Umfrage Weiterbildung Test

Teilnehmer an Weiterbildungsmaßnahmen beurteilen Qualifizierungen, die von der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden, schlechter als nicht-geförderte Kurse. Grundsätzlich steigen aber die Chancen auf eine lohnende Weiterbildung, wenn man sich vor dem Besuch eines Kurses beraten lässt oder eingehend informiert. Das hat eine nicht-repräsentative Umfrage der Stiftung Warentest ergeben.

Die Abteilung Weiterbildungstests der Stiftung Warentest befragte Ende 2003 mittels eines elektronischen Fragebogens Personen, die in den vergangenen drei Jahren einen Weiterbildungskurs besucht oder gerade an einer Qualifizierung teilgenommen haben. Abgerufen werden konnte der Fragebogen über den Newsletter-Dienst der Stiftung Warentest und über Anbieter von Weiterbildungsdatenbanken. Die Befragung der Datenbank-Nutzer erfolgte im Zusammenhang einer Umfrage des Informationsservices Infoweb Weiterbildung.

Hoher Anteil an „Kurs“-Nutzern

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Ziel dieser rein elektronischen, nicht-repräsentativen Umfrage war, die Erwartungen zu erfassen, die Teilnehmer mit Kursen zur beruflichen Weiterbildung verbinden. Außerdem wurden die Teilnehmer gefragt, nach welchen Kriterien sie Kurs sowie Bildungsfirma auswählten und wie zufrieden sie mit den Inhalten, Dozenten und Bedingungen der Qualifizierungen waren. Insgesamt flossen 1 239 ausgefüllte Fragebögen in die Auswertung ein. Dass die Befragung ausschließlich über das Internet stattfand, verdeutlicht auch die Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes, das sich in einigen Bereichen deutlich von den ansonsten üblichen Kräfteverhältnissen in der beruflichen Weiterbildung abhebt: Auffallend, aber nicht überraschend ist zum Beispiel der hohe Anteil an Nutzern der Datenbank „Kurs“ der Bundesagentur für Arbeit (BA), die an der Befragung teilgenommen haben. Hier machte sich die dominierende Marktstellung und Größe von „Kurs“ unter den Weiterbildungsdatenbanken bemerkbar.

Aus diesem Grund liegt der Anteil der bewerteten Kurse, die von den Arbeitsagenturen gefördert wurden, höher als der eigentliche BA-Anteil an der Finanzierung beruflicher Weiterbildung: Bei den ausschließlich von einem Kostenträger finanzierten Kursen entfielen 42 Prozent auf die BA. Demgegenüber wurden 27 Prozent der Kurse allein von den Teilnehmern und 21 Prozent durch die Arbeitgeber bezahlt. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren laut „Berichtssystem Weiterbildung VIII“, einer Repräsentativbefragung im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die damaligen Arbeitsämter bundesweit mit 34 Prozent an der Förderung beruflicher Weiterbildung beteiligt. Aktuellere Daten zur finanziellen Beteiligung der BA an der Förderung der beruflichen Weiterbildung liegen nicht vor; nach den Arbeitsmarktreformen seit Anfang 2003 dürfte der Anteil allerdings deutlich geschrumpft sein.

Arbeitsagenturen häufig schlecht bewertet

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Gerade die von der BA geförderten Qualifizierungen bewerteten die Umfrage-Teilnehmer schlechter als nicht-geförderte Kurse. Die Hauptkritikpunkte: Die Kurse entsprächen teilweise nicht dem Weiterbildungsbedarf der Teilnehmer und förderten die Chancen auf eine Anstellung nur wenig. Häufig würden die fachlichen Voraussetzungen der Lerner nicht berücksichtigt, was bei einigen Teilnehmern zu Motivationsmängeln bis hin zu offen destruktivem Verhalten in den Kursen geführt habe.

Inwieweit dieses Urteil zum jetzigen Zeitpunkt – gut ein Jahr nach Abschluss der Befragung – noch Gültigkeit besitzt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Das hat mit der Einführung des Bildungsgutscheins als Förderinstrument beruflicher Weiterbildungen zu tun: Seit 1. Januar 2003 gibt die BA mit der Ausgabe eines solchen Papiers die schriftliche Zusage, die Kosten für die Teilnahme an einer Weiterbildung oder Umschulung zu übernehmen. Mit dem Gutschein, auf den kein Rechtsanspruch besteht, können Förderberechtigte sich innerhalb von drei Monaten auf eigene Faust eine geeignete Bildungsmaßnahme suchen. Zuvor vermittelten die Arbeitsberater Förderberechtigte direkt in Weiterbildungskurse.

Umfrage-Teilnehmer stellen Kursen gutes Zeugnis aus

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Da an der Befragung alle Personen teilnehmen konnten, die in den vorausgegangenen drei Jahren einen Weiterbildungskurs besucht hatten oder gerade in einer Qualifizierung geschult wurden, flossen sowohl mit als auch ohne Gutschein finanzierte Kurse in die Bewertung ein. Etwa jeder zehnte von der BA geförderte Kursteilnehmer, der in der Umfrage erfasst wurde, hat einen Gutschein erhalten. Die Gutschein-Regelung sollte die Entscheidungsfreiheit der Verbraucher stärken und den Weiterbildungsmarkt übersichtlicher machen – um letztlich die Qualität der Bildungsangebote zu verbessern. Auf der Datenbasis unserer Umfrage lässt sich die Frage aber nicht beantworten, ob sich die Qualität der Bildungsmaßnahmen nach der Einführung des Bildungsgutscheins verbessert hat.

