Umfrage Pflegedienstleistungen Special

Engagiert versorgen Angehörige alte Eltern oder kranke Ehepartner. Häufig fehlen aber Informationen über Hilfsangebote.

Wenn die Eltern alt werden, gehen sie ihren Alltag ein wenig langsamer an, machen auf dem Treppenabsatz schon mal eine Pause, bemerken das eine oder andere Zipperlein oder müssen mit den Auswirkungen chronischer Erkrankungen fertig werden. Doch viele alte Menschen wollen ihre wachsenden Schwierigkeiten nicht wahrhaben oder verheimlichen sie vor ihren Kindern. Die Hilfsbedürftigkeit nimmt zunächst nur langsam zu.

Das berichten auch unsere Leser, die sich an der Online-Umfrage der Stiftung Warentest zur Pflege beteiligt haben. Fast die Hälfte der Befragten, die Angehörige pflegten, nannten als Gründe für deren Pflegebedürftigkeit altersbedingte Einschränkungen, wie Vergesslichkeit oder körperliche Beeinträchtigungen. Häufig waren es auch körperliche oder geistige Erkrankungen.

Leserumfrage: Langjährige Erfahrung

Umfrage Pflegedienstleistungen Special

Mehr als tausend Leser haben auf unseren Aufruf reagiert und unsere Fragen zu Pflegetätigkeit, Pflegediensten und der Pflegeversicherung beantwortet. Rund 60 Prozent von ihnen hatten zum Teil schon langjährige Erfahrung mit der Betreuung von Eltern oder Ehepartnern. Die anderen hatten sich größtenteils zumindest schon gedanklich mit dem Thema beschäftigt.

Angehörige und Freunde pflegen

Umfrage Pflegedienstleistungen Special

Vielen Angehörigen ist die Betreuung der alten Eltern oder eines anderen Pflegebedürftigen eine Herzensangelegenheit. Doch häufig fühlen sie sich im bürokratischen Wirrwarr alleingelassen und von Kostenproblemen belastet.

In Deutschland gibt es mehr als zwei Millionen Pflegebedürftige. Das Risiko, im Haushalt, bei der Körperpflege oder der Versorgung mit Medikamenten auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, steigt vor allem nach dem achtzigsten Lebensjahr rapide an. Zwei Drittel der hilfe- und pflegebedürftigen alten Menschen werden zuhause betreut. Auch unsere Umfrage zeigt, dass viele Angehörige selbst pflegen, teilweise auch Freunde und Nachbarn behilflich sind.

Pflegedienste im Einsatz

Umfrage Pflegedienstleistungen Special

Doch wenn die Kräfte immer stärker schwinden, die gebrechliche Mutter oder der demente Ehepartner kaum noch allein zurechtkommen, brauchen die Betreuer Spezialkenntnisse, zum Beispiel was sie bei der Körperpflege beachten müssen oder wie sie noch vorhandene Fähigkeiten fördern können. Häufig beauftragen die Angehörigen dann einen ambulanten Pflegedienst, der sie bei der Pflege unterstützt oder sie ganz übernimmt. Etwas mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen, die an der Umfrage teilnahmen, nutzen denn auch einen Pflegedienst. Fast ebenso oft leben die Pflegebedürftigen in einem Heim.

Wenig Informationen über Anbieter

Umfrage Pflegedienstleistungen Special

Befragte, deren Angehörige von einem Pflegedienst oder im Heim betreut werden, haben im Vorfeld häufig Informationen über Anbieter und Kosten vermisst.

Befragte, deren Angehörige von einem Pflegedienst oder im Heim betreut werden, haben im Vorfeld häufig Informationen über Anbieter und Kosten vermisst.

Bei der Entscheidung für einen Pflegedienst oder ein Pflegeheim war den Befragten der persönliche Eindruck besonders wichtig. Eine wesentliche Rolle spielten auch der Umfang der angebotenen Leistungen sowie die Nähe zum Wohnort. Manchmal gab es aber gar keine Auswahlmöglichkeiten.

Allerdings vermissten viele Befragte bei der Suche nach einem geeigneten Anbieter oft Informationen (siehe Grafik). Am häufigsten fehlten Hinweise zur Qualität von Pflegediensten und Heimen und zu den Kosten einzelner Leistungen. Außerdem vermissten sie eine Beratung darüber, welche der Pflegeleistungen für ihre Angehörigen notwendig waren.

