Steuererklärung machen, Bescheid prüfen, Einspruch einlegen – ab und an müssen Steuerzahler mit ihrem Sach­bearbeiter im Finanz­amt Kontakt aufnehmen. Das ist oft mühselig, in manchen Fällen auch für die Finanz­beamten. Die sind schließ­lich auch nur Menschen. Wir haben einige von ihnen gefragt, welches Verhalten von Steuerzah­lern besonders nervt. Hier unsere Top 10 für Ihre Not-To-Do-List.

1. Unsortierte Belege lose mit der Erklärung einreichen

Umgang mit dem Finanz­amt Special

Schön Ordnung halten: Sach­bearbeiter schlagen sich ungern mit unsortierten Belegen rum.

Aus manchen Brief­umschlägen flattern Beamten Lose­blatt­samm­lungen entgegen. Wer Belege unsortiert als Zettelwust abschickt, kann mit einem genervten Bearbeiter rechnen. Für eine schnelle Beleg­prüfung sollten Sie Rechnungen, Konto­auszüge und Nach­weise in die richtige Reihen­folge bringen. Wenn Sie alle Belege zusätzlich zusammen­heften und drauf­schreiben, welche zu welchem Formular gehören, sammeln Sie beim Sach­bearbeiter Plus­punkte.

2. An die Steuerformulare getackerte Belege

Steuererklärungen auf Papier werden nach dem Eingang im Amt gescannt, um sie zur Bearbeitung am Computer auszulesen. Damit die Formulare durch den Scanner laufen können, müssen sie frei von Büroklammern und Tackernadeln sein. Gut, wenn Sie Belege sortiert einreichen. Aber verzichten Sie darauf, Formulare und Belege zu mischen und aneinander zu tackern. So ersparen Sie Ihrem Bearbeiter eine zeitraubende Bastelstunde.

3. Unnötig ausgefüllte Zeilen und durch­gestrichene Formulare

Nach dem Scannen durch­läuft jede Steuererklärung eine auto­matische elektronische Plausibilitäts­prüfung. Kann das Programm Eingaben nicht nach­voll­ziehen, landet die Erklärung mit Fehler­hinweisen auf dem Schreibtisch Ihres Bearbeiters. Das passiert zum Beispiel mit den Steuererklärungen, in denen ungenutzte Seiten durch­gestrichen sind oder Felder mit Nullen aufgefüllt wurden. Jede über­flüssige Null provoziert einen Fehler­hinweis, bei durch­gestrichenen Seiten streikt der Scanner völlig. Das bedeutet mehr Arbeit für die Beamten. Sie müssen alle Ihre Angaben per Hand ins System eingeben. Bei dem zusätzlichen Aufwand gucken sie dann gerne doppelt hin und prüfen auch den Rest der Erklärung genau. Lassen Sie ungenutzte Seiten und Felder einfach leer.

4. Verdreckte und stinkende Steuererklärungen

Umgang mit dem Finanz­amt Special

Bitte nicht kleckern! Vom Essen verdreckte Unterlagen finden Finanz­beamte nicht lecker.

Manchmal kostet es richtig Nerven, eine Steuererklärung auszufüllen. Einige Steuerzahler greifen dabei zu Schokolade, Kaffee oder Kippe als Unterstüt­zung. Erklärungen, die wie ein Aschenbecher riechen oder mit Ihrem Mittag­essen verklebt sind, hält kein Bearbeiter gerne in den Händen. Gönnen Sie sich ruhig Nerven­nahrung, nur bitte anderswo.

5. Erklärungen ohne Bank­verbindung und Unter­schrift

Fehlen notwendige Angaben in der Steuererklärung, nervt das Ihren Sach­bearbeiter. Er kann Ihre Steuer­akte dann nämlich nicht schließen und muss die ganze Erklärung an Sie zurück­schi­cken. Das verzögert die Bearbeitung – und Sie warten noch länger auf Ihren Bescheid. Wichtig: Ihre Steuererklärung ist erst mit der Unter­schrift auf der letzten Seite des Mantelbogens gültig. Ehepartner, die eine gemein­same Erklärung abgeben, müssen zwingend beide unter­schreiben. Eine gültige Bank­verbindung braucht das Finanz­amt auch, zum Beispiel, um Ihnen eine Steuererstattung auszahlen zu können.

6. Absurde Kosten abrechnen und Beamte hinters Licht führen

Umgang mit dem Finanz­amt Special

Feiern mit Freunden und Kollegen: Rechnungen für Privatvergnügen finden Bearbeiter nicht lustig.

