Umschulungen in der Altenpflege Special

Viele Frauen nach der Familienphase machen eine Umschulung zur Altenpflegerin. Ihre Lebenserfahrung eröffnet ihnen gute berufliche Perspektiven, sagen Ausbilder.

In Zeiten, in denen 45-Jährige als schwer vermittelbar gelten, ist diese Nachricht schon eine kleine Überraschung: Altenpflege-Umschüler profitieren von ihrem Plus an Lebenserfahrung und haben bessere berufliche Perspektiven als (die zumeist jüngeren) Azubis in der Erstausbildung, sagen ihre Ausbilder.

Besser auf Belastungen eingestellt

Umschulungen in der Altenpflege Special

Das ergab eine Studie des Instituts für angewandte Pflegeforschung (iap expert) der Universität Bremen im Auftrag der Stiftung Warentest. Grundlage der Untersuchung war die bundesweite Befragung von 303 der über 600 Altenpflege-Einrichtungen in Deutschland, um deren Ausbildungsstrukturen zu erheben. Zudem führten die Experten 39 Interviews an 4 Altenpflege-Einrichtungen. Befragt wurden jeweils sieben oder acht Umschüler pro Einrichtung und insgesamt acht Schul- oder Kursleiter.

Der Umfrage zufolge sind Umschüler besser auf die physischen und psychischen Belastungen der Altenpflege eingestellt. Das liegt nach Meinung der Ausbilder daran, dass sie im Laufe ihres Lebens eher mit so schwierigen Inhalten des Altenpflegeberufes wie Krankheit oder Tod in Berührung gekommen sind oder sich damit beschäftigt haben.

Frauen geben den Ton an

Umschulungen in der Altenpflege Special

Auszubildende in der Altenpflege sind überwiegend weiblich, so unterrichten die befragten Altenpflegeschulen zum Beispiel derzeit rund 22 000 angehende Altenpfleger, Umschüler und Azubis zusammen gerechnet; das Verhältnis zwischen Frauen und Männern liegt bei etwa 4:1. Rund ein Drittel der Altenpflege-Schüler ist älter als 32 Jahre. Die interviewten Umschüler in unserer Untersuchung kommen im Schnitt auf auf 42 (Frauen) bzw. 39 Jahre (Männer). „Gerade für Frauen nach der Familienphase bieten die Altenpflegeberufe große Chancen“, betonte im April die damalige NRW-Sozialministerin Birgit Fischer.

Beruf ist attraktiver geworden

Umschulungen in der Altenpflege Special

Mit dem Altenpflegegesetz (2003) ist die Ausbildung in der Altenpflege bundeseinheitlich geregelt worden. Unsere Grafik zeigt die Grundzüge der Ausbildung.

Mit dem Altenpflegegesetz (2003) ist die Ausbildung in der Altenpflege bundeseinheitlich geregelt worden. Unsere Grafik zeigt die Grundzüge der Ausbildung.

Bis vor kurzem galt die Altenpflege noch als Umschulungs-Beruf schlechthin, und tatsächlich ist sie die bislang am stärksten von der Bundesagentur für Arbeit (BA) geförderte Umschulung. Inzwischen aber steigt der Anteil von Auszubildenden in der Erstausbildung. Das hängt zum einen mit der Sparpolitik der BA zusammen (siehe „BA-Förderpolitik“). Zum anderen ist das Berufsbild des Altenpflegers selbst attraktiver geworden.

Denn in den vergangenen 40 Jahren hat sich die Altenpflege von einer Anlerntätigkeit zu einem eigenständigen Beruf entwickelt. Dabei ist die Ausbildungszeit von einem auf drei Jahre und die Zahl der Unterrichtsstunden von 600 auf 2 100 gestiegen. Nicht zuletzt hat auch das bundeseinheitliche Altenpflegegesetz von 2003, das die Anerkennung als Gesundheitsfachberuf mit sich bringt, den Beruf des Altenpflegers aufgewertet (siehe „Berufsbild Altenpflege“).

Heute arbeiten rund 84 000 staatlich anerkannte Altenpfleger in Pflegeheimen und etwa 26  000 in der ambulanten Pflege. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht davon aus, dass der Bedarf an Fachkräften weiter steigt: Bis zum Jahr 2010 sollen demnach in den Heimen und Diensten 250 000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Doch auch die Anforderungen an Altenpfleger sind gestiegen: Fachlich, weil mit der verkürzten Verweildauer in den Krankenhäusern viele medizinisch-pflegerische Aufgaben in die Pflegeheime und ambulanten Dienste verlagert wurden. Und zwischenmenschlich, da von einem professionellen Altenpfleger eine an den Interessen des Klienten orientierte Haltung und Vorgehensweise erwartet wird.

Die Aufmerksamkeit, die während der Ausbildung auf die Umgangsformen mit alten Menschen gelegt wird, beeindruckte auch die Interviewpartner: „Heute legt man Wert darauf, die Leute zu animieren, sich zu betätigen, sportlich oder handwerklich. Früher schob man sie ab und wartete darauf, dass sie sterben“, brachte ein Umschüler die Stimmung auf den Punkt.

Lehrende stellen gutes Zeugnis aus

Dass die Umschüler bereit sind, auf ihre Klienten einzugehen, darauf achten die Lehrenden schon bei der Auswahl ihrer Schüler. Auch Erfahrungen in der Altenpflege sind erwünscht: So nehmen rund 19 Prozent der befragten Altenpflegeschulen nur Schüler an, die bereits ein einschlägiges Praktikum absolviert haben. Alles in allem stellen die Lehrenden ihren Umschülern ein gutes Zeugnis aus. Dass rund 90 Prozent von ihnen in der Regel einen Job fänden, habe gute Gründe, so der Tenor: Sie seien leistungsbereiter und seien sich der Konsequenzen ihrer Berufswahl bewusster.

Denn Altenpflege – das ist Knochenarbeit: Körperlich, weil durch die Lagerung pflegebedürftiger Personen der Rücken stark beansprucht wird. Außerdem gehören Schichtdienste in oft unterbesetzten Pflegeeinrichtungen zum Alltag. Seelisch, da Leiden und Tod allgegenwärtig sind und immer wieder aufs Neue die Grenzen des Mitleids und des Ekels, etwa vor krankheitsbedingten Gerüchen, überschritten werden.

Diese Belastungen sind ein wichtiger Grund dafür, dass Altenpfleger kürzer im erlernten Beruf bleiben als andere Berufsgruppen: Laut einer Untersuchung des IAB arbeiten Altenpfleger durchschnittlich 9,5 Jahre in ihrem Beruf, in der Gesundheits- und Krankenpflege halten es die Beschäftigten im Schnitt 16,2 Jahre aus. Hinzu kommt, dass die Aufstiegsmöglichkeiten für Altenpfleger gegenüber Krankenschwestern und -pflegern begrenzt sind.

Auch die Nachteile bewusst machen

Und reich wird man auch nicht: Ein 45-jähriger Altenpfleger (verheiratet, zwei Kinder) verdient bei einem Wohlfahrtsverband in den alten Bundesländern in Anlehnung an den Bundesangestelltentarif rund 2  900 Euro brutto, in den neuen Ländern etwa 200 Euro weniger. Bei gemeinnützigen Trägern liegt das Einkommen meist darunter.

Wer Altenpfleger wird, sollte sich also auch die Nachteile bewusst machen. Oder mit den Worten eines Befragten: „Nur helfen wollen ist nichts. Es muss einem klar sein, dass der Beruf kein Zuckerschlecken ist und die Dankbarkeit der Menschen allein nicht genügt.“

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