Die Krise am US-Immobilienmarkt schlägt hohe Wellen, die längst auch den deutschen Kapitalmarkt überspült haben. Der Dax ist nach seinem Allzeithoch vom 13. Juli zeitweise um rund 10 Prozent eingebrochen, in den Strudel geraten sind vor allem die Finanzhäuser, die sich mit vielen Milliarden Euro am amerikanischen Ramschhypothekenmarkt engagiert hatten. Mehrere Geldmarkt- und Rentenfonds haben bereits geschlossen und nehmen keine Anteile mehr zurück. Bislang sind von den Schließungen vor allem Großinvestoren betroffen. Aber auch Privatanleger fragen sich, ob ihr Geld noch sicher ist. Finanztest hat einige Antworten zusammengetragen.

[Letzte Aktualisierung: 21. August 2007]

Ich habe Geld in Geldmarktfonds investiert. Was soll ich jetzt tun?

Zunächst: kühlen Kopf bewahren. Die meisten Geldmarktfonds sind von der Krise bislang nicht betroffen, weil sie in die entsprechenden Wertpapiere nicht investiert haben. Es handelt sich bei den kritischen Papieren unter anderem um so genannte ABS, Asset Backed Securities. Das sind Anleihen, die mit Krediten hinterlegt sind, zum Beispiel Immobilienkrediten. Werden diese Kredite nicht mehr bezahlt, ist die Anleihe in Gefahr. Das ist jetzt in den USA passiert. Dort haben finanzschwache Immobilienkäufer ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Amerikanische ABS, die sich auf Kredite an erstklassige Schuldner beziehen, sind bislang von der Krise nicht betroffen, ebenso wenig europäische ABS. Erkundigen Sie sich, ob Ihr Fonds solche ABS aus den USA gekauft hat.

Wie erfahre ich denn, ob mein Geldmarktfonds solche ABS-Papiere hat?

In welche Papiere ein Geldmarktfonds investiert, steht zum Beispiel im Jahres- oder Halbjahresbericht. Die können Sie im Internet, auf der Seite der Fondsgesellschaft, herunterladen oder per Telefon bestellen. Sie können auch direkt telefonisch um Auskunft bitten, ob Ihr Fonds von der Krise betroffen ist. Außerdem können Sie Ihren Bankberater bitten, sich für Sie schlau zu machen.

Ich habe im Fonds-Factsheet im Internet gesehen, dass mein Fonds ABS-Papiere im Portfolio hat. Soll ich sofort verkaufen?

ABS ist nicht gleich ABS. Von der Krise betroffen sind amerikanische ABS aus dem so genannten Subprime-Segment. Dahinter verbergen sich Immobilienkredite an Schuldner mit schlechter Bonität. Wenn Ihr Fonds keine solchen Papiere gekauft hat, und die meisten haben das nicht getan, dann besteht kein Grund zur Panik. Das Problem ist: Je mehr Anleger in Panik geraten und ihre Anteile verkaufen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fonds schließen muss. Wenn nämlich viele Anleger ihre Fondsanteile zurückgeben, muss die Fondsgesellschaft die Papiere aus dem Fonds verkaufen. Das ist zurzeit jedoch schwierig, weil ABS nur mit hohen Abschlägen gehandelt werden.

Ich habe Anteile von dem Fonds FT ABS Plus (Isin LU0121186786) von Frankfurt Trust, der jetzt geschlossen worden ist. Kann ich mein Geld jetzt abschreiben?

Der Fonds hatte vor seiner Schließung 2,5 Prozent an Wert verloren. Insgesamt stecken 7 Prozent des Fondsvermögens in ABS-Papieren aus dem schwierigen Subprime-Segment, heißt es bei Frankfurt Trust. Selbst wenn die alle wertlos würden, würde der Fonds nicht mehr als 7 Prozent Verlust machen – vorausgesetzt allerdings, die anderen Wertpapiere behalten ihren Wert.

Ich habe mein gesamtes Geld in einem Geldmarktfonds geparkt. Soll ich nicht besser aussteigen?

Es ist nie gut, alles auf eine Karte zu setzen. Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Anlageformen. Für kurzfristige Geldanlage eignen sich auch Tagesgeld oder Festgeld. Für Geld, das Sie länger, aber trotzdem sicher anlegen möchten, können Sie Rentenfonds Euro oder Bundesanleihen kaufen.

Gibt es noch andere Fonds, die ABS-Papiere gekauft haben?

ABS-Anleihen können auch in Rentenfonds stecken, die in hochriskante Rentenpapiere investieren. Im Fondsdauertest von Finanztest finden Sie diese Fonds in den Gruppen Rentenfonds High Yield/Unternehmensanleihen. Es gibt aber unter diesen Fonds keinen, der seinen Schwerpunkt auf ABS hat.

Sind Pfandbriefe noch sicher?

Ja. Zwar stecken auch hinter Pfandbriefen Immobilienfinanzierungen, doch sind sie mit ABS nicht vergleichbar. Im Zuge der US-Hypothekenkrise sind die ohnehin geringen Risikoaufschläge für Pfandbriefe minimal angestiegen, das heißt, es gibt jetzt etwas mehr Zinsen für diese Papiere als noch vor wenigen Wochen. Die Höhe der Zinsen ist ein Gradmesser für die Sicherheit einer Anleihe. Von einem unsicheren Investment kann jedoch keine Rede sein.

