Umweltkarte: Schwermetalle im Trinkwasser Meldung

Das Lebensmittel Nummer 1 muss niemand teuer im Supermarkt kaufen. Es fließt zu Hause aus der Leitung. Aber Vorsicht: Alte Bleileitungen und Armaturen können das Trinkwasser mit Schwermetallen belasten. Wir sagen, wie Sie sich schützen können.

Blei hat als Rohrmaterial für Wasserleitungen eine lange Tradition. Bereits vor zwei Jahrtausenden nutzten die Römer das leicht verformbare Schwermetall für ihre Wasserversorgung. Ob der Untergang ihres Weltreichs auch damit zusammenhängt, wissen wir allerdings nicht. Doch Fakt ist: Blei gefährdet die Gesundheit.

In Deutschland warnte Herzog Carl von Württemberg bereits im 18. Jahrhundert davor, dass Blei Mensch und Tier krank machen könne. Im Jahre 1878 wurden Bleirohre in Württemberg sogar verboten. Anderswo galten sie hierzulande noch wesentlich länger als Stand der Technik. Es dauerte schließlich bis zum Jahr 1973, bis die DIN 2000, sozusagen die Bibel der Wasserfachleute, sie endgültig ächtete. Darin heißt es wörtlich: "Die Verwendung von Bleirohren ist gesundheitlich bedenklich, da sich Blei lösen und im Trinkwasser anreichern kann. Für neue Trinkwasserleitungen sollen daher Bleirohre nicht mehr verwendet werden."

Blei macht dumm

Umweltkarte: Schwermetalle im Trinkwasser Meldung

Alte Bleirohre erkennt man oft schon an ihrer leicht gebogenen Form und an den wulstigen Verbindungen.

Dass Installateure über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg so gern Bleirohre verlegt haben, liegt zweifellos an den guten Verarbeitungseigenschaften. Toxikologischen Bedenken wurde da nur wenig Beachtung geschenkt. Dabei hatte schon Hippokrates im Jahr 460 vor Christi vor Bleivergiftungen gewarnt. Heute wissen die Mediziner noch mehr: Die gesundheitlichen Folgen einer schleichenden Bleibelastung sind vielfältig. Blei wirkt schon in geringen Konzentrationen, die über einen längeren Zeitraum hinweg aufgenommen werden, als chronisches Gift. Vor allem das menschliche Nervensystem ist betroffen.

Besonders gefährdet sind hierbei Kleinkinder und Säuglinge. Da ihr Stoffwechsel im Vergleich zu Erwachsenen beschleunigt arbeitet, nehmen sie relativ viel Blei auf. Und da ihre so genannte Blut-Hirn-Schranke noch nicht vollständig ausgebildet ist, kann der Schadstoff sogar in vergleichsweise großen Mengen ins Gehirn gelangen und dort Entwicklungsstörungen verursachen. Kurz gesagt: Blei macht dumm.

Grenzwert gesenkt

Umweltkarte: Schwermetalle im Trinkwasser Meldung

Erläuterungen zur Karte
Die test-Umweltkarte basiert auf mehr als 16.000 Trinkwasserproben aus dem öffentlichen Netz, die unsere Leser zwischen Juni 1994 und Dezember 2000 zu Hause entnommen haben (aktuelle Messwerte der vergangenen zwei Jahre wurden stärker gewichtet). Sie informiert über das Risiko erhöhter Bleiwerte im Trinkwasser. Da sich vor allem besorgte Leser an unserer Aktion beteiligt haben, kann die Stichprobe nicht repräsentativ sein.

Angesichts der Gefahren für die Gesundheit werden die Anforderungen für Trinkwasser in ganz Europa verschärft ­ allerdings nur mit langen Übergangsfristen. Die neue Trinkwasserverordnung sieht vor: Der Grenzwert für Blei sinkt stufenweise von derzeit 40 Mikrogramm pro Liter auf 10 Mikrogramm pro Liter im Jahr 2013. Zwischen 2003 und 2013 soll ein mittlerer Wert von 25 Mikrogramm pro Liter gelten.

