Waffen und Rüstung haben bei ethisch-ökologischen Geld­anlagen nichts zu suchen. Darüber sind sich viele Befragte einig. Ansonsten haben sie aber sehr unterschiedliche Vorstel­lungen davon, was ihnen bei dem Thema wichtig ist. Das ergab die erste umfassende Umfrage zu den inhalt­lichen Erwartungen der Anleger bei ethisch-ökologischen Geld­anlagen. Stiftung Warentest und die Verbraucherzentrale Bremen haben sie in Auftrag gegeben.

Wenig über Prioritäten der Bürger bekannt

Banken und Finanz­dienst­leister mit ethisch-ökologischen Geld­anlagen erklären in der Regel mehr oder weniger ausführ­lich, nach welchen Kriterien sie zum Beispiel Anleihen und Aktien für Investmentfonds auswählen oder warum sie bestimmte Unternehmen mit Krediten fördern. Die Auswahl­kriterien von Banken mit ethisch-ökologischen Spar­angeboten präsentiert test.de im Produktfinder Ethisch-ökologische Geldanlage. Die Anbieter gehen oft von ihren eigenen Wert­vorstel­lungen aus. Institute mit christlichem Hintergrund legen zum Beispiel andere Maßstäbe an als solche mit anthroposophischen oder ökologischen Wurzeln. Weit weniger bekannt ist, welche Prioritäten ihre potenziellen oder tatsäch­lichen Kunden haben.

Interesse unter Befragten im Westen höher als im Osten

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Interesse an ethisch-ökologischen Geld­anlagen.

In einer Umfrage gaben Bundes­bürger darüber Auskunft, welche Kriterien ihnen bei ethisch-ökologischen Geld­anlagen besonders wichtig sind, also zum Beispiel welche Unter­nehmens­branchen grund­sätzlich ausgeschlossen werden und welche unbe­dingt dazu gehören sollten. Sie konnten dabei sowohl selbst Kriterien nennen als auch aus Vorschlags­listen auswählen. Das Meinungs­forschungs­institut Forsa hat vom 6. bis 15. November 2013 im Auftrag von Stiftung Warentest und der Verbraucherzentrale Bremen 1 014 Personen befragt, die darüber entscheiden, wie in ihrem Haushalt finanzielle Angelegenheiten geregelt werden. Nur jeder Zwanzigste von ihnen hat demnach schon Erfahrungen mit ethisch-ökologischen Geld­anlagen gemacht. Knapp ein Drittel der Befragten, die noch keine solchen Geld­anlagen besitzen, hat aber generell Interesse. Bei Teilnehmern, die im Osten der Bundes­republik wohnen, ist das aber nur bei etwa jedem Fünften der Fall. Auch Befragte über 60 Jahre konnten sich weniger dafür erwärmen als jüngere. Generell waren die Teilnehmer dem Thema umso eher zugeneigt, je höher ihr Bildungs­abschluss war.

Ethik schlägt Ökologie

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Priorität: Ethische oder ökologische Aspekte.

Als sich die Befragten entscheiden sollten, was für sie grund­sätzlich wichtiger ist, zog fast die Hälfte ethische Aspekte ökologischen Belangen vor. Das galt unabhängig vom Alter, dem Geschlecht, dem Bildungs­grad und der Region. Nur einem guten Viertel der Teilnehmer waren ökologische Belange wichtiger. Ein weiteres Viertel konnte sich nicht zwischen den beiden Alternativen entscheiden. Bisher haben Anbieter ethische und ökologische Belange sehr unterschiedlich umge­setzt. Sie legten zahlreiche Angebote auf, die bereits auf den ersten Blick als Öko-Investments zu erkennen waren, zum Beispiel im Bereich erneuer­bare Energien. Ethische Aspekte setzten sie eher um, in dem sie bestimmte Praktiken oder Branchen ausschlossen, etwa Spekulation mit Nahrungs­mitteln oder Streumunition. Fonds und andere Anlagen mit einem Schwer­punkt auf ethische Investments wie Armuts­bekämpfung oder Bildung, standen weniger im Fokus.

Waffen und Kinder­arbeit gehen gar nicht

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Auszuschließende Branchen/Bereiche.

Bei den Fragen nach den konkreten Kriterien konnten die Befragten zunächst ohne Vorgaben antworten. Danach konnten sie Vorschläge aus Listen wählen; bis zu einem Drittel der vorgeschlagenen Antworten durften ange­kreuzt werden. Unabhängig von der Art der Befragungs­methode kristallisierte sich dabei eine Branche heraus, in die nach Ansicht der Befragten auf keinen Fall Geld fließen soll: die Waffen- und Rüstungs­industrie. Aber auch klassische Laster wie Glücks­spiel, Pornografie, Alkohol und Tabak stießen auf wenig Gegen­liebe, ebenso wie Atom­kraft, industrielle Tierhaltung und Gentechnik in der Land­wirt­schaft. Bemerkens­wert: Auch die Finanz­dienst­leister schafften es in die Top Ten der Branchen, in die kein Geld aus ethisch-ökologischer Geld­anlage fließen soll. Sie schoben sich damit sogar vor Erdöl und Chemie, zwei Branchen, über die oft kritisch aus ethischer und ökologischer Sicht berichtet wird. Bei spontaner Nennung fanden die Teilnehmer darüber hinaus ausbeuterische Kinder­arbeit, Menschen- und Arbeits­rechts­verletzungen sowie eine unzu­reichende Umwelt- und Klima­schutz­politik besonders wenig akzeptabel.

