Konto­kündigung: Der Kampf ums Konto

Die Bank darf das Konto kündigen – der Kunde steht ohne Konto da. Für ein neues Konto müssen Betroffene hart kämpfen. test.de zeigt die wichtigsten Schritte.

Ohne Konto

  • Etwa jeder siebte Schuldner, der sich an eine Schuldnerberatung wendet, hat kein eigenes Konto mehr. Das berichtet das Institut für Finanz­dienst­leistungen (iff) im Über­schuldungs­report 2012.
  • Kein Konto bedeutet: Lohn, Sozial­leistungen und andere Zahlungen müssen in bar ausgegeben werden. Über­weisungen sind nicht mehr möglich. Fällige Zahlungen wie Miete, Strom und Heizung oder Kreditraten werden nicht bezahlt. Schuldner müssen dann unbe­dingt mit dem Vermieter, dem Versorger und Gläubigern sprechen. Manchmal ist eine Barzahlung möglich – immer gegen eine Quittung!
  • Ein zweites Konto bei einer anderen Bank ist sinn­voll, um sich vor einer Konto­kündigung zu schützen. Die Banken kündigen häufig bei einer Privat­insolvenz, berichtet der Verbraucherzentrale Bundes­verband. Auch bei einer Konto­pfändung haben die Banken in der Vergangenheit häufig das Konto gekündigt. Seit Einführung des „Pfändungs­schutz­kontos“ (P-Konto) kündigen die Banken aber womöglich seltener als zuvor, vermutet das iff.

Das „Giro­konto für jedermann“

  • Die Banken des Zentralen Kredit­ausschusses haben sich verpflichtet, jedem Menschen ein Guthaben­konto anzu­bieten. Dieses „Konto für jedermann“ soll auch Schuldnern zustehen. Das Land­gericht Bremen hat 2005 geur­teilt, dass sich Banken an die Selbst­verpflichtung halten müssen (Urteil vom 16.06.2005, Aktenzeichen: 2 O 408/05). Betroffen sind alle Institute, die Mitglied im Zentralen Kredit­ausschuss sind. Das gilt etwa für Sparkassen, Volks- und Raiff­eisen­banken und große Privatbanken. Trotzdem müssen Betroffene für ein Konto oft hart kämpfen.
  • Schuldner sollten immer ein „Giro­konto für jedermann“ bei den Banken einfordern, wenn sie kein gewöhnliches Giro­konto mehr erhalten. Dazu sollten sie auf die Erklärung der Deutschen Kreditwirtschaft verweisen. Lehnt eine Bank ab, sollten Kunden eine schriftliche Begründung einfordern.
  • Wenn gekündigt wird: Kunden sollten immer eine schriftliche Begründung verlangen – auch wenn das schwierig ist. Um sich zu beschweren, können sich Kunden an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) oder eine Schlichtungsstelle der Banken wenden. In vielen Fällen lenken die Banken ein.
  • Vorrübergehend eine Lösung: Das Spar­buch. Das ist leichter, denn die Banken schauen bei der Eröff­nung des Spar­buches nicht auf die Kreditwürdig­keit des Kunden. Mit einem Spar­buch können Kunden Geld empfangen und abheben. Über­weisungen sind damit allerdings nicht möglich.

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