Umfrage Schönheitsoperationen Meldung

Vorher träumen viele Patienten von der perfekten Brust, einer geraden Nase oder straffen Lidern. Hinterher klagen Schönheits­operierte oft über starke Schmerzen, hässliche Narben oder aufwändige Nach­opera­tionen. Die Stiftung Warentest hat in einer Online-Umfrage nach Erfahrungen mit Schönheitsoperationen gefragt. test.de zeigt die Ergebnisse.

Kultur des Künstlichen

558 Fragebögen wurden komplett ausgefüllt. Davon 132 von Männern. Die Fragen bezogen sich auf Beratungsleistung der Ärzte, Geschehnissen rund um die Operation und die Zufriedenheit mit dem Ergebnis. Das Resultat der Umfrage: Die Kultur des Künstlichen liefert nicht nur Spiegelbilder aus der schönen Welt von Werbebroschüren. Sie ist häufig auch ein ganz schön riskantes Unternehmen mit unerwünschten Ergebnissen.

Kaum Familien

Jeder Zweite derjenigen, die noch keine Schönheitsoperation durchführen ließen, hatte bereits eine erwogen. 30 Personen waren dazu entschlossen. Gut 40 Prozent der Umfrageteilnehmer haben schon einmal eine Schönheitsoperation machen lassen. An der Spitze der Eingriffe standen

  • Brustoperationen: 26 Prozent
  • Nasenkorrekturen: 24 Prozent
  • Lidkorrekturen: 21 Prozent
  • Fettabsaugen: 21 Prozent

35 Patienten haben sich im Ausland operieren lassen. Tschechien, Polen und die Türkei wurden dabei häufiger genannt. Wer sich mit Schönheitsoperationen beschäftigt, ist laut der Umfrage meist im mittleren Alter, Single oder zu zweit mit einem Partner lebend – Eltern mit Kindern haben offenbar andere Sorgen.

Menschen nachmodelliert

Schönheitsoperationen sind eine Wachstumsbranche. Gesunde, unversehrte Menschen werden in Deutschland pro Jahr laut Schätzungen mit über einer Million operativen Eingriffen nachmodelliert. Das Interesse wächst, auch bei Männern. Es gibt sogar Geschenkangebote. Was nicht passt, wird passend gemacht: Letzter Schrei ist die Korrektur von breiten Füßen – damit sie in modische superschmale Treter passen.

Viel Beratung

Den ersten Schritt zur Information gingen die Teilnehmer der Umfrage meist im Internet. Positiv: Ein gutes Drittel der Befragten hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sich mehrfach persönlich beraten lassen (38 Prozent), meist zweimal. Ein Beratungsgespräch fand in fast allen Fällen vor der endgültigen Entscheidung statt. Ein Großteil der Befragten fühlte sich ausführlich beraten, gut aufgeklärt. Aber immerhin 12 Prozent verneinten das oder schränkten es deutlich ein. 14 Prozent gaben an, sich im Beratungsgespräch zu wenig beachtet gefühlt zu haben – obwohl es doch um sehr persönliche und weitreichende Entscheidungen ging. Beratung und Aufklärung sind zentrale Punkte einer Schönheits-OP – und oft die einzigen Anker, um später rechtlich vorzugehen.

Sicherheit versprochen

Es wird offenbar viel versprochen. 58 Prozent der Auskunftgebenden schrieben uns, ihnen sei versichert worden, ihre Vorstellungen ließen sich realisieren. Dieses Versprechen ist nach dem Heilmittelwerbegesetz verboten. Bei jedem Dritten wurde darauf hingewiesen, dass Wünsche nicht immer Wirklichkeit werden können. In 63 Prozent der Beratungsfälle wurde das geplante Ergebnis mit Vorher-nachher-Fotos illustriert, meist mit Fotos anderer Patienten, aber auch mit bearbeiteten Bildern der Ratsuchenden selbst – mit der gewünschten Wirkung: Für 58 Prozent der Befragten waren die Vorher-nachher-Bilder wichtig für ihre Entscheidung für eine Klinik und den Operateur. Direkt beim Arzt sind für die Beratung solche Illustrationen nicht verboten, aber in der Werbung: Vorher-nachher-Bilder dürfen dort nicht mehr veröffentlicht werden.

Risiken erhöht

Es ist unzulässig, wenn vor einer Operation nicht alle wichtigen Patientendaten abgefragt werden. In jedem zehnten Fall interessierte die Schönheitsoperateure nicht, ob auch gelegentlich Medikamente eingenommen werden. Ebenso wurde in 13 Prozent der Fälle nicht erfragt, ob Blutgerinnungsstörungen vorliegen – ein absolutes Muss vor jeder Operation. In fast jedem dritten Fall wurde nicht gefragt, ob der Patient bereits Erfahrungen mit Schönheitsoperationen hatte. Hier wären Rückschlüsse auf die Psyche des potenziellen Patienten möglich. Verantwortungsvolle Ärzte müssen von einem Eingriff auch abraten können.

Lückenhafte Voruntersuchungen

Ebenfalls sehr negativ sind lückenhafte Voruntersuchungen. So gaben nur rund die Hälfte der Brustoperierten an, dass eine körperliche Untersuchung durchgeführt wurde. Auch die im Zusammenhang mit der Narkose wichtige Blutuntersuchung erfolgte häufiger nicht. Bei der Brustoperation gaben nur etwa zwei Drittel der Betroffenen an, dass ihnen zuvor Blut abgenommen wurde. Auffällig, dass 42 Prozent der Fettabsaugungen ambulant erfolgten, ebenso fast jede fünfte Brustoperation. Auch das ist nicht akzeptabel und zum Beispiel durch die Gefahr von Nachblutungen gefährlich. Negativer „Höhepunkt“: Auch Rechtsvorschriften wurden nicht eingehalten. Fast jedem Zehnten wurde vor der Operation kein schriftlicher Vertrag vorgelegt. Ein klarer Rechtsverstoß. 14 Prozent konnten sich nicht an eine Vertragsvorlage erinnern.

„Nie wieder“

Positiv: In 72 Prozent der Fälle lagen zwischen Beratungsgespräch und Operationstermin mehr als zehn Tage, in 9 Prozent jedoch weniger als ein, zwei Tage – Patienten sollten sich aber Zeit für die Entscheidung nehmen können. Bei rund jedem Vierten entsprach das optische Ergebnis des Eingriffs nicht den persönlichen Vorstellungen. Häufiger waren Patienten mit Nasenkorrekturen und den Ergebnissen des Fettabsaugens unzufrieden. „Die Wunde hat sich entzündet, das Implantat wurde in einer Notoperation entfernt: Meine Nase wäre bald ‚abgefault‘“, berichtet eine gepeinigte Patientin (siehe „Erfahrungen der Umfrageteilnehmer“). Immerhin jeder Fünfte gab an, dass sie oder er die Operation nicht noch einmal durchführen lassen würde oder nicht noch einmal in derselben Klinik oder beim selben Arzt.

Bis zu 10 000 Euro

Vielfach wurde ein hoher Preis gezahlt: 5 000 bis 10 000 Euro – in beinahe jedem fünften Fall. Fast ebenso oft gaben die Patienten aber auch nur bis zu 500 Euro aus. Mehr als jede zweite Brustoperierte zahlte mehr als 4 000 Euro. Fürs Fettabsaugen mussten knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer zwischen 3 000 und 10 000 Euro hinblättern – gelohnt hat sich der finanzielle Einsatz aber häufiger nicht.

Dieser Artikel ist hilfreich. 427 Nutzer finden das hilfreich.