Auch wer seine Kisten selber packt, hat meist noch genug Posten, die sich steuerlich geltend machen lassen.

Maklergebühren, Kosten für Möbel­packer und doppelte Miete – ein Umzug kann schnell teuer werden. Immerhin lässt sich zumindest ein Teil der Kosten absetzen. Die Art und die Höhe hängen vom Anlass für den Wohnungs­wechsel ab. Besonders viel erstattet das Finanz­amt bei beruflichen Gründen.

Steuern sparen bei beruflichem Umzug

Steuerzahler dürfen besonders viel absetzen, wenn es sich um einen beruflichen Umzug handelt. Das Finanz­amt erkennt bei Arbeitnehmern für alle beruflichen Ausgaben pauschal 1 000 Euro als Werbungs­kosten an. Schätzen Wohnungs­wechsler, dass ihre Jobkosten inklusive Umzugs­kosten höher ausfallen, müssen sie die Ausgaben einzeln angeben. Die Umzugs­kosten addieren sie und tragen die Summe dann in der Anlage N der Steuererklärung in einer der Zeilen 46 bis 48 ein.

Das müssen Umziehende wissen

Umzugs­grund. Das Finanz­amt interes­siert sich für die Gründe Ihres Wohn­sitz­wechsels. Je nach Anlass ändern sich Art und Umfang des Kosten­abzugs. Am meisten sparen Sie bei einem beruflichen Umzug. Bewahren Sie Belege auf, falls das Finanz­amt Nach­weise für Ihren Umzug anfordert.

Pauschalen. Für kleinere Schön­heits­reparaturen und Kosten wie Trinkgelder oder das Ummelden gehen Belege schnell verloren. Für diese können Sie bei einem beruflichen Umzug eine Umzugs­kostenpauschale geltend machen - zusätzlich zu den großen Posten wie Trans­port­kosten.

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Diese Kosten zählen beim Umzug für den Job

Kosten für Wohnungs­suche. Umziehende rechnen Inserate, Maklergebühren und Besichtigungen ab. Es zählen bis zu zwei Reisen zum neuen Ort plus Verpflegung und Hotel. Bei Suche zu zweit, zählt nur eine Reise. Das Finanz­amt akzeptiert je bis zu zwei Reis­etage. Fahrt­kosten gelten in Höhe des güns­tigsten Tickets für öffent­liche Verkehrs­mittel.

Trans­port­kosten. Es zählen Kosten für den Trans­port von Möbeln und Hausrat an, etwa durch ein Umzugs­unternehmen oder die Miete eines Umzugs­wagens.

Fahrt­kosten. Am Tag des Umzugs zählen die tatsäch­lichen Kosten mit öffent­lichen Verkehrs­mitteln oder bei Auto­fahrten pauschal 30 Cent je Fahrt­kilometer.

Hausrat. Gehen Haus­halts­gegen­stände beim Umzug verloren oder kaputt, setzen Umziehende die Wiederbeschaffungs­kosten ab, falls keine Versicherung einge­sprungen ist.

Verpflegung am Umzugs­tag. Je nach Abwesenheit von der alten Wohnung akzeptiert das Finanz­amt eine Verpflegungs­pauschale pro Person, die mit umzieht. Bei Umzug bis Ende 2019 galten 24 Euro pro Tag, seit 2020 ist die Verpflegungs­pauschale auf 28 Euro ange­hoben worden. Hotel­kosten zählen, wenn Sie in der neuen Bleibe noch nicht schlafen können.

Doppelte Miete. Für die Zeit zwischen Kündigungs- und Umzugs­tag rechnen Steuerzahlende die anteilige Miete der neuen Wohnung ab. Für die alte Wohnung zählt die Miete zwischen Auszugs­tag und Ende der Kündigungs­frist. Bei Streit mit dem alten Vermieter über die Vertrags­auflösung machen sie Anwalts- und Prozess­kosten geltend.