Es ist Ihr gutes Recht, alle legalen Möglich­keiten auszuschöpfen, um Ihre Steuerlast zu senken. Für manch einen wird Steuern­sparen aber regelrecht zum Sport. Wer Ausgaben geltend macht, die eindeutig dem Privatvergnügen dienen, fliegt meist auf: Die Feier zum runden Geburts­tag oder die Schön­heits­operation sind in der Regel keine abzugs­fähigen Ausgaben und gehören nicht in die Erklärung. Auch privat veranlasste Klecker­beträge können Ihrem Sach­bearbeiter negativ auffallen: Die Hand­yrechnung der Tochter oder die Quittung vom neuesten Kriminal­roman sind ebenfalls nicht absetz­bar. Kein Beamter lässt sich gerne für dumm verkaufen.

7. Drängeln bei der Bearbeitung Ihrer Erklärung

Ihr Steuer­bescheid liegt nach Wochen immer noch nicht im Brief­kasten? Gerade nach dem 31. Mai stapeln sich die Erklärungen im Amt, sie werden in der Reihen­folge ihres Eingangs­datums bearbeitet. Drängelnde Steuerzahler, denen die Warte­zeit auf ihren Bescheid zu lang wird, mögen Beamte nicht. Zerren Sie nicht an den Nerven Ihres Bearbeiters und legen Sie den Hörer wieder auf.

8. Steu­erspartipps am Telefon einfordern

Umgang mit dem Finanz­amt Special

Wenn der Steuerzahler zweimal klingelt: Ein Anruf beim Finanz­beamten beschleunigt nicht die Bearbeitung der Erklärung.

Die Finanz­ämter sollen sich zu Behörden entwickeln, bei denen der Service­gedanke im Vordergrund steht. Dennoch sind Finanz­beamte keine Berater, die beim Ausfüllen Ihrer Erklärung und beim Steu­ersparen helfen. Das ist ihnen nach Paragraf 5 des Steuerberatungs­gesetzes sogar verboten.

Mitarbeiter der Finanz­verwaltung dürfen nur bei grund­legenden Fragen weiterhelfen, etwa wenn Sie wissen wollen, welche Anlagen Sie für Ihre Erklärung benötigen. Beamte, die darüber hinaus­gehend Tipps geben, mit welchen Eintragungen Sie am meisten Steuern sparen, leisten „unbe­fugte Hilfe­leistung in Steuersachen“. Das kann als Ordnungs­widrigkeit bestraft werden. Bringen Sie Ihren Sach­bearbeiter besser nicht mit solchen Fragen in Schwierig­keiten. Umfang­reiche Hilfe in Steuer­angelegenheiten bieten Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine, Finanztest 3/2017.

Unser Tipp: Mit dem Finanztest Spezial Steuern 2017 meistern Sie Ihre Steuererklärung für das Jahr 2016 ganz leicht: mit Steuertipps für jede Lebens­lage und praktischen Formularen zum Heraus­trennen!

9. Dem Finanz­amt unnötige Besuche abstatten

Ob Hoch­zeit, Nach­wuchs oder ein neues Heim – ändern sich Ihre Lebens­verhält­nisse, wirkt sich das häufig steuerlich aus. Doch nicht für jede Angelegenheit ist die Vorsprache im Finanz­amt notwendig. Die digitale Vernetzung von Verwaltung und Behörden schreitet voran. Wenn Sie zum Beispiel heiraten, können Sie beim Standes­amt erfragen, ob und wie die Behörde das für Sie beim Finanz­amt meldet. Auch von einem Umzug erfährt das Finanz­amt auto­matisch, sofern Sie sich im neuen Wohn­ort anmelden. Die Finanz­ämter können auf die Melde­daten vom Bund zugreifen. Oft reicht es auch, das Finanz­amt mit der nächsten Steuererklärung über geänderte Lebens­verhält­nisse zu informieren. So sparen Sie sich Behördengänge und den Beamten Arbeit.

10. Sich an die falsche Behörde wenden

Gehen Sie bei behördlichen Angelegenheiten zur richtigen Stelle. Das Finanz­amt setzt Ihre Steuern fest. Es ist aber nicht auto­matisch für alle Ihre finanziellen Angelegenheiten zuständig. Kinder­geld beantragen Sie bei der Familien­kasse, Arbeits­losengeld gibt es bei der Bundes­agentur für Arbeit. Die Kfz-Steuer treibt seit 2014 die Zoll­verwaltung ein. Der Rund­funk­beitrag ist übrigens keine Steuer, sondern eine zweck­gebundene Pflicht­abgabe, für die die GEZ zuständig ist.

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