Kosten: Private Zuzahlung nötig

Umfrage Pflegedienstleistungen Special

Die Pflegeversicherung deckt nur den Grundbedarf, sodass ein Teil der anfallenden Kosten meist privat gezahlt wird. Etliche der Befragten verzichteten aber zum Beispiel aus Kostengründen sogar auf notwendige Pflegeleistungen.

Die Pflegeversicherung deckt nur den Grundbedarf, sodass ein Teil der anfallenden Kosten meist privat gezahlt wird. Etliche der Befragten verzichteten aber zum Beispiel aus Kostengründen sogar auf notwendige Pflegeleistungen.

Besonders die Kosten sind ein ganz zentrales Problem, das die Umfrageteilnehmer in besonderer Weise beschäftigt. Zwar gewährte die Pflegeversicherung für 90 Prozent der unterstützungsbedürftigen Personen eine Pflegestufe, und einige Pflegebedürftige erhielten Zuschüsse vom Sozialamt oder einer privaten Pflegeversicherung. Aber fast drei Viertel der Befragten zahlten noch einen Teil der Pflegekosten privat zu. Etwa jeder Dritte gab im Monat zwischen 100 und 500 Euro für Pflegeleistungen aus, ein weiteres Drittel der Befragten zwischen 500 und 1 500 Euro.

Etliche unserer Leser gaben auch an, aus Kostengründen auf eigentlich notwendige Pflegeleistungen zu verzichten (siehe Grafik). Dazu gehörten Körperpflegeleistungen wie zum Beispiel Waschen, Bewegungsübungen, eine persönliche Ansprache oder geistiges Training.

Nur rund die Hälfte der Befragten hatte keine Schwierigkeiten bei der Klärung der Kostenübernahme. Viele empfanden das Verfahren als sehr kompliziert und anstrengend, etliche bezeichneten es sogar als entwürdigend. Manchmal wurde der erste Antrag von der Pflegekasse abgelehnt, ein Folgeantrag dann aber doch bewilligt.

Angehörige wünschen Unterstützung

Umfrage Pflegedienstleistungen Special

Pflegende Angehörige wünschen sich mehr Unterstützung. Jeder zweite der Befragten, die diesen Wunsch äußerten, vermissten Verständnis von Familie und Freunden. Aber fast ebenso viele wünschten mehr finanzielle Hilfen.

Pflegende Angehörige wünschen sich mehr Unterstützung. Jeder zweite der Befragten, die diesen Wunsch äußerten, vermissten Verständnis von Familie und Freunden. Aber fast ebenso viele wünschten mehr finanzielle Hilfen.

Nicht nur bei der Antragstellung, den Kontakten mit der Pflegekasse und dem Medizinischen Dienst wünschen sich viele pflegende Angehörige deshalb mehr Unterstützung. Ganz an der Spitze steht der Wunsch nach ideeller Unterstützung – nach größerem Verständnis im Familien- und Freundeskreis für die Belastung (siehe Grafik). Fast genauso oft wünschten sich die Befragten jedoch mehr finanzielle Unterstützung. Auch Angebote, die für eine begrenzte Zeit von der Pflege entlasten, stehen ganz oben auf der Wunschliste. Auch psychologische Beratung und Beratung zu Pflegemaßnahmen wären willkommen.

Entlastungsangebote für Angehörige

Dabei gibt es schon eine ganze Reihe von Entlastungsangeboten, die Pflegepersonen wahrnehmen könnten. Doch drei Viertel der pflegenden Angehörigen, die sich an unserer Umfrage beteiligten, haben noch nie ein solches Angebot genutzt.

Zum Beispiel vermitteln die Pflegekassen Kurse für Angehörige, in denen pflegerische und medizinische Grundkenntnisse gelehrt werden. Dort gibt es auch Ratschläge zum rückenschonenden Umgang mit bettlägrigen Patienten, aber ebenso zum einfühlsamen Umgang mit der hilflosen alten Mutter oder dem verwirrten Ehemann.

