Der amerikanische Fondsskandal schlägt Wellen bis nach Europa. Der Generalstaatsanwalt von New York, Eliot Spitzer, ist seit mehreren Wochen unsauberen Handelspraktiken amerikanischer Fondsgesellschaften auf der Spur. Es geht um Market Timing und Late Trading.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat kürzlich einen Brief mit Fragen an die in Deutschland zugelassenen Fondsgesellschaften verschickt, um sich einen Überblick über die hiesigen Handelsmethoden zu verschaffen. Auch die Wirtschaftsprüfer der Gesellschaften und die Depotbanken haben Post bekommen.

Offizielle Ergebnisse gibt es noch nicht. Sabine Reimer, Sprecherin der BaFin, will nur so viel verraten: „Wir haben in den Antworten bislang keine Anhaltspunkte für Late Trading gefunden. Es gibt allerdings vereinzelte Hinweise von Dritten, wonach solche Praktiken vorgekommen sein sollen.“ Late Trading ist in Deutschland verboten. Es ist, anders als in den USA, jedoch keine Straftat.

Market Timing dagegen ist erlaubt. Pres­seberichten zufolge haben mehrere deutsche Fondsgesellschaften Hinweise auf derartige Aktivitäten bei sich gefunden. Um Market Timing zu verhindern, können die Gesellschaften zum einen versuchen, große Orders im Auge zu behalten. Zum anderen können sie die Uhrzeiten für die letzte Annahme von Orders vorziehen oder die Preisfeststellung nach hinten legen.

Vorteil: Anleger, die früh ordern, haben kaum Hinweise darauf, wie sich die Kurse entwickeln. Spekulieren lohnt sich deshalb nicht. Nachteil: Womöglich verpassen sie wegen der Verzögerung einen günstigen Einstieg.

Die BaFin sieht eine große Zeitspanne zwischen Orderannahme und Preisfeststellung deshalb skeptisch: „Das kann die Anleger unter Umständen mehr schädigen als Market Timing.“

Tipp: Anleger sollten warten, was bei der Untersuchung herauskommt. Wenn sie einen guten Fonds haben, gibt es keinen Grund, das Geld jetzt abzuziehen.

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