Fahr­plan für Schuldner: Schritt für Schritt

Auch bei magerem Einkommen und hohen Schulden gibt es einen Ausweg – sofern Schuldner planvoll vorgehen und Geduld haben. Hier die wichtigen Schritte im Über­blick.

Erster Schritt: Den Notfall meistern

  • Grund­sätzlich gilt: Immer erst die Miete zahlen – auch wenn andere Gläubiger drängeln. Wenn das Geld für die Miete nicht reicht, bleibt oft nur das Sozial­amt. Zwar über­nehmen die Ämter in der Regel keine Schulden. Droht der Rauswurf, springen sie aber trotzdem häufig ein.
  • Der Vermieter darf den Miet­vertrag ordentlich kündigen, wenn der Mieter zu einem Zahlungs­termin mit mehr als einer Monats­miete in Rück­stand ist. Das hat der Bundes­gerichts­hof entschieden (Aktenzeichen: VIII ZR 107/12). Der Vermieter muss dabei bestimmte Fristen beachten. In der Regel gilt: Bis zu fünf Jahren Vertrags­dauer beträgt die Kündigungs­frist des Vermieters drei Monate, nach mehr als fünf­jähriger Dauer sechs Monate und nach acht Jahren Dauer neun Monate.
  • Frist­los darf der Vermieter kündigen, wenn der Mieter an zwei folgenden Zahlungs­terminen mehr als eine Monats­miete schuldig bleibt – zum Beispiel, weil der Mieter in einem Monat gar nicht und im folgenden Monat nicht voll­ständig zahlt. Gleiches gilt, wenn der Schuldner über mehrere Monate hinweg Mietschulden von mehr als zwei Monats­mieten anhäuft oder dauer­haft unpünkt­lich zahlt und bereits abge­mahnt wurde.
  • Der Schuldner kann die frist­lose Kündigung rück­gängig machen, wenn er inner­halb von zwei Monaten die Miete nach­zahlt. Für die ordentliche Kündigung gilt das nicht.
  • Auch bei Strom- und Heizungs­kosten gilt: Immer zuerst zahlen. Wenn ein Schuldner mit mehr als 100 Euro in den Rück­stand gerät, kann der Versorger den Schuldner mahnen, eine Sperre androhen und nach vier Wochen und Strom und Heizung abstellen.
  • Häufig geraten Schuldner in Not, wenn die Bank den Dispo kürzt und den Konto­eingang einbehält oder gleich das Konto kündigt. Schuldner sollten sich unbe­dingt wehren.

Zweiter Schritt: Den Über­blick behalten

  • Manche Schuldner verlieren schlicht den Über­blick. Alle Unterlagen, Briefe und Forderungen gehören in einen Ordner.
  • Um den Weg aus den Schulden zu meistern, ist eine Schuldnerberatung sinn­voll. Wo es gute Beratung gibt, erfahren Schuldner zum Beispiel bei Verbraucherzentralen, Wohl­fahrts­verbänden wie Diakonie und Caritas, bei Sozial- und Jugend­ämtern. Lange Warte­zeiten sind leider üblich. Im Notfall geht es aber oft schneller – zum Beispiel bei einer Pfändung oder Kündigung der Wohnung.
  • Schuldner sollten genau prüfen, ob alle Forderungen gerecht­fertigt sind. Mal verlangen Inkassofirmen zu hohe Gebühren, mal werden Ehepartner unbe­rechtigt zur Kasse gebeten, mal sind Unter­halts­zahlungen zu hoch angesetzt.
  • Manchmal kann ein Schuldner mehr sparen. Mit einem Haus­halts­buch kann er beob­achten, wofür er das Geld ausgibt. Schuldner unterschätzen oft die Kosten für das Auto. Auch überflüssige Versicherungen kosten unnötig Geld.

Dritter Schritt: Mit den Gläubiger verhandeln

  • Ständige Anrufe, Haus­besuche und Drohungen gehören zum Repertoire mancher Gläubiger. Schuldner sollten sich trotz allem nicht einschüchtern lassen. Jeder darf einem Gläubiger den Zutritt in Haus und Wohnung verweigern. Auch muss niemand eine Gefäng­nisstrafe fürchten, nur weil er die Schulden nicht zahlt.
  • Manchmal zeigen Gläubiger aber auch Verständnis für den Schuldner. Daher gilt: Immer das Gespräch mit dem Gläubiger suchen und erklären, weshalb eine Zahlung vor­erst nicht möglich ist. Manche Gläubiger machen Zugeständ­nisse, senken etwa die Zinsen oder verschieben den Zahlungs­termin.
  • Dabei gilt: Nicht zu viel preis­geben. Schuldner sollten ihre Konto­daten auf kopierten Belegen schwärzen und noch einmal kopieren. Sonst riskieren sie eine Konto­pfändung.
  • Um lang­fristig aus den Schulden heraus­zukommen, brauchen Schuldner einen Sanierungs­plan. Damit legen sie fest, wie viel sie zahlen können und was sie den jeweiligen Schuldnern anbieten. Dabei ist es sinn­voll, die Frei­grenzen für die Pfändung auszuschöpfen. Mehr zu dem Sanierungsplan und zur Privatinsolvenz
  • Wenn ein Schuldner trotz aller Mühen die Schulden nicht zahlen kann, bleibt die Privat­insolvenz: Der Schuldner tritt in der „Wohl­verhaltens­periode“ von sechs Jahre den pfänd­baren Teil seines Einkommens an die Gläubiger ab. Das Verfahren ist aufwendig, ohne Beratung geht es meistens nicht. Am Ende erklärt das Gericht den Betroffenen für schuldenfrei.

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