechten­stein gehört zum selben Konzern wie die Afa AG. Es stehe mir frei, das Konzept zu nutzen oder nicht, wird betont. Ich merke an, dass es doch gar nicht vorteilhaft wäre, meine Verträge zu kündigen. Die Prisma-Life-Police will ich nicht. Wann es nun losgehe mit dem Neben­job, frage ich noch. Aus dem wird aber nichts mehr. Ob das anders gewesen wäre, wenn ich auf den Vorschlag einge­gangen wäre, weiß ich nicht. Die Afa AG betont auf Finanztest-Nach­frage, der Abschluss einer Police sei keine Voraus­setzung für Daten­erfasser.

Erinnerung an alte Vertriebs­masche

Wir fühlten uns an einige Finanz­vermitt­lungen aus früheren Zeiten erinnert. Manche Berater drängten die Kunden, bestehende Verträge zu kündigen und andere einzugehen. Für die neuen Abschlüsse kassierten sie Provisionen. Negativ ist uns im Jahr 2002 auch ein Afa-Berater aufgefallen. Ein Ehepaar sollte Lebens­versicherungen und Bauspar­verträge auflösen und mit dem Geld vier Policen abschließen. Er verwies dazu auf ein Angebot der Versicherungs­gesell­schaft Prisma Life. Das Kündigen der alten Verträge hätte dem Paar heftige Verluste beschert. Der Afa-Geschäfts­führer bestritt damals, dass seine Vermittler zum Kündigen von Verträgen rieten: „Das ist grund­sätzlich untersagt.“

Erstaunlicher Zufall

Diesmal teilt die Afa AG mit: Es sei Handels­vertretern nicht gestattet, in Jobanzeigen einen falschen Eindruck zu erwecken. Sie sollten die Tätig­keit als Daten­erfasser korrekt beschreiben. Die Afa verweist dazu auf Beispiele, in denen dies der Fall ist. Da die Handels­vertreter selbst­ständig seien, sei es aber nicht möglich, ihnen außer­halb des Auftritts für die Afa Vorschriften zu machen, ergänzt der Finanz­vertrieb. Es muss wohl reines Pech gewesen sein, dass bei mir alles ähnlich lief wie bei den Lesern im Jahr 2002 und Anfang 2014.

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