Umsatzbeteiligung Meldung

Die Rosenheimer Akzenta AG wirbt mit einer spektakulären Umsatzbeteiligung. Doch wie das Geschäftsmodell funktionieren soll, ist unklar.

Bernhard H.* war die Sache zu heiß: Ein Bekannter hatte den Veranstalter von Existenzgründerseminaren zu einem Informationsabend der Akzenta AG mitgenommen. Dort warb das Rosenheimer Unternehmen für seine Umsatzbeteiligung. Die Anwesenden im Saal sollten nicht nur in das Geschäftsmodell investieren, sondern auch selbst dafür werben.

„Doch wer garantiert mir, dass dieses Modell auch seriös ist? Ich habe schließlich einen guten Ruf zu verlieren“, sagt Bernhard H. und wittert hinter all den wohl geschliffenen Formulierungen der Referenten die Gefahr, für zweifelhafte Geschäftspraktiken vereinnahmt zu werden.

Verlockendes Angebot

Umsatzbeteiligung Meldung

Verbraucherschützer vermuten hinter der ­Akzenta ein Schneeballsystem, das zusammenbrechen wird, wenn Kunden ausbleiben.

Verlockend klingt das Geschäftsmodell allemal, das sich die Akzenta-Vorstände Oliver Braun und Alexander Chmiel sowie Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Chmiel ausgedacht haben. Einmal handelt es sich um die so ­genannte Umsatzbeteiligung: Ein Kunde möchte ein Produkt, zum Beispiel ein Auto, für mindestens 5 000 Euro erwerben, holt sich ein schriftliches Angebot bei einem Händler und schickt dieses an die Akzenta AG. Die führt dann mit dem Händler Nachverhandlungen, um eine zusätzliche Provision für sich zu erzielen.

Lässt sich der Händler darauf ein, kann der Kunde das Auto zum angebotenen Preis kaufen. Dann soll er laut Akzenta innerhalb von neun Jahren bis zu 100 Prozent des Kaufpreises zurückbekommen – je nach Höhe der vom Händler gezahlten Provision. Auch dem Händler werden Beteiligungen am Umsatz versprochen. Zudem verfüge er, so die Argumentation der Akzenta, mit der Umsatzbeteiligung über ein attraktives Instrument der Kundengewinnung.

Allerdings läuft der Händler bei diesem Modell Gefahr, die Kosten für seine Provision nicht wiederzubekommen. Da der Kunde keine Mehrkosten zum eigentlichen Kaufpreis hat, ist für ihn die Gefahr eines Verlustgeschäftes nicht gegeben. Der Vorteil dagegen liegt bei der Akzenta, die die Provisionen kassiert, egal ob die Umsatzbeteiligung funktioniert oder nicht.

Riskante Duplex-Beteiligung

Wesentlich risikobehafteter ist da schon die zweite Variante des Akzenta-Geschäftsmodells, die so genannte Duplex-Umsatzbeteiligung: Die Interessenten zahlen einmalig zwischen 500 und 2 750 Euro an die Akzenta. Dafür werden sie am Umsatz der Gesellschaft beteiligt. Und die Renditen, die den Interessenten versprochen werden, sind enorm: Die fünf angebotenen Varianten stellen innerhalb von sechs bis sieben Jahren Ausschüttungen zwischen 5 000 und 30 000 Euro in Aussicht. Für sämtliche Beteiligungen gelte, dass „mindestens 72 Prozent aller Umsätze ... 14-tägig ausgeschüttet“ würden, heißt es.

Da kommen Zweifel auf, ob die Gesellschaft ihre Prognosen aufrechterhalten kann. Denn womit die Umsätze erzielt werden und woher die versprochenen Renditen kommen sollen, erklärt die Akzenta nicht. Die Gesellschaft merkt lediglich an, dass die Einnahmen sämtlicher Geschäftstätigkeiten in die Beteiligungen fließe. Rund 60 000 Verträge will sie bis Mai 2002 bereits abgeschlossen und dabei 25 Millionen Euro ausgezahlt haben.

Nicht nur Bernhard H. vermutet, dass es sich insbesondere bei der Duplex-Umsatzbeteiligung um ein Schneeballsystem handeln könnte. Auch Verbraucherschützer und Finanztest warnen seit Jahren vor der wundersamen Geldvermehrung der Akzenta. Schneeballsysteme finanzieren die Ausschüttungen für die Altanleger mit den Einzahlungen von Neukunden. Deshalb können sie nur so lange funktionieren, wie die Zahl der Käufer überproportional wächst. Akzenta bestreitet, ein Schneeballsystem zu betreiben.

