Umgang mit psychisch Kranken: Anzeichen erkennen, recht­zeitig unterstützen

Hilfe für Angehörige psychisch Kranker: Die Last der Helfer

Ist ein Familien­mitglied psychisch krank, belastet das auch Eltern und Geschwister sehr. Hier zeigen wir, wie sie sich davor schützen können, selbst zu erkranken.

Eltern oder Geschwister sind Mit-Leidtragende

Umgang mit psychisch Kranken - Anzeichen erkennen, recht­zeitig unterstützen

Auszeit. Angehörige sollten sich ausreichend Frei­zeit gönnen.

Bevor Betroffene einer psychischen Erkrankung professionelle Hilfe zur Behand­lung ihrer Beschwerden in Anspruch nehmen, erleben Partner, Kinder, Eltern oder Geschwister die Auswirkungen der Erkrankung – etwa einer Angst­störung, Depression oder Psychose – haut­nah mit. Dennoch spielen Angehörige psychisch Erkrankter in der Gesund­heits­versorgung kaum eine Rolle.

Angehörige galten lange als Mitver­ursacher

„Noch vor 20 Jahren galten Angehörige sogar als schwere Komplikation in der Behand­lung, bei manchen Erkrankungen als Mitver­ursacher“, sagt der Psychiater Norbert Mönter. Er ist Mitglied im Beirat des Landes­verbands Angehörige psychisch Kranker Berlin. Heute wisse man, dass das großer Unsinn sei.

Studien hätten sogar gezeigt: Angehörige, die gut über die Erkrankung aufgeklärt werden, können allein durch ihre alltägliche Hilfe das Risiko für eine neue Krank­heits­phase erheblich reduzieren, hebt Mönter hervor. Viele Kliniken bieten Informations­ver­anstaltungen für Angehörige an. In der Psycho­edukation lernen sie Ursachen und Auswirkungen der Erkrankung kennen.

Hilfe für Angehörige psychisch Kranker

Angehörige sollen Sicherheit im Umgang mit den Betroffenen bekommen. „Diese Informationen nehmen ihnen viel Last von den Schultern. Angehörige verstehen so besser, warum ihr Familien­mitglied sich in bestimmter Art verhält und dass sie dafür nicht verantwort­lich sind“, sagt der Psychiater Andreas Bechdolf, Chef­arzt der Berliner Vivantes Kliniken für Psychiatrie, Psycho­therapie und Psycho­somatik.

Krisenplan gemein­sam erstellen

Am Ende einer stationären Behand­lung besprechen er und seine Kollegen gemein­sam mit Patient und Angehörigen, wie es weitergeht. Sie erstellen einen Krisenplan. Sie halten fest, woran sie erkennen, dass Symptome wieder­kehren und was dann zu tun ist. Hier hat sich viel getan.

nach oben

Etwa jeder zweite Angehörige wird selbst krank

Viele Angehörige engagieren sich so stark für ihr Familien­mitglied, dass sie ihre eigene Gesundheit aus den Augen verlieren. Sie erkranken selbst psychisch oder sind anfäl­liger für körperliche Beschwerden wie Blut­hoch­druck.

Experten schätzen: 40 bis 60 Prozent aller Angehörigen eines psychisch Kranken haben durch die Belastung selbst Krankheiten entwickelt. Unter­suchungen haben ergeben, dass jeder zweite Lebens­gefährte eines depressiv Erkrankten nach einiger Zeit selbst depressive Symptome zeigt.

Angehörige müssen Kraft tanken

„Sorgen Sie gut für sich selbst!“, rät der Bundes­verband für Angehörige psychisch Kranker. Er mahnt Helfer dazu, sorg­sam mit ihren Kräften umzu­gehen, Kontakte zu anderen und Frei­zeit­aktivitäten zu pflegen. Sonst wird das Leid des anderen zum eigenen.

Schuldgefühl verschlimmert Situation

„Angehöriger sein sollte nicht zum Beruf werden“, sagt Psychiater Mönter. Sich Frei­zeit gönnen, in eine Selbst­hilfegruppe gehen, sich beraten lassen oder die eigene Situation mit einem Psycho­logen oder Psychiater durch­sprechen, auch mal zur Kur fahren, wenn die Kraft nach­lässt: Das empfiehlt er zum Ausgleich und zur Entlastung.

nach oben

Dieser Artikel ist hilfreich. 80 Nutzer finden das hilfreich.