Umfrage Zahnersatz Test

Nie war er so wertvoll wie heute, doch wie zufrieden sind Patienten mit ihrem Zahnersatz? Wurden sie gut beraten, sitzt er gut? Hat sich Zahnersatz aus dem Ausland gelohnt, kann auch zuhause gespart werden? Eine Umfrage gibt Einblicke.

Genau 32 Zähne hat der Mensch. Wer sein „naturgesundes Gebiss“ lange behalten will, muss Karius und Baktus auf Distanz halten und mit penibler Mundhygiene einer Entzündung des Zahnhalteapparats vorbeugen. Doch pro Jahr werden in Deutschland etwa 13 Millionen Zähne gezogen. Den 35- bis 44-Jährigen fehlen bereits 2 bis 3 Zähne, den 55-Jährigen etwa 9, zehn Jahre später sind es schon 12 bis 15 und jenseits der siebzig im Schnitt 20 fehlende Zähne – und mehr.

Die hierzulande auf dem Kopf stehende Alterspyramide sorgt dafür, dass den professionellen Zahnziehern und Gebissreparateuren die Arbeit so schnell nicht ausgeht.

Statt die natürlichen Unikate nachhaltig zu pflegen, greifen viele Menschen für neue Zähne früher oder später tief in die Tasche. Noch nie waren Kronen, Brücken, Implantate so wertvoll wie in Zeiten der Festzuschüsse. Von den Krankenkassen definierte „Extras“, dazu privatzahnärztliche Abrechnungen mit Steigerungssätzen fürs Zahnarzthonorar bis zum 3,5-Fachen (oder mehr) gehen meist sehr ins Geld.

Teure Versorgungen

Umfrage Zahnersatz Test

Hohe Kosten fallen vor allem dann an, wenn große Lücken mit festsitzendem Zahnersatz geschlossen werden sollen. Kein Wunder, dass sich Zahnpatienten bei den „Dritten“ im In- und Ausland zunehmend auf die Suche nach Qualität zum günstigen Preis begeben. Wir haben uns nach den Erfahrungen unserer Leser erkundigt – über den elektronischen Newsletter und das Internetportal der Stiftung Warentest. Wir wollten wissen, wie sie beim Zahnarzt beraten wurden und ob sie mit der zahnärztlichen Leistung zufrieden sind. Rund 1 100 Leser ließen sich auf den Zahn fühlen und gaben Auskunft. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Ein Zahnarztwechsel wird oft mit Unzufriedenheit über die Behandlung und hohe Rechnungen begründet.
  • Auch in der örtlichen Umgebung gibt es günstige Versorgungsmöglichkeiten.
  • Zahnärzte bieten schon mal von sich aus günstigen Zahnersatz an, auch aus Fernost.
  • Über die Versorgung mit neuen Zähnen im Ausland wurde eher selten berichtet („Letztlich entstehen die gleichen Kosten “).
  • In etlichen Praxen werden Finanzierungshilfen angeboten (siehe „Finanzierungshilfen“).

Meist nicht gut informiert gefühlt

Umfrage Zahnersatz Test

Der Informationsstand ist aber lückenhaft. Längst nicht alle Patienten nutzen die verschiedenen Möglichkeiten: So hat sich fast jeder zweite Befragte (42 Prozent) nur bei seinem Zahnarzt über Zahnersatz informiert („Ich vertraue meinem Zahnarzt“). Weitere Quellen: das Internet, Zeitschriften, Zeitungen, die Kasse oder Krankenversicherung, Bekannte, Verwandte, andere Zahnärzte, ­Bücher, Sonderhefte. Auch Zahnarztportale werden genutzt oder Internetagenturen, die (zahn)ärztliche Versorgungen vermitteln (siehe Test Auktionsportale für Zahnersatz). Aber: Nur jeder Dritte fühlte sich über die Versorgungsmöglichkeiten wirklich gut informiert (siehe auch Grafik).

Tipp: Stellen Sie sich vor der Entscheidung für eine bestimmte Versorgung mit Zahnersatz zunächst folgende Fragen: Was kann und will ich mir finanziell leisten? Welche Arten der Versorgung kann ich wählen? Wie haltbar und ästhetisch sind die verschiedenen Lösungen? Von wem lasse ich es machen? Antworten finden Sie zum Beispiel im Internet, bei den Kassenzahnärztlichen Vereinigungen, bei den Zahnärztekammern, den Beratungsstellen der Krankenkassen oder auch unter www.test.de.

Die Zahnärzte, so berichten unsere Leser in der Umfrage, haben oft wichtige Entscheidungskriterien für eine Versorgung mit Zahnersatz angesprochen wie die Kosten, Ästhetik, Haltbarkeit oder den zeitlichen und fachlichen Aufwand.