Damit wächst der Druck auf Hausbesitzer, Wasserwerke und Kommunen, das Bleiproblem endgültig zu lösen. Die Stiftung Warentest hat bereits vor fünf Jahren vor den Gefahren gewarnt. Geschehen ist seitdem relativ wenig. Der Beweis: die aktuelle test-Umweltkarte. Die Karte basiert auf mittlerweile mehr als 16.000 Trinkwasserproben, die test-Leser aus allen Regionen Deutschlands zur Untersuchung eingeschickt haben. Davon wurden gut 5.100 Proben in den vergangenen zwei Jahren analysiert. Sie belegen: Immer noch häufen sich Grenzwertüberschreitungen in bestimmten Regionen besorgniserregend, besonders in Ost- und Norddeutschland. Eine Risikohäufung fanden wir vor allem in der Region um Leipzig (Postleitzahlen 04000 bis 04999). Dort waren mehr als 15 Prozent der Proben stark mit Blei belastet (mehr als 40 Mikrogramm pro Liter).

Steter Tropfen

Doch es gibt auch positive Entwicklungen zu vermelden. Beispiel Frankfurt/Main: Gegenüber früheren Untersuchungen zeigt unsere aktuelle Auswertung hier einen besonders deutlichen Rückgang der Bleibelastung. Das seit 1997 laufende "Bleiprojekt" des dortigen Gesundheitsamts ist ganz offensichtlich erfolgreich. Im Zuge dessen hat man die Eigentümer bleibelasteter Liegenschaften angeschrieben, über die Probleme informiert und zu Sanierungsmaßnahmen aufgefordert. Der sanfte Druck ­ auch über ein Messprogramm ­ soll dazu führen, alle Bleileitungen bis zum Jahr 2007 auszutauschen.

Anderswo ist erschreckend wenig passiert. Viele Ämter wissen nicht oder nur bruchstückhaft, welche Grundstücke und Gebäude überhaupt bleibelastet sind. Doch aus Verbrauchersicht ist es nicht akzeptabel, die Lösung dieses Problems besorgten Bürgern zu überlassen, die selbst aktiv werden.

Gerade vor dem Hintergrund der sinkenden Grenzwerte fordern Wasserexperten ein offensiveres Handeln: Wasserwerke müssen offenlegen, welche Hausanschlussleitungen bleihaltig sind. Gesundheitsämter könnten in Zusammenarbeit mit Haus- und Grundbesitzervereinen klären, in welchen Häusern noch alte Bleirohre liegen. Und Altbausanierung sollte nur noch gefördert werden, wenn dabei auch die Bleileitungen ausgetauscht werden.

Der Toxikologe Professor Hermann Dieter vom Umweltbundesamt hält vor allem eine Warnung für wichtig: "Kein Stagnationswasser für Säuglinge!" Ihre Fläschchen dürfen keinesfalls mit Wasser zubereitet werden, das in Bleileitungen gestanden hat.

Das Problem: Ob die Bleigrenzwerte überschritten werden, hängt stark davon ab, wie viel Zeit das Blei hat, sich aus der Rohrwand zu lösen und im Wasser anzureichern. Schon nach einer Stunde Stagnationszeit ist die Konzentration merklich erhöht. Bei unserer Trinkwasseranalyse untersuchen wir Wasser, das über Nacht in der Leitung gestanden hat und morgens als erstes abläuft (8-Liter-Mischprobe).

Blei aus der Armatur

Doch auch in Wohnungen, die keine Bleirohre haben, kommen häufig leicht erhöhte Bleiwerte vor. Diesem Phänomen auf der Spur, entdeckten wir bei unseren Untersuchungen weitere Bleiquellen: Zum einen kann die Ursache eine gewisse Bleiabgabe aus Stahlrohren sein, deren Verzinkung Blei als Verunreinigung enthält. Zum anderen stießen wir auf die Armaturen. Die an Waschbecken und Spülen montierten Mischbatterien enthalten mehr oder weniger viel Messing. Und diese Messinglegierungen enthalten Blei, das ins Wasser gelangen kann. Im Gegensatz zu einer langen Bleileitung tritt das Problem hier jedoch nur punktuell auf und lässt sich vergleichsweise leicht lösen: Bevor man Wasser trinkt, zum Kochen nutzt oder in einen Trinkwassersprudler füllt, sollte man immer etwas Wasser in den Abfluss rauschen lassen.

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