Inkassofirmen: Psycho­logische Kriegs­führung

Über­schuldung Special

Ständige Anrufe, ungebetene Haus­besuche, über­zogene Kosten: Inkassofirmen treiben Schulden ein und setzen die Schuldner gehörig unter Druck. test.de sagt, was Inkassofirmen dürfen – und was nicht.

Die Schulden­eintreiber

  • Das Geschäft­sprinzip von Inkassofirmen: das Eintreiben von Schulden. Inkassofirmen werden für Gläubiger tätig. Manchmal kaufen sie die Forderung und treten selbst als Gläubiger auf.
  • Da viele Schuldner erst die Gläubiger bedienen, die am meisten Druck machen, greifen viele Inkassofirmen zu rabiaten Methoden: Ständige Anrufe, Haus­besuche, Droh­briefe.
  • Für Schuldner ist es daher schwierig, standhaft zu bleiben. Grund­sätzlich gilt: Immer erst Miete, Strom und Heizung bezahlen. Erst danach die Forderung der Inkassofirmen bedienen – sofern sie über­haupt gerecht­fertigt ist.

Standhaft bleiben

  • Wichtig: Ein Inkassounternehmen braucht immer eine „Abtretungs­erklärung“ oder eine „Inkassovoll­macht“, unter­schrieben vom Gläubiger. Solange Schuldner diese Schrift­stücke nicht in den Händen halten, sollten sie nicht reagieren. Schließ­lich können sich auch Betrüger als Inkassofirma ausgeben.
  • Die Mitarbeiter von Inkassofirmen haben kein Recht, Haus oder Wohnung zu betreten. Schuldner sollten ihnen immer den Zugang verweigern.
  • Schuldner sollten nie etwas unter­schreiben oder anerkennen, ohne darüber noch einmal in Ruhe nachgedacht zu haben. Das gilt genauso für kleine Summen, denn auch kleine Anzah­lungen kann ein Gericht später als Anerkennung der Schuld werten.
  • Schuldner sollten immer eine Aufstellung der Forderungen verlangen. Die Inkassofirma muss zeigen, auf welche Forderungen sie Anspruch erhebt.

Zu hohe Kosten

  • Inkassofirmen stellen häufig zu hohe Kosten in Rechnung. Dagegen sollten sich die Schuldner wehren und Rat suchen, wenn sie unsicher sind. Der Gläubiger hat eine Schaden­minderungs­pflicht: Unnötige oder über­höhte Inkasso­kosten muss er selbst tragen.
  • Der Schuldner sollte den Gläubiger immer schriftlich informieren, wenn er eine berechtige Forderung nicht zahlen kann. Wendet sich der Gläubiger dann an eine Inkassofirma statt gericht­liche Schritte einzuleiten, muss er die Inkasso­kosten tragen. Schließ­lich weiß er, dass beim Schuldner nichts zu holen ist.
  • Wenn der Gläubiger die Forderung an die Inkassofirma komplett abtritt, muss der Schuldner auch keine zusätzlichen Inkasso­kosten mehr zahlen. Schließ­lich ist die Inkassofirma nun der neue Gläubiger und kann nicht zusätzlich zur Forderung noch Inkasso­kosten verlangen.
  • Die Kosten für Mahnungen dürfen nicht viel höher als die Portokosten sein. Auch unnötig viele Mahnungen darf das Inkassounternehmen nicht in Rechnung stellen.
  • Manchmal lässt die Inkassofirmen den Schuldner suchen. Dann stellt es oft die Kosten für die Anfragen beim Einwohnermeldeamt oder gar Detektiv­kosten in Rechnung. Die Inkassofirma muss dann belegen können, dass die Kosten tatsäch­lich notwendig waren.

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