Es heißt, dass nicht nur Fonds, sondern auch Banken in die Krise verstrickt sind. Ist denn mein Geld überhaupt noch sicher?

In die Schlagzeilen geriet zuerst die IKB Deutsche Industriebank, die eigentlich dafür zuständig ist, dem hiesigen Mittelstand Kredite zu geben. Sie steckt am tiefsten im Schlamassel, was die Aktionäre auch deutlich zu spüren bekommen haben: Die IKB-Aktie ist nur noch halb so viel wert wie vor einem Monat. Auch die Sachsen LB hat über eine Tochtergesellschaft massiv in riskante Kreditderivate investiert. Nur eine Rettungsaktion der Sparkassenorganisation konnte eine existenzbedrohende Schieflage abwenden. Andere deutsche Institute wie die West LB, die Commerzbank und die Postbank sind ebenfalls in die Krise verstrickt. Was bisher bekannt geworden ist, gibt aber keinen Grund zu großer Sorge. Es ist zu erwarten, dass Verluste aus diesen Geschäften zwar die Gewinne schmälern, doch auch das trifft höchstens die Aktionäre, nicht aber die normalen Sparer.

Ich bin Kunde bei der amerikanischen GE Money Bank und habe dort eine größere Summe angelegt. Sollte ich mein Geld besser abziehen?

Die GE Money Bank ist eine Tochter der amerikanischen Gesellschaft General Electric. Sie ist Mitglied im Bundesverband deutscher Banken und im Einlagensicherungsfonds. Sie brauchen daher keine Angst um ihre Ersparnisse haben.

Sind offene Immobilienfonds auch betroffen?

Bislang nicht. Sie investieren zwar auch in den USA, dort aber nur in Geschäftsgebäude, nicht in private Immobilien.

Die Börsen fahren Achterbahn. Soll man überhaupt noch Geld in Aktien oder Aktienfonds anlegen?

Schwankungen an den Aktienmärkten sind normal. Auch größere Kursausschläge, wie wir sie im Moment erleben, gehören zum Geschäft. Nach wie vor sind insbesondere Aktienfonds eine ertragsstarke und sinnvolle Geldanlage für alle, die ihr Geld über eine längere Zeit ansparen oder anlegen wollen. Wichtig ist eine gute Mischung mit sicheren Zinspapieren, die die Risiken ausgleicht. Außerdem sollten Sparer immer ein wenig Geld sofort verfügbar halten, damit sie nicht in turbulenten Phasen wie diesen zum Verkauf gezwungen sind.

Sollte ich mein Geld sicherheitshalber in Gold umschichten?

In jeder Krise kommt das Thema Gold zur Sprache. Doch Gold als Krisenwährung, die vor Verlusten schützt, funktioniert nicht zwingend: In den vergangenen Tagen ist der Goldpreis nicht gestiegen, sondern gefallen. Lassen Sie sich von der momentanen Nervosität der Börsianer nicht anstecken und verfallen Sie, anders als diese, auch nicht in hektischen Aktionismus. Die derzeitige Finanzkrise ist kein Grund, seine Anlagestrategie über den Haufen zu werfen. In einem breit gestreuten Depot ist Gold als Beimischung durchaus geeignet. Achten Sie dann aber darauf, dass Sie nicht in Goldderivate investieren, die lediglich den Goldpreis abbilden, sondern in echtes Gold oder in Fonds, die mit echtem Gold hinterlegt sind. Derivate sind nämlich Schuldverschreibungen von Banken, die im Ernstfall keinen Schutz bieten.

Es heißt Lebensversicherungen seien auch von der Krise betroffen. Soll ich meinen Vertrag besser kündigen?

Nein. Bei einer Kündigung verlieren Sie auf jeden Fall Geld. Es ist zwar richtig, dass die Lebensversicherer auch solche, von der Krise betroffenen Papiere gekauft haben. Wie es aussieht, ist der Anteil am Gesamtvermögen aber gering, so dass Verluste aus diesen Geschäften kaum ins Gewicht fallen dürften. Die Garantieverzinsung ist Ihnen außerdem sicher. Sie beträgt zurzeit 2,25 Prozent pro Jahr, für Altverträge gibt es sogar bis zu 4 Prozent pro Jahr.

Es gibt jeden Tag neue schlechte Nachrichten. Steht uns jetzt eine Wirtschaftskrise ins Haus?

Die reale Wirtschaft wächst weltweit und die Unternehmen machen Gewinne. Außer den Banken ist bislang keine Branche von der Krise betroffen und zurzeit sieht es auch nicht danach aus. Allerdings wird der Optimismus dadurch etwas gedämpft, dass die Wahrheit über das Engagement der Banken in riskanten Anleihen nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit gelangt. Es ist deshalb nur schwer abzuschätzen, ob wir den Höhepunkt der Krise bereits überstanden haben, oder ob uns weitere schlechte Nachrichten ins Haus stehen. Sofern sich aktuelle Entwicklungen ergeben, finden Sie entsprechende Informationen auf test.de.

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