Umweltfreundliche Produkte Meldung

Immer mehr Produkte werben mit ihrer Bioqualität oder besonderer Umweltfreundlichkeit. Doch nicht alle halten, was sie versprechen. Manchmal bringt erst ein Gerichtsurteil Klarheit. test.de dokumentiert Streitfälle und deren Ausgang, darunter den Fall des Biomineralwassers von Neumarkter Lammsbräu.

Biomi­neral­wasser von Neumarkter Lamms­bräu

Erstes Biowasser auf dem Markt. 2009 brachte die bayerische Brauerei Neumarkter Lamms­bräu das erste Mineral­wasser heraus, das sich „Bio“ nennt. Biowässer gab es bis dato nicht, da Wasser in der EU-Ökover­ordnung nicht erfasst ist. Die Erfinder des „Biokristall“ entwarfen ein eigenes Biosiegel und eigene Vergabekriterien. Die Kriterien gehen über die für alle Mineralwässer geltende Mineral- und Tafel­wasser­ver­ordnung hinaus. So sollen etwa strengere Grenz­werte für Schad­stoffe gelten. Auch soll das Biowasser kurze Trans­portwege haben.

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Wett­bewerbs­zentrale klagt. „Wie kann eine so natürliche Ressource bio sein?“, fragte schnell die Konkurrenz. Mineral­wasser sickert auf dem Weg zur Quelle durch geschützte Erd- und Gesteins­schichten, ist somit ein von der Natur geschaffenes Produkt. Die Wett­bewerbs­zentrale klagte gegen die Bezeichnung „Biomi­neral­wasser“. Begründung: Sie verzerre den Wett­bewerb, alle Mineralwässer seien ursprüng­lich rein.

Wasser darf weiter „Bio“ heißen. Im November 2011 konnte Neumarkter Lamm­bräu einen Etappensieg verbuchen: das Ober­landes­gericht Nürn­berg-Fürth bescheinigte, dass das Biowasser eine besondere Qualität habe und sich durch die selbst aufgestellten Kriterien von vielen anderen Mineralwässern unterscheide. So sei der Grenz­wert für Nitrat und Nitrit deutlich nied­riger als vom Gesetz­geber angesetzt. Das Wasser darf sich weiter Bio nennen. Nur das selbst entworfene Biosiegel soll geändert werden. Es ähnelt zu stark dem staatlichen Biosiegel. [Update: 28.12.2011] Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wett­bewerbs hat im Dezember 2011 Revision gegen das Urteil einge­legt. Es sei wichtig für die Mineral­wasser-Branche und die Verbraucher, dass die Frage um das Bio-Mineral­wasser höchst­richterlich entschieden werde, so eine Sprecherin der Wett­bewerbs­zentrale. Jetzt geht der Fall weiter an den Bundes­gerichts­hof. Er muss darüber urteilen, ob ein natürliches Lebens­mittel wie Wasser als Bioprodukt deklariert werden kann. [Ende Update]

Berechtigte Zweifel. Jedes der in Deutsch­land zugelassenen natürlichen Mineralwässer muss ursprüng­lich rein sein und regel­mäßig auf seine Qualität geprüft werden. Es muss bestimmte mikrobiologische Anforderungen erfüllen und darf Höchst­gehalte für natürlich vorkommende, kritische Stoffe wie Nitrat und Queck­silber nicht über­schreiten. Grund­lage ist die Mineral- und Tafel­wasser­ver­ordnung. Für Wässer, die zur Zubereitung von Säuglings­nahrung dienen, gibt es noch strengere Vorgaben. „Bio“ oder „öko“ steht bis dato für Produkte aus dem ökologischen Land­bau, die nach den Kriterien der EU-Ökover­ordnung oder denen eines Bioanbau­verbands hergestellt wurden. Das ist bei dem Biowasser nicht der Fall.

Im Test nicht über­zeugend. Das Biokristall Classic wurde im aktuellen Test natürliches Mineralwasser untersucht. Ein besonderes Etwas fanden die Prüfer nicht. Dafür aber PVC mit kritischen Weichmachern in der Deckeldichtung, was dem Biokonzept wider­spricht. Das Wasser war mineral­stoff­arm und sehr teuer. Es schmeckte sehr leicht nach Kunststoff. Und die eigens entworfene Flasche kann nicht über­all zurück­gegeben werden.

Umwelt­freundlicher Jogurtbecher von Danone

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Mais statt Erdöl. Seit April 2011 bietet Jogurt-Multi Danone alle Jogurts der Marke Activia in „umwelt­freundlichen Kunst­stoff­bechern“ an. Das Neue: Sie werden aus nach­wachsendem Mais und nicht mehr auf Basis von Erdöl hergestellt. Der WWF hat bei der Entwick­lung mitgeholfen. Danone wirbt damit, dass der neue Becher ein Viertel weniger Treib­hausgase erzeugt. Das habe das Institut für Energie- und Umwelt­forschung in Heidel­berg bestätigt, so Danone.

Vorwurf von „Greenwashing“. Der Verein Deutsche Umwelt­hilfe spricht von einem „Musterbei­spiel für Greenwashing“ sowie von „Verbraucher­täuschung“ – und reichte Klage ein. Es werde der Eindruck erweckt, mit dem Kauf des Jogurts etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Die Klima­bilanz des besagten Heidel­berger Instituts sei von Danone gezielt verzerrt worden: Nur ein Teil der insgesamt zwölf untersuchten Wirkungs­kategorien sei betrachtet worden. Würde man hingegen die gesamte Bilanz auswerten, hat die Biobecher­variante aus Poly­milchsäure keine gesamt­ökologischen Vorteile gegen­über dem Vorgänger aus Poly­styrol. Außerdem ließe sich der Ökobecher nicht recyceln.

Danone macht Rück­zug. Im November 2011 gab Danone nach und verpflichtete sich im Rahmen eines Vergleichs, den Becher nicht mehr als „umwelt­freundlicher“ als den Vorgänger zu bewerben. Das muss der Konzern bis Ende 2011 umsetzen. Die Becher auf Maisbasis will er dennoch weiter verwenden. Noch mehr Informationen zu umwelt­freundlichen Produkten bietet das test Spezial "Grüner leben".

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