Interview: Der neue Anbieter ist in der Pflicht

Umfrage Stromanbieter Test

Jürgen Schröder, Jurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, empfiehlt, klare Fristen zu setzen.

Viele Verbraucher haben Probleme beim Wechsel ihres Stromanbieters. Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, dass alles reibungslos läuft?
Am besten, man lässt den neuen Anbieter alle Formalitäten erledigen. Mit dem Wechselantrag erteilt man ihm eine Vollmacht zur Kündigung des Vertrags mit dem bisherigen Versorger. Dann ist der neue Anbieter in der Pflicht und muss auch beim Altversorger oder Netzbetreiber Druck machen, wenn diese den Wechsel verzögern.

Oft warten Verbraucher vergeblich, dass der neue Anbieter auf einen Wechselantrag reagiert. Wie lange ist man an den Antrag gebunden?
Bestätigt der neue Anbieter nicht spätestens zwei Wochen nach Antragstellung den Vertrag, sollte man drängeln. Reagiert der Anbieter nicht, ist man nach unserer Auffassung nicht mehr an seinen Antrag gebunden. Dies sollte man sicherheitshalber dem Anbieter mitteilen. Da es sich meist um ein Fernabsatzgeschäft handelt, kann man zusätzlich vorsorglich die Vertragser­klärung widerrufen und eine kurze Frist zur Bestätigung setzen. Danach ist der Weg frei für einen neuen Anbieter.

Was kann man tun, wenn der neue Stromanbieter bereits Vorauszah­lungen abgebucht hat und dann nichts mehr von sich hören lässt?
Der neue Anbieter sollte spätestens vier Wochen nach Vertragsschluss einen konkreten Liefertermin nennen. Diesen kann man dann einfordern. Oft wird aber nur ein unbestimmter Liefertermin in den allgemeinen Geschäftsbedingungen vereinbart. Wir raten dazu, dem Anbieter dann eine Zwei-Wochen-Frist für die Nennung eines Liefertermins zu setzen und, falls keine Reaktion kommt, den Vertrag zu kündigen. Auf geleistete Vorauszahlungen besteht dann Anspruch auf Rückzahlung.

Kann es auch sein, dass Kunden selbst den Wechsel verzögern?
Mitunter scheitert ein schneller Wechsel, weil Kunden noch an ihren Altvertrag gebunden sind. Ein Blick in den bestehenden Stromvertrag bringt Klarheit über Laufzeit und Kündigungsfrist. In der Grundversorgung ist ein Wechsel jederzeit mit einer Frist von einem Monat zum Monatsende möglich. Sonderverträge haben individuelle Laufzeiten und Kündigungsfristen, die man einhalten muss. Bei Preiserhöhungen besteht in der Regel ein zweiwöchiges Sonderkündigungsrecht zum Zeitpunkt der Preiserhöhung. In diesem Fall sollte man übrigens selbst kündigen, weil sonst die Frist verstreichen könnte.

Wenn alle Stricke reißen, geht dann das Licht aus?
Nein, niemand muss befürchten, im Dunkeln zu sitzen. Wenn der alte Vertrag bereits gekündigt ist, ohne dass es einen neuen gibt, greift die gesetzliche Ersatzversorgung. Das heißt, dann liefert automatisch der örtliche Grundversorger Strom, allerdings zu den in der Regel höheren allgemeinen Preisen.

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