In solchen Kursen oder in einer Schulung, die zuhause stattfindet, wird auch der Umgang mit technischen Hilfsmitteln und Pflegemitteln gezeigt und geübt – für deren Einsatz die Pflegeversicherung im Übrigen bis zu einer bestimmten Grenze die Kosten übernimmt. Sie finanziert auch bis zu vier Wochen im Jahr die sogenannte Verhinderungspflege: Wenn die Pflegeperson eine Auszeit nehmen und zum Beispiel in Urlaub fahren will, können andere Laienhelfer oder auch ein Pflegedienst die Arbeit übernehmen. Auch eine stationäre Kurzzeitpflege ist möglich, zum Beispiel wenn die Pflegeperson krank wird.

Die Pflegenden können Vertretungsleistungen auch stunden-, tage- oder wochenweise in Anspruch nehmen.

Gespräche und Entspannung

Außerdem gibt es psychologische Beratungsstellen, die dabei helfen können, mit einer belastenden Pflegesituation besser fertig zu werden. Gesprächskreise für Pflegende ermöglichen einen Austausch mit anderen Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation. Kurse können Entspannungstechniken vermitteln, wie die progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training.

Wer von den Umfrageteilnehmern bei der täglichen Pflege der Angehörigen auch auf professionelle Helfer setzte, bewertete deren Leistungen unterschiedlich. Besonders angetan waren sie von ausländischen Pflegekräften, die in der Wohnung der Pflegebedürftigen lebten, sowie von privaten Pflegekräften, die stundenweise in den Haushalt kamen. Hier spielte wohl auch die persönliche Zuwendung eine Rolle.

Zeitdruck und Unfreundlichkeit

Mit ambulanten Pflegediensten waren nur rund 70 Prozent der Umfrageteilnehmer zufrieden, mit den Pflegeheimen nur etwa 60 Prozent. Zahlreiche Befragte hatten sich denn auch schon einmal aus unterschiedlichen Gründen beschwert. Häufig gab es Klagen über wechselnde Pflegekräfte und wechselnde Pflegezeiten, über nachlässiges und wenig qualifiziertes Personal, hohen Zeitdruck und unfreundlichen und ruppigen Umgang mit den Pflegebedürftigen.

Tipps: Auswahl eines Pflegedienstes

Schon im Vorfeld gibt es einige Möglichkeiten, die Qualität von Anbietern einzuschätzen. Deshalb sollten Sie sich über einige Details informieren, bevor Sie sich für einen Pflegedienst entscheiden:

  • Gibt es einen Versorgungsvertrag mit der Pflegekasse?
  • Bietet der Pflegedienst schriftliches Informationsmaterial an?
  • Kommt ein Mitarbeiter zu einer kostenlosen Beratung ins Haus, um sich ein genaues Bild von der Situation zu machen?
  • Welche Hilfen bietet der Dienst an?
  • Was kosten die einzelnen Pflegeleistungen, welche Gesamtkosten entstehen?
  • Berät der Dienst über die Finanzierung und notwendige Anträge?
  • Wie viele wechselnde Pflegekräfte betreuen den Pflegebedürftigen?
  • Wie viele Pflegefachkräfte beschäftigt der Dienst (Krankenschwestern/-pfleger, Altenpfleger, Sozialarbeiter)? Welche Arbeiten übernehmen Hilfskräfte?
  • Ist der Pflegedienst rund um die Uhr erreichbar?

Beratungsstellen

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, gibt es eine Reihe von Beratungsmöglichkeiten. Viele Städte und Gemeinden haben zum Beispiel unabhängige Pflegeberatungsstellen, die über die Pflegeversicherung, Pflegestufen und die Anbieter ambulanter Pflegedienste informieren. Dort gibt es auch Hinweise auf gelegentliche Unterstützungsangebote, wenn zum Beispiel die Kräfte allmählich nachlassen.

Die Beratungsbüros haben von Ort zu Ort unterschiedliche Bezeichnungen, wie Altenhilfe, ambulantes Hilfszentrum, Bürgerberatung, Koordinierungsstelle, Pflegebüro, Seniorenberatung. In einigen Kommunen übernehmen die Sozialämter die Beratung, in anderen sind dies eigens für diese Aufgabe eingerichtete Büros mit speziell geschultem Personal. Ab 2009 soll es „Pflege­stützpunkte“ geben. Deren Mitarbeiter sollen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen individuell beraten und ihnen bei der Beantragung von Leistungen helfen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1986 Nutzer finden das hilfreich.