Umfrage Risikolebensversicherung Meldung

Gerd Hein aus Kaarst zahlt seit September 2003 25 Prozent mehr Beitrag für seine Risikolebensversicherung. Für diesen Beitragssprung fehlt ihm „jegliches Verständnis“.

Im April hat Finanztest Leser mit einer Risikolebensversicherung aufgerufen, sich an einer Umfrage zum Thema zu beteiligen. Nun liegen die Ergebnisse vor. Tenor in vielen Antwortschreiben: Die Versicherer haben die Beiträge drastisch erhöht, Kundenanfragen dagegen oft abgeschmettert. So erhöhte die Hannoversche Leben den Beitrag von einem Monat auf den anderen um ein Viertel. Die CosmosDirekt verlangte plötzlich einen erheblichen Risikozuschlag, nannte aber keine Gründe für die Erhöhung. Finanztest nennt alle Ergebnisse.

Beitragserhöhung um ein Viertel

Umfrage Risikolebensversicherung Meldung

Beate Gronauer und Michael Hirschvogel aus Weilheim hatten mit ihrer Hartnäckigkeit Erfolg: Ihr Versicherer verringerte den Risikozuschlag.

Die Hannoversche Leben hat ihre Beiträge 2003 drastisch in die Höhe geschraubt. Die „anhaltend schwierige Kapitalmarktsituation“ mache dies notwendig, schrieb das Unternehmen seinen Kunden. Gerd Heins Beitrag stieg von 140 Euro auf 175 Euro im Jahr. Heinrich Stückers Jahresbeitrag erhöhte sich von 258 auf 323 Euro und Arthur Königs Police verteuerte sich von 534 auf 667 Euro im Jahr. Die Hannoversche Leben sieht diese Beitragssteigerungen von rund 25 Prozent, über die sich noch mehr Kunden als die drei namentlich Erwähnten bei uns beklagten, als „geringfügige Erhöhung“. Zuvor habe das Unternehmen in den vergangenen 22 Jahren den Beitrag mehrmals gesenkt.

Wenig überzeugende Begründung

Doch die Begründung für die jetzige Erhöhung überzeugt nicht. Nicht der Kapitalmarkt ist entscheidend für die Beitragshöhe, wie auch die Hannoversche Leben zugesteht, sondern die Statistik über die Sterblichkeit. Sie ist die wesentliche Grundlage der Versicherer, wenn sie berechnen, welchen Beitrag ihre Kunden für eine Risikolebensversicherung zahlen müssen. Sterben weniger Kunden, als die Versicherungsgesellschaft anhand der Sterbetafeln kalkuliert hat, entsteht ein Risikogewinn. Das Unternehmen muss dann eine Überschussbeteiligung an seine Kunden zahlen. Dies ist auf zwei Arten möglich: mit einer Beitragsverrechnung oder dem Todesfallbonus. Die allermeisten Kunden entscheiden sich für die Beitragsverrechnung – eine gute Wahl, wie wir meinen. Denn die Versicherungssumme ist hier garantiert. Das ist wichtig, wenn die Hinterbliebenen mindestens diese Summe brauchen, um beispielsweise ein Haus abzubezahlen. Der Nachteil: Bei sinkenden Überschüssen steigt der Beitrag. Wie hoch er steigen kann, steht in der Police. Dieser maximal mögliche Jahresbeitrag wird unter normalen Umständen nie erreicht. Denn die Versicherer kalkulieren ihr Risiko anhand der Sterbetafeln so, dass es in der Regel nicht zu drastisch sinkenden Überschüssen kommt.

