Überweisungen von Kleinbeträgen innerhalb der Euro-Länder sind teuer und langsam. Wer ein Schnäppchen im Ausland bestellt, zahlt so am Ende leicht viel zu viel.

Waren, Dienstleistungen und Arbeitnehmer dürfen frei durch die Europäische Union ziehen. Elf der fünfzehn Mitgliedstaaten haben bereits eine gemeinsame Währung. Zwar versteckt sich der Euro noch knapp eineinhalb Jahre hinter Mark, Franc oder Gulden, aber an den Börsen und bei allen grenzüberschreitenden Zahlungen ist er längst Standard. Die Arbeitsabläufe in den verschiedenen Ländern werden aufeinander abgestimmt. Nur eine Finanzdienstleistung scheint sich hartnäckig dem Integrationsprozess zu verweigern: die Überweisung.

Langsam und teuer

Die Europäische Kommission hat die Bankgebühren in der Union untersucht. Demnach kostet die Überweisung von 100 Euro im Schnitt zwischen 8,15 Euro (aus Luxemburg) und 25,13 Euro (aus Portugal). Durchschnittlich 17,10 Euro wurden bei 352 Überweisungen zwischen den elf Euro-Ländern fällig.

Empfänger geschröpft

Wird nichts anderes ausdrücklich vereinbart, trägt der Auftraggeber der Überweisung sämtliche Kosten. So verlangt es seit August 1999 das Gesetz. Anscheinend hat sich das bei vielen Bankmitarbeitern noch nicht herumgesprochen. Obwohl die Tester der Kommission nichts anderes vereinbarten, wurden in 25 Prozent der Fälle Gebühren von einigen Cent bis zu mehreren Euro auch beim Empfänger abgezogen.

Laufzeiten

Die meisten Überweisungen wurden dem Empfänger innerhalb von zwei bis vier Tagen gutgeschrieben. Rund 5 Prozent jedoch brauchten länger als die sechs vom Gesetzgeber erlaubten Werktage. Zwei der 352 Überweisungen gingen verloren.

Gemeinsame Sprache hilft nicht

Bei 21 Probeüberweisungen von jeweils 40 Euro zwischen der Stiftung Warentest und dem österreichischen Verein für Konsumenteninformation verstrichen in der Richtung Deutschland­Österreich durchschnittlich 5,47 Tage zwischen Auftragserteilung und Gutschrift beim Empfänger. Das ist deutlich mehr als zwischen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen.

Umgekehrt ging es deutlich schneller: 2,8 Tage. Auch haben die österreichischen Banken mit 10,31 Euro im Schnitt etwas weniger Gebühren "eingehoben", so heißt es im Österreichischen, als ihre deutschen Kollegen "erhoben". Bei den beteiligten deutschen Banken kostete die Überweisung der 40 Euro durchschnittlich 11,06 Euro.

Überweisung per Hand

Mit Inlandsüberweisungen, die selten länger als 24 Stunden brauchen und Pfennigbeträge kosten, hat das also alles noch nichts zu tun.

Während der Inlandszahlungsverkehr vollautomatisiert abgewickelt wird, müssen die Auslands-Überweisungsträger meist noch von echten Menschen angefasst werden. Denn im Gegensatz zum grenzenlos funktionierenden Kreditkartensystem hat man sich in der Bankenwelt noch nicht auf einheitliche Standards bei Überweisungen einigen können.

In einigen Ländern bekommt zum Beispiel jedes Girokonto inzwischen eine internationale Kontonummer, in der die Bankleitzahl bereits enthalten ist (IBAN: International Bank Account Number). Deutsche Verbraucher und leider auch noch sehr viele Bankangestellte sind aber von jeher getrennte Nummern für Bank und Konto gewohnt.

An der Entwicklung eines einheitlichen Überweisungsformulars wird immer noch gearbeitet. Bis es so weit ist, werden viele Überweisungen falsch ausgefüllt, sodass sie nicht mehr maschinell bearbeitet werden können und teilweise nur durch Detektivarbeit der Banken ihren Empfänger erreichen.

Ausland zu Inlandskonditionen

Mit einem Trick vermeidet die Volksbank Freiburg im Dreiländereck mit der Schweiz und Frankreich die internationalen Zahlungssysteme und ihre Schwierigkeiten. Ihre Kunden können zu Inlandskonditionen in die beiden Nachbarländer Geld überweisen. Dabei leitet die Volksbank Freiburg die Beträge direkt an ihre Partnerbanken in Basel und Mühlhausen weiter. Diese bearbeiten sie dann genauso wie schweizerische oder französische Inlandsüberweisungen.

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