Tausende Anleger der auf erneuer­bare Energien spezialisierten UDI-Gruppe sollen eine Verzichts­erklärung unter­schreiben. Die Finanz­experten der Stiftung Warentest raten ab.

UDI verschickt Verzichts­erklärungen

Nachdem die Finanz­aufsicht Bafin ange­ordnet hat, dass die UDI Energie Fest­zins VI Anlegern umge­hend ihr Geld zurück­zahlen muss, hat die Firma einen Insolvenz­antrag gestellt. Um zu verhindern, dass weiteren UDI-Firmen das gleiche Schick­sal droht, sollen Anleger nun Verzichts­erklärungen unter­schreiben. Rund 6 000 Anleger von 13 Nach­rangdarlehen der auf erneuer­bare Energien spezialisierten UDI-Gruppe aus Nürn­berg sollen einem Schulden­schnitt zustimmen.

Rainer Lang­nickel, Geschäfts­führer vieler UDI-Gesell­schaften, fordert Anleger auf, bis zum 21. Mai 2021 auf 40 bis 87 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten. Nur so könnten sie ein „akutes hohes Ausfall­risiko“ vermeiden. Den Rest ihrer Forderungen sollen Anleger dann binnen fünf Jahren erhalten. Ob das angesichts der vielen Probleme der Gesell­schaften in den letzten Jahren gelingen kann, ist zweifelhaft.

Bafin ordnet sofortige Rück­zahlung der Gelder an

Hintergrund für den Versuch, Anleger zum Verzicht auf ihr Geld zu bewegen, ist eine Anordnung der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin). Diese hatte die sofortige Rück­zahlung aller Anlegergelder für das Nach­rangdarlehen UDI Energie Fest­zins VI verfügt, weil die im Vertrag verwendete „qualifizierte Nach­rang­klausel“ nicht die Anforderungen des Bundes­gerichts­hofs (BGH) erfüllt.

Danach muss ein solche Klausel Anlegern deutlich machen, dass sie bei Über­schuldung oder Liquiditäts­problemen ihrer Anlagegesell­schaft bei der Verteilung von Vermögen erst nach allen anderen Gläubigern an die Reihe kommen. Da dies laut Bafin nicht der Fall ist, hatte die UDI-Gesell­schaft keine Möglich­keit mehr, Zahlungen an Anleger ganz oder teil­weise auszusetzen, um so eine Insolvenz der Gesell­schaft zu vermeiden.

UDI: „Hohes Ausfall­risiko für Anleger“

Den Anlegern der UDI Energie Zins VI droht nun ein Total­verlust, weil ihre Anlagegesell­schaft die Rück­zahlung ihrer Gelder nicht leisten kann. Bei ihnen hatte die UDI im Jahr 2013 6,6 Millionen Euro einge­sammelt. Weitere UDI-Gesell­schaften, die zwischen 2011 bis 2018 aufgelegt wurden, haben zwar noch keinen Insolvenz­antrag gestellt.

In einem test.de vorliegenden Schreiben warnt Lang­nickel Anleger der UDI Energie Fest­zins VIII jedoch: „Auch bei Ihrer Kapital­anlage besteht das Risiko, dass Recht­sprechung und Bafin die verwendeten Klauseln als nicht ausreichend einstufen. Nicht zuletzt durch mögliche Anordnungen der Bafin besteht daher ein akutes, hohes Ausfall­risiko für Sie als Anleger.“ Deshalb sollten auch sie einem Schulden­schnitt zuzu­stimmen.

Anleger soll auf 86 Prozent ihres Geldes verzichten

In der Vereinbarung für den Energie Fest­zins VIII wird eine Verzichts­quote von 86 Prozent fest­gelegt. Praktisch umge­setzt wird das, in dem ein Anleger mit beispiels­weise 20 000 Euro Anlagesumme den Betrag von 17 600 Euro (86 Prozent) für 1 Euro an die U 20 Prevent GmbH von Rainer Lang­nickel verkauft. Die restlichen 14 Prozent oder 2 800 Euro verbleiben beim Anleger.

Allerdings wird dieser Betrag nicht sofort bezahlt, sondern soll in den nächsten fünf Jahren fließen. Ist es hingegen nicht möglich, mit den getätigten Investments diesen Betrag bis Mitte 2026 zu erwirt­schaften, verfällt ein noch offener Rest­anspruch ersatz­los.

UDI baut Druck auf

Damit Anleger kurz­fristig einwilligen, baut UDI Druck auf: „Nur wenn möglichst alle Investoren zustimmen, kann es uns gemein­sam gelingen, Ihre Chance auf eine höhere Rück­zahlung zu wahren!“ Schuld an der UDI-Misere hat aus Lang­nickels Sicht die nicht nach­voll­zieh­bare Entscheidung der Finanz­aufsicht.

Das weist die Bafin in einer Mitteilung zurück: „Wenn Anle­gerinnen und Anleger Teile ihres Investments verlieren, weil die Bafin gegen ohne Erlaubnis tätige Unternehmen vorgeht, dann ist unser Einschreiten nicht die Ursache für den Verlust – sondern vielmehr die Tatsache, dass ein Unternehmen ein Geschäft über­haupt erst illegal betreibt und es in diesem Rahmen in der Regel auch schlecht führt.“

Der Rat: Anleger sollten Verzicht ablehnen

Die Finanz­experten der Stiftung Warentest raten Anlegern davon ab, eine Verzichts­erklärung zu unter­schreiben. Denn die UDI-Gruppe hatte bereits lange vor dem Einschreiten der Bafin Probleme. 2018 warnten wir erstmals. 2019 haben wir die UDI Energie Fest­zins 14 GmbH & Co. KG auf die Warnliste gesetzt.

Da die Insolvenz einiger UDI-Gesellschaften nicht auszuschließen ist, können sich Anleger mit der Annahme der Verzichts­erklärung schlechter stellen. Verzichten sie nicht und erweist sich die Nach­rang­klausel in ihren Verträgen als unwirk­sam, rutschen Anleger der Gesell­schaften im Insolvenzfall nach vorn. Sie können dann ihre gesamten Forderungen anmelden.

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