Privat­insolvenz: In sechs­einhalb Jahren schuldenfrei

Wenn Schuldner trotz aller Anstrengung die Schulden nicht zahlen können, bleibt die Privat­insolvenz. Nach rund sechs­einhalb Jahren erklärt das Gericht den Betroffenen für schuldenfrei – wenn es gut läuft. Manche Gläubiger sind aber schon vorher bereit, auf einen Teil der Forderung zu verzichten.

Erster Schritt: Mit den Gläubigern verhandeln

  • Ohne Beratung geht es meistens nicht. Die Privat­insolvenz – auch „Verbraucherinsolvenz“ genannt – ist mühsam und mit viel Papierkram verbunden. Sinn­voll ist ein Termin bei der Schuldnerberatung.
  • Der Schuldner muss mit den Gläubigern verhandeln: Zuerst sollte er von den Gläubigern eine Aufstellung der Forderungen verlangen. Das Forum Schuldnerberatung (www.f-sb.de) bietet dazu einen Muster­brief an. Danach entwirft der Schuldner einen Sanierungs­plan und über­legt, welche Schulden er bedienen kann – und welche nicht. Er muss versuchen, die Gläubiger von diesem Sanierungs­plan zu über­zeugen. Eine ausführ­liche Anleitung zum Sanierungs­plan bietet das Buch „Geschafft: Schuldenfrei“ der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen.
  • Der Schuldner sollte klar­stellen, dass er eine Privat­insolvenz anstrebt. Die Gläubiger wissen: Am Ende kann das Gericht den Betroffenen für schuldenfrei erklären – die Gläubiger blieben dann auf den restlichen Schulden sitzen. Daher kann es sich für Gläubiger lohnen, einen Teil der Schulden zu erlassen.
  • Bei einer Einigung sollte sich der Gläubiger vertraglich verpflichten, auf eine Zwangs­voll­stre­ckung zu verzichten und am Ende die restlichen Schulden zu erlassen und den Schuld­titel abzu­geben – sofern der Schuldner seinen Teil der vertraglichen Pflichten erfüllt.
  • Manchmal kündigt die Bank bei einem Insolvenz­verfahren das Konto. Daher kann es sinn­voll sein, vorab ein zweites Konto bei einer anderen Bank zu eröffnen.

Zweiter Schritt: An das Gericht wenden

  • Ein Insolvenz­verfahren kommt nur in Frage, wenn sich Schuldner und Gläubiger partout nicht einigen. Vor Gericht muss der Schuldner belegen, dass er sich mindestens sechs Monate vor dem Antrag auf Privat­insolvenz um eine Einigung bemüht hat. Eine Schuldnerberatungs­stelle, die als „Insolvenzberatungs­stelle“ anerkannt ist, kann die Bescheinigung dafür ausstellen. Auch ein Notar, Rechts­anwalt oder Steuerberater können das bescheinigen. Wichtig: Immer früh um die Bescheinigung kümmern.
  • Manchmal verhandelt das Gericht zunächst mit den Gläubigern. Anders als im ersten Schritt müssen diesmal nicht alle Gläubiger zustimmen. Es reicht, wenn die Gläubigermehr­heit, der zugleich auch der über­wiegende Teil der Forderungen zusteht, nicht wider­spricht. Das Gericht kann dann den Plan für verbindlich erklären.
  • Kann auch das Gericht keinen Sanierungs­plan durch­setzen, startet das Insolvenz­verfahren. Dazu fordert das Gericht die Gläubiger auf, ihre Forderung anzu­melden.
  • Der Schuldner sollte alle Forderungen der Gläubiger direkt nach Anmeldung genau über­prüfen. Wenn das Verfahren einmal läuft, sind die Forderungen nahezu unumstöß­lich.
  • Der Name des Schuldners wird veröffent­licht, damit sich alle Gläubiger melden können. Auch der Arbeit­geber, manchmal auch der Vermieter, erfahren von dem Insolvenz­verfahren.

Dritter Schritt: Die Wohl­verhaltens­periode

  • Während der „Wohl­verhaltens­periode“ von sechs Jahren lebt der Schuldner auf Sparflamme: Er muss den pfänd­baren Teil aus Lohn und Sozial­leistung an einen Treuhänder abgeben. Praktisch: Wer während der Wohl­verhaltens­periode erbt, muss nur die Hälfte an den Treuhänder abgeben. Geld­geschenke sind über­haupt nicht betroffen.
  • Von den gepfändeten Beträgen werden die Verfahrens­kosten bedient. Das Gericht prüft aber auch, ob andere die Verfahren­kosten tragen müssen, etwa getrennt lebende Ehepartner. Erst wenn die Verfahrens­kosten getilgt sind, werden die Gläubiger bedient.
  • Am Ende der Wohl­verhaltens­periode steht die „Rest­schuldbefreiung“: Das Gericht erklärt den Betroffenen für schuldenfrei. Voraus­setzung: Der Schuldner hat sich angemessen verhalten. Schwarz­arbeit, Steuer­hinterziehung oder falsche Angaben über Geld und Vermögen können die Rest­schuldbefreiung zunichte machen. Wer als erwerbs­fähig gilt, sollte einer Arbeit nachgehen oder sich um eine Arbeit bemühen.
  • Nicht alle Schulden werden gestrichen. Hat der Schuldner die Verfahrens­kosten nach der Wohl­verhaltens­periode noch nicht abge­stottert, bleiben die Kosten für weitere vier Jahre bestehen. Auch Geld­strafen und Geldbußen werden nicht gestrichen.

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