Kapitalmarkt fast ohne Einfluss

Ein ganz kleiner Teil der Überschüsse wird nicht durch Risikogewinne aufgrund der gesunkenen Sterblichkeit, sondern am Kapitalmarkt erwirtschaftet. Doch bei Risikolebensversicherungen spiele der Kapitalmarkt nur eine Rolle „unterhalb der Messbarkeitsgrenze“, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Überschussbeteiligung bestehe „nahezu vollständig aus dem Risikogewinn“. Und die Presseabteilung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erläutert: Bezogen auf die Beiträge könne der Kapitalmarkteffekt „keine nennenswerte Größenordnung erreichen, da bei Risikolebensversicherungen kein Sparanteil enthalten ist“. Versicherungsombudsmann Wolfgang Römer schüttelt über diese Beitragsanhebung den Kopf: „Ich kann eine Erhöhung von immerhin 25 Prozent nicht nachvollziehen.“ Gerd Hein wartet nun auf eine Beitragssenkung, „denn mit dem Kapitalmarkt geht es nachhaltig und dauerhaft nach oben“, sagt er. Mit einer schlechten Kapitalmarktlage könne die Hannoversche Leben nun gar nicht mehr argumentieren.

Beschwerde bei der Bafin

Erich Beresheim hat nicht bis zu einer Beitragssenkung gewartet. Er beschwerte sich bei der Bafin. Beresheim, der 2000 eine Risikolebensversicherung bei der HDI abgeschlossen hatte, sollte ab August 2002 nicht mehr 265 Euro, sondern 433 Euro Beitrag im Jahr zahlen (siehe Finanztest 5/03: Test Risikolebensversicherung). Diesen gewaltigen Beitragssprung um mehr als 60 Prozent begründete HDI ebenfalls mit sinkenden Zinssätzen am Kapitalmarkt. Doch die zuständige Bafin-Abteilung für Verbraucherschutz wies Beresheims Eingabe merkwürdigerweise damals ohne eigene Erläuterung ab. Und dies, obwohl die Bafin-Presseabteilung die Argumentation des Versicherers („anhaltend schwierige Situation an den Kapitalmärkten“) zurückgewiesen hatte. Beresheim kündigte den Vertrag bei HDI und schloss bei einem anderen Versicherer neu ab – mit einem viel günstigeren Beitrag. Er hatte Glück. Denn er ist gesund und bei Abschluss des neuen Vertrags war er mit 43 Jahren noch relativ jung.

Hauptsache gesund

Für eine Risikolebensversicherung muss ein älterer Kunde mehr zahlen als ein junger, ein Mann mehr als eine Frau, ein Kranker mehr als ein Gesunder. Grund dafür ist das höhere Sterblichkeitsrisiko. So mussten Beate Gronauer und Michael Hirschvogel für ihren Vertrag bei der CosmosDirekt einen „medizinischen Mehrbeitrag“ von 460 Euro entrichten. Zusammen mit dem jährlichen Zahlbeitrag von 921 Euro kostete der Schutz für den bei Vertragsabschluss 53-jährigen Versicherten 1 381 Euro jährlich. Nachdem sie die Police bekommen hatte, wollte Frau Gronauer von CosmosDirekt wissen, warum der Beitragszuschlag fällig wäre. Die Gesellschaft verweigerte auf zwei Anfragen ihrer Kundin jedoch eine konkrete Auskunft, antwortete lediglich bürokratisch und nebulös: „Aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen wird von unserer Fachabteilung gesamtbildnerisch das Risiko betrachtet, worin mehrere Faktoren, z. B. versicherungsmedizinische Maßstäbe sowie die daraus resultierenden internen Annahmerichtlinien, eine Rolle spielen.“ „Hier wird mit vielen Worten gar nichts gesagt“, kritisiert Versicherungsombudsmann Römer. Zwar sei der Versicherer nicht verpflichtet, den Grund für den Mehrbeitrag mitzuteilen. Die Auskunftsverweigerung sei jedoch weder kundenfreundlich noch gängige Praxis.

Finanztest schaltet sich ein

Erst als Finanztest sich einschaltete, teilte CosmosDirekt die Gründe für den Mehrbeitrag mit. Neben Bluthochdruck und Fettleber listete der Versicherer noch vier andere Gründe auf. Ein Risikozuschlag war also durchaus angemessen. Gronauer und Hirschvogel wollten jedoch die Gründe dafür nachvollziehen können, um sie durch neue medizinische Befunde wenigstens teilweise zu entkräften. Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Nach Vorlage neuer Laborwerte, die eine Besserung des Gesundheitszustands von Michael Hirschvogel belegen, reduzierte CosmosDirekt den Mehrbeitrag.

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