Kosten: Geld für Pflege, Zeit für Pflege

Selbstzahler

Wer nur gelegentlich Hilfe bei der Körperpflege, im Haushalt oder beim Einkaufen braucht oder sich nicht mehr traut, ohne Begleitung einen Spaziergang zu machen, muss entsprechende Unterstützungsdienste selbst finanzieren, denn die Pflegeversicherung zahlt erst ab einem bestimmten Grad der Pflegebedürftigkeit. Aus eigener Tasche zuzahlen müssen häufig aber auch diejenigen, die in eine der drei Pflegestufen eingestuft werden. Denn die Pflegeversicherung deckt nur den Grundbedarf.

Sozialhilfe

Wenn Rente oder Einkommen nicht ausreichen, besteht zwar ein Anspruch auf Sozialhilfe, doch auch die Kinder pflegebedürftiger Eltern müssen einen finanziellen Beitrag leisten („Elternunterhalt“). Den fordert dann das Sozialamt ein. Die Beamten verlangen von den Kindern, dass sie ihr gesamtes Einkommen und Vermögen lückenlos offenlegen – und das des Ehepartners gleich mit.

Elternunterhalt

Doch den Kindern und ihren Familien muss genügend zum Leben bleiben. Niemand muss dauerhaft nachhaltige Abstriche am eigenen Lebensstandard hinnehmen. Als Selbstbehalt müssen den Betroffenen 1400 Euro bleiben, für den Partner 1050 Euro. Darin sind 400 Euro Warmmiete für Singles und 800 Euro für Paare bereits enthalten. Die Freibeträge für Kinder orientieren sich an der „Düsseldorfer Tabelle“ für Unterhaltszahlungen. Weitere Abzugsposten sind unter anderem die Altersvorsorge, berufliche Aufwendungen und Kredite. Bleibt nach Abzug aller Ausgaben vom Einkommen etwas übrig, verlangt das Sozialamt pauschal die Hälfte davon als Unterhalt für die Eltern. Allerdings empfiehlt es sich, die Forderungen sorgfältig zu prüfen. Denn die Sozialämter quer durch Deutschland gewähren oft unterschiedliche Freibeträge.

Pflegeurlaub

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird oder sein Zustand sich kurzfristig verschlechtert und schnell Hilfe organisiert werden muss, haben Arbeitnehmer das Recht, bis zu zehn Arbeitstage zuhause zu bleiben. Einen Anspruch auf Weiterzahlung des Gehalts haben sie nicht. Sie bleiben aber sozialversichert.

Pflegezeit

Arbeitnehmer können sich bis zu sechs Monate unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen, um einen pflegebedürftigen Angehörigen zu versorgen. Diese Regelung kommt allerdings nur Berufstätigen zugute, die in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten arbeiten. Während der Pflegezeit bekommen sie keinen Lohn, behalten aber ihre Stelle und bleiben sozialversichert. Die Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung übernimmt in der Regel die Pflegekasse des Pflegebedürftigen, Krankenkassenbeiträge nur auf Antrag.

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