Umweltkarte Badegewässer Meldung

Sommer, Sonne ­ jetzt macht Baden wieder richtig Spaß. Und das Wasser an vielen Seen und an der Küste ist sauberer geworden. Wir zeigen Ihnen die besten Badeplätze.

So viele blaue Punkte wie in diesem Jahr haben die test-Umweltkarte "Badegewässer" noch nie geziert. Der Grund: Die Wasserqualität ist in der vergangenen Saison insgesamt besser geworden. Seltener als in den beiden Vorjahren kassierte ein Badeplatz den roten Punkt, mit dem wir zu viel Schmutz und Bakterien im Wasser quittieren. An vielen Stränden an Nord- und Ostsee hatten die Urlaubsgäste im letzten Sommer ungetrübten Badespaß, und auch in Süddeutschland beanstandeten wir nur selten einmal einen See.

Wetter und Gewässerschutz

Umweltkarte Badegewässer Meldung

Der Große Stechlinsee in Brandenburg ist tief und klar. Sein Wasser gehört zu den saubersten in Deutschland.

Ein Grund für das viele Blau auf der Karte ist das Wetter. Wenn der Sommer, wie im vergangenen Jahr im Juli, verregnet ist, bleiben mit den Badegästen auch die Krankheitserreger fern. Denn häufig gelangen Schmutz und Bakterien auch mit den Badegästen ins Wasser. Außerdem vermehren sich die Algen nicht so stark, wenn es kühl und wolkig ist. Einige Blaualgen produzieren Gifte, die zu Hautreizungen, Übelkeit und Erbrechen führen können ­ ein heißer Hochsommer hätte ihr Wachstum vermutlich noch stärker begünstigt. Und trotz des bewölkten Himmels sind im letzten Jahr die ganz starken Regenfälle ausgeblieben. Sie hatten in den Vorjahren zum Teil zu schlechterer Wasserqualität geführt, 1999 in Bayern und 1998 in Hessen.

Alles aufs Wetter zu schieben, wäre aber falsch: Zu viel Regen oder Sonne macht oft nur schlimmer, was sowieso im Argen liegt: Wenn die Gewässer, etwa durch den Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft, überdüngt sind, wachsen die Algen auch bei schlechtem Wetter. Wenn es keine Rückhaltebecken für den Regen gibt, schwemmt er eben Schmutz und Dung von den Feldern ungehindert in Seen und Flüsse. Und daran, dass Kläranlagen das Abwasser schlecht gesäubert in die Flüsse ablassen, kann weder schönes noch schlechtes Wetter etwas ändern ­ hier sind die Wasserbetriebe und die Aufsichtsbehörden gefragt.

Umgekehrt können bessere Werte auch darauf zurückzuführen sein, dass die Verantwortlichen aktiv geworden sind. Wir haben die neue test-Badewasserkarte mit unseren Karten aus den vorangegangenen fünf Jahren verglichen: Das Wasser wird sauberer ­ zwar immer nur ein wenig, mal mit kleinen Rückschlägen von einem Jahr zum andern, aber doch kontinuierlich. Das spricht dafür, dass die Anstrengungen zum Gewässerschutz ­ etwa bessere Kläranlagen, Rückhaltebecken für Regenwasser oder Sanierungen von Seen ­ langsam greifen. Und in der Tat: Die Länder berichten uns immer mal wieder von ihren Aktivitäten. In diesem Jahr zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern: Dort wird ein Sanierungskonzept für die Seen erarbeitet, Voruntersuchungen und Pilotprojekte laufen derzeit.

Noch viel zu tun

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Trotz der positiven Ansätze: Es gibt noch viel zu tun. So hatte sich die Wasserqualität der Seen im Nordosten Deutschlands anders als an der Küste und im Süden im Vergleich zum Vorjahr nicht deutlich verbessert, sondern ist etwa gleich geblieben. In Berlin und Brandenburg haben sich die Algen wieder massenhaft vermehrt. Viele Gewässer sind überdüngt, weil Nährstoffe, zum Beispiel mit den Abschwemmungen von Feldern, in großen Mengen hinein gelangten. Und in Nord- und Ostsee sind umweltbedrohende Tankerunfälle wie in diesem Frühjahr vor der dänischen Küste nie ganz auszuschließen. Nach Auskunft des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern ist aber nicht zu erwarten, dass die Badewasserqualität an der deutschen Küste in diesem Sommer unter den Folgen des Tankerunfalls leidet.

Vielleicht wird auch die neue Richtlinie der Europäischen Union zur besseren Badegewässerqualität beitragen ­ sie wird derzeit überarbeitet. Geplant ist zum Beispiel, das Algenwachstum stärker als bisher zu bewerten. Auch test fragt jedes Jahr in den Ländern nach, ob es Probleme mit Algenwachstum gab, und bewertet das in der Karte.

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