Tipp: Wenn Sie beim Zahnarzt keine Informationen zu diesen Entscheidungskriterien erhalten, sollten Sie diese Punkte stets selbst ansprechen und auch nach Garantie und Gewährleistung fragen.

Zweitmeinung sinnvoll

Eine wichtige Voraussetzung für eine Entscheidung ist die Zweitmeinung. Immerhin: 20 Prozent der Umfrageteilnehmer sind vor ihrer Entscheidung für eine bestimmte Behandlung zu mehreren Zahnärzten gegangen. Eine zweite Meinung einzuholen, ist bei Zahnersatz also schon durchaus üblich und allemal sinnvoll (siehe „Tipps“). Denn die Vorschläge der Zahnärzte zur Behandlung und zu den Kosten haben sich in mehr als jedem zweiten Fall unterschieden. Zum Beispiel kann man eine beidseitige Lücke mit einer Modellgussprothese, mit Brücken oder Implantaten versorgen. Bei der Modellgussprothese gibt es eine Vielzahl von Konstruktionen, wie Geschiebeverankerung, Teleskopkronen, Druckknopfanker. Eine Brücke kann vollständig aus Metall bestehen, teilweise oder vollständig mit Keramik oder Kunststoff verblendet sein oder aus Keramik bestehen.

Angebote aus Fernost

Elf Prozent der Befragten wurde ein im Ausland gefertigter Zahnersatz angeboten. Solch ein Zahnersatz stammt oft von den Philippinen oder aus Thailand. In Einzelfällen haben Patienten solche Möglichkeiten selbst im Internet recherchiert und den Zahnarzt darauf aufmerksam gemacht. Kritik an der Qualität des Zahnersatzes aus fernen Labors gab es bei der Umfrage nicht. Es handelt sich also bei den Arbeiten offenbar nicht um billige „Lückenbüßer“, sondern um Fertigungen nach üblichen Standards.

Nicht immer deutlich preiswerter

Allerdings war ausländischer Zahnersatz nicht immer günstiger als ein Angebot aus deutscher Fertigung, sondern nur in rund zwei Dritteln der Fälle deutlich preiswerter. Dieses Ergebnis verwundert etwas, denn das Geschäftsmodell ist nun mal auf Preisersparnisse angelegt. Ursache könnte sein, dass sich der Preisunterschied bei einer kleinen prothetischen Versorgung (Einzelkrone) nicht so deutlich auswirkt wie zum Beispiel bei einer Komplettversorgung. Denkbar ist auch, dass während der Behandlung weiterer Aufwand und Kosten entstanden sind, die das Zahnarzthonorar und die Technikkosten erhöht haben.

Gab es jedoch einen deutlichen Kos­tenunterschied, so haben rund 40 Prozent der betroffenen Befragten den kosten­güns­tigeren Zahnersatz gewählt. Das heißt aber auch: Trotz des erwarteten Kostenvorteils für ausländischen Zahnersatz haben sich die meisten am Ende doch da­gegen entschieden.

Heil- und Kostenpläne

Patienten, die mehrere Zahnärzte befragten, haben meist auch mehrere Heil- und Kostenpläne erhalten. Insgesamt gaben nur wenige Teilnehmer an, vor der Behandlung keinen solchen Plan bekommen zu haben, obwohl privat zugezahlt werden musste. Legt der Versi­cherte seiner Krankenkasse keinen Heil- und Kostenplan vor, gibt es von ihr auch kein Geld. Dann muss der Patient auf den Festzuschuss verzichten.

Bei den meisten Heil- und Kostenplänen stimmten die aufgeführten Eigenkosten des Patienten in etwa mit der Summe überein, die er später zu zahlen hatte. Allerdings verstand mehr als jeder Vierte den Heil- und Kostenplan nur teilweise oder kaum. Die Zahnpatienten fühlen sich von ihrer Krankenkasse dabei nicht genügend unterstützt. Vermisst wurden erklärende Informationen auch zu dem Teil der Kosten, den Patienten privat zu zahlen haben: „Die Informationslage ist sehr schlecht. Die Kassen prüfen nur, was sie selber zahlen.“

Auswahl des Zahnersatzes

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Es gibt stets mehrere Möglichkeiten, Zahnlücken zu schließen – ebenso bei der Wahl von Kronen, Implantaten und Zubehör, bei der Fertigung von Brücken. Allein auf dem deutschen Markt gibt es zum Beispiel rund 350 Implantatsysteme.

In jedem zweiten Fall entschieden sich die Umfrageteilnehmer für eine Versorgung mit Kronen, gefolgt von Brücken, Implantaten, Inlays und Teilprothesen. Fast alle folgten der Empfehlung des behandelnden Zahnarztes, mit deutlichem Abstand entschieden sie sich für die beste ästhetische Lösung, gefolgt von der haltbarsten.