Zumindest im Kleingedruckten weist die Gesellschaft in ihren Informationsbroschüren darauf hin, dass die prognostizierten Auszahlungen nicht garantiert werden können. Und zur Duplex heißt es sogar fett gedruckt: „Erzielt die Akzenta AG keine Umsätze, darauf weisen wir ausdrücklich hin, wird der investierte Betrag nicht zurückerstattet.“

Angesichts dieses Rettungsankers für die Verantwortlichen, der Undurchsichtigkeit des Geschäftsmodells und der enorm hohen Rendi­teversprechungen kann Finanztest von einer Investition bei der Akzenta AG nur abraten. Gerade bei der Duplex-Umsatzbeteiligung scheint die Gefahr groß zu sein, dass bei ausbleiben­der neuer Kundschaft die versprochenen Ausschüttungen nicht mehr bezahlt werden können und dass die Investoren ihr eingezahltes Geld nie wiedersehen werden.

Oliver Braun, Alexander und Ulrich Chmiel wollen die Duplex-Umsatzbeteiligung nun nicht mehr im Zentrum der Unternehmensaktivitäten wissen: Sie sei ein Akquiseinstrument, „dessen Bedeutung in den nächsten fünf bis zehn Jahren kontinuierlich abnehmen wird“, lässt sich Ulrich Chmiel von der PR-Agentur Northoff Communication zitieren, die die Geschäfte der Akzenta in der Öffentlichkeit vertritt.

Doch das dürfte die Anleger, die Verträge mit der Akzenta abgeschlossen haben oder innerhalb dieses Zeitraums noch abschließen werden, wohl kaum trösten – falls sie ihr investiertes Geld nicht wiedersehen sollten.

Unerlaubte Bankgeschäfte

Ein Versuch, die Duplex aus dem Kreuzfeuer der Kritik zu nehmen, war die Offerte der so genannten Secuplex-Umsatzbeteiligung, die die Akzenta bis zum März des laufenden Jahres als ­Alternative zur Duplex anbot.

Der Secuplex lag ein ähnliches Konzept wie der Duplex zugrunde, mit dem Unterschied, dass Akzenta die Ausschüttungen an die Anleger garantierte. Das rief das Bundesaufsichtsamt für ­Finanzdienstleistungen auf den Plan: Das BAFin verbot die Secuplex, da ein solches Einlagengeschäft nur mit Erlaubnis des Bundesaufsichtsamtes betrieben werden darf. Und die hatte die Akzenta nicht.

Zudem versucht die Akzenta derzeit, mit Unternehmensbeteiligungen „einen kontinuierlich steigenden Absatz der Akzenta-Umsatzbe­teiligung zu sichern“, wie es in einer Pressemitteilung heißt: Ein Schnäppchen sollte zum Beispiel die Beteiligung an der Gontard & Metallbank werden: Für 1 Millionen Euro erwarb Akzenta rund 2 Prozent der Aktien der Firma. Doch die müssen wohl komplett abgeschrieben werden: Das Frankfurter Kreditinstitut stellte im Mai dieses Jahres einen Antrag auf Insolvenz.

Verstärkt einsteigen will die Gesellschaft nach eigenem Bekunden in das Veranstaltungsmanagement. Dafür kauf­te sie sich zu 49 Prozent beim Kongressdienstleister Proske Reisen & Organisation GmbH ein, der vor allem Veranstaltungen mit medizinischem Hintergrund organisiert. So managte er zum Beispiel eine Seminarreihe zu „Bloodless Health Care“, blutloser Gesundheitspflege. Die Veranstaltungen, die Proske anbietet, sollen nun mit der Akzenta-Umsatzbeteiligung gekoppelt werden. Ein Sprecher der Northoff Communication wollte auf Nachfrage nicht ausschließen, dass auf den Veranstaltungen auch unter den jeweiligen Teilnehmern Werbung für die Umsatzbeteiligung gemacht werde.

So will die Akzenta also von der ­Zusammenarbeit mit Veranstaltungsmanagern profitieren, da sie im besten Falle mit seriösen Partnern kooperiert, die ihre Leistungen mit der Umsatzbeteiligung koppeln. Zudem kann sie den Kundenstamm der Unternehmen – und ihren Namen – als Pool nutzen, um weitere Privatkunden zu werben.

Die Skepsis bleibt

Das verschafft der Gesellschaft ein weiteres Standbein beim Gewinn neuer Kunden. Bislang setzte sie dazu vor allem auf ihr weit reichendes Netz an „Aktivpartnern“: Laut Firmenangaben sollen bundesweit 1 500 Zwischenhändler tätig sein, die Akzenta-Beteiligungen vertreiben. Die Akzenta verweist darauf, ihre „Aktivpartner“ zu schulen und zu kontrollieren. Doch das scheint nicht immer zu funktionieren: So berichtete zum Beispiel der Branchendienst Gerlach-Report über Werbemaßnahmen der Vertriebspartner, die falsche Angaben zu den Unternehmensangeboten verbreiteten.

Auch deshalb bleibt die Skepsis am Akzenta-Modell bestehen. Allerdings sind Versuche, die Akzenta auf juristischem Wege zu stoppen, gescheitert: Die Staatsanwaltschaft Traunstein zum Beispiel lehnte die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen die Führungscrew der Akzenta ab. Begründung: Da die Zahlungen in den Verträgen nicht garantiert würden, liege keine Täuschung vor.­

Dieser Artikel ist hilfreich. 733 Nutzer finden das hilfreich.