Unter dem Strich stellten die Umfrage-Teilnehmer – unabhängig von der Finanzierungsform der Kurse – den Kursen und Kursanbietern aber ein gutes Zeugnis aus: Immerhin zwei Drittel waren überwiegend zufrieden mit ihrer Weiterbildung. Dabei erhielten die Kurse, deren Inhalte sich nahe an der beruflichen Praxis bewegten und bei denen der Dozent oder Tutoren für Rückfragen zur Verfügung standen, die besten Noten. Umgekehrt senkten die Umfrage-Teilnehmer insbesondere bei Kursen den Daumen, die allzu theorielastig waren. Das lag zum Teil auch an den Dozenten, die sich bei der Gestaltung der Qualifizierungen des öfteren ausschließlich auf die Methode des Frontalunterrichts beschränkten, anstatt auch andere Methoden und Lernformen einzusetzen, um Abwechselung in das Kursgeschehen zu bringen. Negativ fiel auch vielen Teilnehmern auf, dass eine Reihe von Kursen nicht das vermittelte, was ursprünglich vom Veranstalter angekündigt wurde.

Beratungs-Defizite bei Bildungsfirmen und Teilnehmern

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Wer sich vor der Buchung einer Weiterbildungsmaßnahme beraten lässt, verbessert seine Chancen auf einen gewinnbringenden Kurs. Unsere Grafik zeigt, dass die Verbraucher, die sich vorab gut beraten fühlten (Stichwort „Beratung“), hinterher mit dem Kurs zufriedener waren als solche, die ihrer Auffassung nach nicht ausreichend (Stichwort Teilberatung) oder gar nicht (Stichwort „Keine Beratung“) beraten wurden.

Wer sich vor der Buchung einer Weiterbildungsmaßnahme beraten lässt, verbessert seine Chancen auf einen gewinnbringenden Kurs. Unsere Grafik zeigt, dass die Verbraucher, die sich vorab gut beraten fühlten (Stichwort „Beratung“), hinterher mit dem Kurs zufriedener waren als solche, die ihrer Auffassung nach nicht ausreichend (Stichwort Teilberatung) oder gar nicht (Stichwort „Keine Beratung“) beraten wurden.

Die beklagten Defizite zeigen, wie wichtig die Aspekte Information und Beratung bei der Auswahl eines Kurses sind. Das bestätigen auch unsere Ergebnisse: Die Teilnehmer, die vor der Kurswahl vom Bildungsanbieter beraten oder detailliert über Inhalte und Ablauf der Qualifizierung informiert wurden, waren hinterher zufriedener mit der Bildungsmaßnahme. Wer also einen Kurs finden möchte, der inhaltlich genau zu den eigenen Fähigkeiten passt, sollte nicht darauf verzichten, sich beraten zu lassen oder sich genau zu informieren.

In diesem Punkt offenbaren allerdings sowohl Bildungsfirmen als auch Kursteilnehmer Defizite: Nur 53 Prozent der Firmen boten ihren Kunden Beratungen an; und nur etwas mehr als die Hälfte dieser Teilnehmer nutzte diese Möglichkeit. Ähnlich sieht es bei den erteilten Informationen aus: In nur 58 Prozent aller Fälle fühlten sich die Teilnehmer von den Weiterbildungsanbietern im Vorfeld des Kurses ausreichend informiert.

Dass es kein Patentrezept auf der Suche nach einem guten Kurs gibt, zeigen die Antworten auf die Frage nach den Gründen, eine Weiterbildung zu absolvieren: Zu unterschiedlich sind die Motivationen der Umfrage-Teilnehmer. Mit 63 Prozent aller Nennungen war die „allgemeine Erweiterung der beruflichen Kenntnisse“ das am häufigsten genannte Motiv für die Weiterbildungsteilnahme, gefolgt vom „Wunsch nach beruflichem Aufstieg“, „Wunsch nach beruflicher Veränderung“ und „Anpassung an berufliche Veränderungen in der bisherigen beruflichen Position“ (jeweils 30 Prozent). Mehrfachnennungen waren möglich.

Topthemen IT und Wirtschaft

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IT- und EDV-Themen sowie Kurse zu betriebswirtschaftlichem Wissen sind in der beruflichen Weiterbildung stark nachgefragt: Knapp die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer bildete sich zu diesen Themenfeldern weiter.

IT- und EDV-Themen sowie Kurse zu betriebswirtschaftlichem Wissen sind in der beruflichen Weiterbildung stark nachgefragt: Knapp die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer bildete sich zu diesen Themenfeldern weiter.

Ähnlich vielfältig waren die Gründe der Teilnehmer, warum sie ihren Kurs auswählten. Fast die Hälfte der Teilnehmer gab an, dass die Kursbeschreibung „genau ihren Vorstellungen und Wünschen entsprach“. Weitere 30 Prozent sahen immerhin Ähnlichkeiten zwischen Kursthema und eigenen Wünschen. Die fehlenden 20 Prozent könnten folglich darauf schließen lassen, dass die Bildungsanbieter ihr Angebot noch stärker den Vorstellungen und beruflichen Anforderungen der Teilnehmer anpassen könnten. Neben inhaltlichen Aspekten waren es aber auch pragmatische Erwägungen, die die Teilnehmer zur Wahl eines Kurses bewogen, so zum Beispiel der gute Ruf der Einrichtung, die räumliche Nähe zum Kurs oder eine Empfehlung, die in einer Beratung oder von einem Bekannten ausgesprochen wurde. Die Themen, die die Teilnehmer auswählten, spiegeln die Vielfalt der Möglichkeiten beruflicher Weiterbildung wider. Insgesamt über 40 Prozent aller Themen entfiel dabei auf die Bereiche Informationstechnologie/Elektronische Datenverarbeitung und kaufmännische oder betriebswirtschaftliche Kenntnisse.

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