Hilfs­bedürftige und Bildungs­hung­rige unterstützen

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Auswahl­kriterien Branchen/Bereiche.

Auf die Frage nach Bereichen und Branchen, in die auf alle Fälle Geld fließen sollte, nannten die Teilnehmer am häufigsten Klima- und Umwelt­schutz, wenn sie keine Vorgaben bekamen. Als sie sich unter den Vorschlägen einer Liste entscheiden sollten, setzten sie dagegen die Armuts­bekämpfung nach ganz vorne. Auf die Plätze gleich dahinter setzten sie Krankenhäuser und Pfle­geeinrichtungen und Bildung. Ökologische Themen folgen ab Rang vier mit erneuer­baren Energien, ökologischer Land­wirt­schaft und nach­haltiger Forst­wirt­schaft. Krankenhäuser und Pfle­geeinrichtungen galten bislang nicht als ein Schwer­punkt­thema ethisch-ökologischer Investments. Die Anbieter solcher Anlagen, etwa die Emissions­häuser geschlossener Fonds, argumentierten eher mit wirt­schaftlichen Faktoren, etwa dem wachsenden Markt durch die Über­alterung der Gesell­schaft.

Gute Arbeits­bedingungen stehen hoch im Kurs

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Auswahl­kriterien Unternehmen/Verhaltens­weisen.

Unabhängig von der Branche konnten Unternehmen aber auch bei den Befragten punkten, wenn sie gute Arbeits­bedingungen und faire Einkommen bieten. Zwei Drittel der Teilnehmer wählten diesen Punkt und setzten ihn damit unangefochten an die Spitze der geforderten Verhaltens­weisen. Neben der Schaffung von Arbeits­plätzen honorierten sie es, wenn Unternehmen Ressourcen und Energie effizient nutzen, umwelt­freundliche Produkte herstellen oder solche Technologien nutzen und Schad­stoffe verringern. Nicht als unbe­dingt erforderlich betrachteten sie dagegen einen guten Umgang mit Kunden, die Einhaltung des Daten­schutzes oder den Verzicht auf irreführende Werbung.

Vorreiter wählen, nicht Schmutzfinken ausschließen

In der Praxis kombinieren Fonds­manager von ethisch-ökologischen Investmentfonds oder Bank­mit­arbeiter, die Kredite vergeben, in der Regel zwei Ansätze. Sie haben feste Listen von Negativ- oder Positivmerkmalen, die sie auf jeden Fall ausschließen oder fördern wollen. In Bereichen, die nicht von vorneherein gestrichen werden, suchen sie nach den jeweils vorbild­lichsten Unternehmen oder Staaten. Sie kaufen dann zum Beispiel die Aktien des umwelt­freundlichsten aller Ölkonzerne oder Staats­anleihen des Landes, das Klima­schutz­ziele besonders eifrig verfolgt. Sie hoffen, auf diese Weise das gewünschte Verhalten zu fördern. Diesen Ansatz finden viele Umfragen­teilnehmer sogar besser als den strengen Ausschluss ganzer Branchen. Fast die Hälfte der Befragten favorisierte die Auswahl der vorbild­lichsten Unternehmen einer Branche. Nur ein gutes Drittel befür­wortete einen strengen Ansatz, der Investments aus umstrittenen Bereichen generell ausschließt. Der Rest mochte sich nicht zwischen den beiden Ansätzen entscheiden. Die unter Dreißigjäh­rigen und diejenigen mit hohen Bildungs­abschlüssen mochten sich dabei weniger auf Kompromisse einlassen als die anderen Teilnehmer und entschieden sich häufiger dafür, ganze Branchen auszuschließen.

Manche wollen sozialen Erwartungen entsprechen

Geht es um Fragen von Ethik und Moral, antworten Befragte manchmal aber nicht so, wie sie wirk­lich denken, sondern so, wie sie glauben, dass es gesell­schaftlich akzeptabel ist. Durch Kontroll­fragen versuchen Sozialwissenschaftler heraus­zufinden, welche Teilnehmer besonders dazu neigen. Bei einem großen Teil der Teilnehmer dieser Umfrage kann von einer Beein­flussung durch sozial erwünschtes Antwort­verhalten ausgegangen werden. Im Kern änderten sich die Ergeb­nisse der Umfrage aber auch dann nicht, wenn die Antworten dieser Teilnehmer aus der Auswertung heraus­genommen werden. Es gibt dann zwar tendenziell geringere Prozentsätze bei jeder Antwort­möglich­keit, die Rang­folge der wichtigsten Aspekte für die Geld­anlage, also welche Merkmale gefördert und welche ausgeschlossen werden sollten, ändert sich aber nur wenig.

Zur Methodik

Das Meinungs­forschungs­institut Forsa hat 1 014 Personen befragt, die in ihrem Haushalt über Finanzen entscheiden. Sie wurden von Forsa per Zufall aus einer hinsicht­lich Alter, Geschlecht und Region repräsentativen Gruppe („Panel“) ausgewählt und unter zusätzlicher Berück­sichtigung des Kriteriums formale Bildung gewichtet.

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