Nach­hilfe. Benötigt der Nach­wuchs nach dem Umzug Nach­hilfe, um sich etwa in einem neuen Bundes­land an die neue Schule zu gewöhnen? Eltern können bei Umzug bis Ende Februar 2020 maximal 2 045 Euro geltend machen und bei Umzug zwischen März und Mai 2020 sogar 2 066 Euro. Die Nach­hilfe­kosten zählen bis zur Hälfte des Höchst­betrags voll. Darüber hinaus zu 75 Prozent, bis der Höchst­betrag ausgeschöpft ist. Ab Mai 2020 liegt der Höchst­betrag nur noch bei 1 146 Euro

Umzugs­pauschale als Bonus bei berufs­bedingtem Umzug

Für kleine Umzugs­auslagen wie Trinkgelder oder Schön­heits­reparaturen benötigen Wohnungs­wechsler keine Nach­weise. Abrechnen können sie sie trotzdem. Wie viel steuerlich drin ist, hängt vom Zeit­punkt des Umzugs ab. Es gilt die Pauschale des Zeit­punkts, an dem der Umzug beendet ist und alle Haus­halts­mitglieder nachgezogen sind:

Haben Steuerzahlende ihren Umzug bis Ende Februar 2020 beendet, können sie und ihre Ehepartner je 811 Euro angeben. Für andere Haus­halts­mitglieder wie Kinder kommen je 357 Euro hinzu.

Für Umzüge zwischen Anfang März und Ende Mai 2020 können Umziehende 820 Euro absetzen, Ehepaare insgesamt 1 639 Euro. Für jeden Mitziehenden können sie 361 Euro aufschlagen (BMF-Schreiben vom 21. September 2018).

Im Juni 2020 sind die Pauschalen weiter angestiegen, aber Ehepaare sparen weniger: Für sich selbst können Steuerzahlende 860 Euro abrechnen. Für Mitziehende gibt es 573 Euro – darunter fallen jetzt Ehepartner. Maßgeblich ist jetzt der Tag vor dem Einladen des Umzugs­gutes (BMF-Schreiben vom 20. Mai 2020).

Krank­heits­bedingter Umzug: Eigen­anteil geht ab

Bei einem Umzug aus gesundheitlichen Gründen sind die Hürden höher. Auch hier können Kosten etwa für Trans­port, Wohnungs­suche, und doppelte Miete die Steuerlast senken. Doch Kranke müssen begründen, warum ihr Umzug krank­heits­bedingt notwendig geworden ist. Es kommt auf den Einzel­fall an. Das Finanz­amt akzeptiert etwa einen Umzug, wenn Gehbehinderte die Treppe zu ihrer Wohnung in einem oberen Stock­werk nicht mehr bewältigen können.

Hinzu kommt, dass Wohnungs­wechsler in diesem Fall einen Eigen­anteil selbst tragen müssen. Die Höhe dieser zumut­baren Belastung richtet sich nach ihrem Einkommen. Über­schreiten ihre Ausgaben diesen Betrag, setzen sie ihre Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen ab. Auch hier addieren Wohnungs­wechsler die Kosten und tragen sie ab der Steuererklärung 2019 in die neue Anlage Außergewöhnliche Belastungen ein. Das Finanz­amt zieht bei der Steuerbe­rechnung die zumut­bare Belastung ab.

Tipp: Mithilfe unseres Eigenanteil-Rechners können Sie vorab berechnen, ob Sie die entsprechende Marke knacken.

Privater Umzug: Haus­halts­nahe Dienst­leistungen oder Hand­werk­erkosten

Wer privat umzieht, kann immerhin Kosten für den Möbel­trans­port als haus­halts­nahe Dienst­leistungen und für den Möbel­aufbau als Hand­werk­erkosten angeben. Wichtig: Die Hand­werker müssen eine Rechnung ausstellen und ihre Kunden dürfen den Betrag nicht bar bezahlen. Die Kosten der Hand­werk­erarbeiten geben Umziehende ab der Steuererklärung 2019 erst­mals in der neuen Anlage Haus­halts­nahe Aufwendungen an.

Diese Meldung ist erst­mals am 16. Oktober 2018 auf test.de erschienen. Sie wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 31. Juli 2020.

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