In wackligen Börsenzeiten steigen Umtauschanleihen mit festem Zinssatz und bestimmter Laufzeit in der Gunst der Anleger. Solche Anleihen einer Bank oder eines Unternehmens bieten zugleich eine Kaufoption auf fremde Aktien. Der Kurs des Papiers zieht an, sobald der Kurs der Optionsaktien steigt. Doch der Fiskus trübt die Freude der Anleger darüber: Wer die Kurssteigerung mitnehmen will und die Anleihe verkauft, muss den erzielten Gewinn versteuern. Und das nicht nur bei Verkauf während der Spekulationsfrist, sondern nach einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums sogar auch darüber hinaus (IV C 1 ­ S 2252 ­ 56/01).

Außer der Kurssteigerung können aber Anleger mit der Umtauschanleihe nicht viel einheimsen. Die Zinsen sind niedriger als bei normalen Anleihen und betragen im Schnitt nur 2 Prozent. Das ist der Preis für den gesicherten Boden der Umtauschanleihe: Geht es mit der Aktienoption bergab, fällt der Kurs der Anleihe gemäßigt.

Die neue Steuervorschrift widerspricht einer BFH-Entscheidung in einer vergleichbaren Frage: Weil die Höhe des Kursgewinns ungewiss sei, entstehe nach dem Besteuerungssystem außerhalb der Spekulationsfrist auch kein steuerpflichtiger Kapitalertrag (Az. VIII R 28/99). Wer gegen die Besteuerung der Umtauschanleihen klagen will, hat deshalb möglicherweise Erfolgschancen.

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