UHD Fernsehen Meldung

UHD und HDR. Die neuen Techniken holen Kino­qualität ins Wohn­zimmer.

Wer einen UHD-Player, das entsprechende Filmmaterial sowie einen UHD-fähigen Fernseher hat, kann in modernster Qualität fernsehen und die Lieblings­filme „völlig neu“ erleben – sagt die Werbung. Wir haben mit Test­zuschauern die Probe gemacht: Den Pixel­vorsprung der ultra­hohen Auflösung (UHD) erkennt nicht einmal jeder zweite Zuschauer. Gepaart mit der Bild­verbesserungs­technik HDR bieten entsprechend ausgestattete Fernseher aber dennoch Vorteile.

Soll es jetzt schon ein UHD-Fernseher sein?

„Erleben Sie Ihre Lieblings­filme völlig neu“ oder „Ultra­scharf und ganz nah dran“ – für die neuen Fernseher mit ultra­hoher Auflösung (UHD) werben die Anbieter mit starken Worten. Acht statt bislang zwei Millionen Bild­punkte (FullHD) auf dem Bild­schirm sollen das Fernseh­erlebnis revolutionieren. Aber ist die Detailfülle tatsäch­lich zu sehen? Sollten Verbraucher ihre oft noch recht jungen FullHD-Fernseher jetzt schon durch ein UHD-Gerät ersetzen?

Tipp: Tatsäch­lich sind schon viele Geräte mit entsprechender Auflösung am Markt – und die Stiftung Warentest hat auch schon zahlreiche Geräte getestet. Sie finden die Test­ergeb­nisse im Produktfinder Fernseher. Dort finden Sie auch ein FAQ zum Thema UHD-Fernsehen.

Viele Test­zuschauer tippen daneben

24 Laien gemischten Alters und Geschlechts setzten wir einzeln, ohne Kommunikation mit den anderen Test­personen, vor verschieden große Fernseher. Zuerst suchten die Probanden ihren individuell optimalen Sehabstand. Dann sollten sie angeben, bei welcher der abwechselnd gezeigten UHD- und FullHD-Szenen das Bild mehr Details hat. Nur elf Test­personen tippten richtig. Nicht alle waren sich sicher. Den Unterschied zwischen UHD und FullHD fühlten sie eher, als dass sie ihn konkret wahr­nahmen. Diese Empfindung könnte von HDR kommen, einer neuen Technik zur Bild­verbesserung. HDR steht für „High Dynamic Range“, frei über­setzt „hoher Kontrast“. Dadurch wirken Bilder knackig und strahlend, sie punkten auch mit natürlichen Farben. Wenn schon UHD, dann nur mit HDR. Diese Technik steckt erst in einigen, aber nicht einmal in allen aktuellen UHD-Fernsehern.

Sehabstand meist unver­ändert

Angeblich eignen sich große UHD-Geräte selbst für kleine Zimmer. Die Werbeformel: Wegen der höher aufgelösten Bilder würden die Zuschauer näher an den Fernseher rücken. Das bestätigt unsere Unter­suchung nicht. Mit FullHD-Bildern auf einem 140-Zenti­meter-Fernseher (55 Zoll) fühlten sich unsere Probanden mit 2,1 bis 4,5 Meter Abstand am wohlsten. Mit UHD näherten sich gerade mal neun Test­personen dem Fernseher – um kaum mehr als 20 Zenti­meter. Das Extrem: Ein Proband rückte von 4,3 auf 3,5 Meter vor. Die meisten wählten aber unver­ändert den Abstand, den sie für FullHD gefunden hatten. Die Mär vom Mons­terfernseher, der durch UHD auch in kleinen Zimmern eine gute Figur macht, ist genau das – ein Märchen. Individuelle Sehgewohn­heiten wirken ungleich stärker als die Detailfülle der Bilder. Offen­kundig bevor­zugen viele einen Abstand, aus dem sie das ganze Bild ohne Kopf­drehung sehen.

Kauf nicht über­stürzen

Niemand muss also seinen FullHD-Fernseher vorschnell verschrotten, zumal UHD einen Nachteil hat: den höheren Strom­verbrauch. Bei den von uns zuletzt geprüften 140-Zenti­meter-Modellen verbrauchen Full-HD-Fernseher durch­schnitt­lich 78 Watt, UHD-Geräte 108 Watt. Aufs Jahr gerechnet kostet dieser Mehr­verbrauch rund 12 Euro. Die Pixelfülle von UHD bringt wenig, einen Qualitäts­gewinn bemerkten mehr Zuschauer in der Kombination mit HDR. Auch deshalb besteht kein Grund zur Eile: Fernsehsender bieten auf absehbare Zeit kein so aufwendig aufbereitetes Filmmaterial. Immerhin legten Film­studios und Video-on-Demand-Anbieter bereits mit HDR-Filmen los und liefern bald mehr davon.

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