Eine detaillierte Rechnung und einen Zuschuss von der Kasse erhielt beinahe jeder, eine Garantieerklärung und eine Herkunftsbestätigung über das verwendete Material aber ungefähr nur jeder Vierte.

Tipp: Fordern Sie nach Abschluss der Arbeiten eine Bescheinigung über die verwendeten Materialien. Und lassen Sie sich die Rechnung und die beigefügten Unterlagen erklären. Sie können auch noch bei Ihrer Kasse nachfragen.

Komplikationen bei der Eingliederung

Bei den meisten Patienten verlief die Behandlung ohne Probleme. Komplikationen gab es zwar bei jedem Vierten, sie waren allerdings meist zu beheben. Sechs Prozent der Umfrageteilnehmer berichteten von Problemen, die nicht gelöst wurden oder nicht gelöst werden konnten. Häufig musste der Zahnersatz mehrfach angepasst werden, es kam zu Schäden beim Einsetzen, Teile des Zahnersatzes splitterten ab, Kronen wurden nicht richtig eingepasst oder fielen schon nach kurzer Zeit wieder heraus (siehe auch „Komplikationen“).

Tipp: Ob die neuen Zähne wirklich passen, lässt sich oft erst nach etwas Wartezeit und Gewöhnung beurteilen.

Schiedsstellen kritisiert

Einige der Befragten berichten von Problemen bei der Abrechnung – unter anderem ging es um zuvor vom Zahnarzt nicht genannte Kosten, um doppelte Berechnungen und den Einsatz von anderem als dem vereinbarten Material.

In einigen wenigen Fällen wurden Streitigkeiten mithilfe von Gutachtern und auch vor Gericht ausgetragen. Das Fazit der Umfrageteilnehmer zu diesem Beschwerdeweg ist übrigens einhellig negativ: Keiner dieser Streitfälle konnte zur Zufriedenheit der Patienten beigelegt werden.

Wenig angetan zeigten sich die Befragten im Fall von Komplikationen auch von der Beratung durch die Krankenkasse und bei Streitigkeiten von der Beratung (zahn)­ärztlicher Schiedsstellen. In einigen Beiträgen wird den zahnärztlichen Gutachtern misstraut und eine „neutrale“ Beschwerde­instanz gefordert.

Wirtschaftlichkeit, Angemessenheit

Besonders enttäuscht waren von Streitfällen Betroffene darüber, dass nicht die Qualität der Behandlung und zum Beispiel die individuell erlittenen Schmerzen und Behinderungen bei der Entscheidung von Gutachtern eine Rolle spielten, sondern ausschließlich für die Krankenkassen wichtige Faktoren. Das sind beim Zahnersatz vor allem die Wirtschaftlichkeit und die Angemessenheit der Versorgung.

Tipp: Versu­chen Sie im Vorfeld, ob nicht eine Kulanzre­ge­lung möglich ist. Trotz Kritik sind als weiterer Schritt die zahnärztlichen Schiedsstellen bislang ohne Alternative. Es ist oft besser, sich auf diesem Wege zu einigen als vor Gericht sein Recht zu suchen. Dort können Fälle rasch zur Prestige- und Versicherungssache werden.

Kredit und Zahnzusatzversicherung

Ein Kredit wurde jedem siebten Befragten vom Zahnarzt oder von den zahnärztlichen Abrechnungsstellen angeboten. Jeder Dritte griff zu – Patienten mit Zuzahlungen zwischen 1 500 und 2 000 Euro etwas häufiger als andere. Zum Zeitpunkt der Therapie hatte ein Drittel der Befragten eine private Zahnzusatzversicherung, weitere Verträge wurden inzwischen abgeschlossen. Die meisten der Befragten mit Zusatzversicherung zeigten sich zufrieden, einige erhielten einen höheren Zuschuss als erwartet. In jedem fünften Fall waren die Leistungen geringer als erwartet – manchmal wurde die Zuzahlung verweigert (siehe „Finanzierungshilfen“).

Meist mit dem Zahnarzt zufrieden

Die große Mehrheit der Befragten würde sich erneut in derselben Praxis behandeln lassen. Allerdings haben 40 Prozent in den letzten fünf Jahren den Zahnarzt gewechselt – häufig der Kosten wegen, aus Unzufriedenheit mit der Behandlung oder weil keine Zahnimplantate gesetzt werden. Oder aus ganz praktischen Erwägungen – wer viele Termine beim Zahnarzt hat, dem wird ein kurzer Weg zur Praxis wichtig.

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