Anleger der kriselnden Nach­rangdarlehen Solar Sprint Fest­zins II und Solar Sprint Fest­zins III haben ein Kauf­an­gebot für ihre Forderungen bekommen. Sie müssen dafür einen kräftigen Abschlag hinnehmen. Pikant: Der Geschäfts­führer der Aufkäuferin leitet auch die Geschäfte der Firmen, die die Darlehen aufgelegt haben. Zu seiner Unter­nehmens­gruppe gehört auch die Vermitt­lerin der Darlehen, die auf grüne Geld­anlagen spezialisierte UDI aus Nürn­berg. test.de erklärt, warum das Angebot problematisch ist. Der Anbieter hat sich mitt­lerweile auch geäußert. Mehr dazu am Ende des Beitrags.

Aufkäuferin bietet Kauf in zwei Varianten an

Die Te Verwaltungs GmbH aus Aschheim hat Mitte April 2019 die Anleger der beiden Nach­rangdarlehen Solar Sprint Fest­zins II und Solar Sprint Fest­zins III ange­schrieben und ihnen ein Kauf­an­gebot in zwei Varianten unterbreitet:

  • Variante 1. Anleger sollen 50 Prozent der Zeichnungs­summe erhalten und eine Nachbesserung­schance für die übrigen 50 Prozent bis 30. September 2025.
  • Variante 2. Anleger sollen 60 Prozent der Zeichnungs­summe bekommen.

In beiden Fällen verzichten sie dafür auf alle weiteren Ansprüche. Die Angebote sind bis 13. Mai 2019 befristet. In beiden Fällen will die Aufkäuferin das Geld nicht auf einmal, sondern in drei beziehungs­weise vier Tranchen an die Anleger auszahlen. Die erste Auszahlung ist am 31. August 2019 vorgesehen, weitere sollen am 31. Oktober und 31. Dezember 2019 folgen. Bei Variante 2 ist eine weitere Tranche für Ende Januar 2020 geplant.

Rück­zahlung derzeit nicht in Sicht

Die Te Solar Sprint II GmbH & Co. KG und die Te Solar Sprint III GmbH & Co. KG haben ihre Nach­rangdarlehen im Jahr 2015 aufgelegt. Sie boten von 4 auf 6 Prozent steigende Zinsen pro Jahr und sammelten 5,2 Millionen Euro beziehungs­weise 6,9 Millionen Euro ein. Vermitt­lerin war jeweils die auf grüne Geld­anlagen spezialisierte UDI Beratungs­gesell­schaft aus Nürn­berg. Sie machte Werbung für die Anla­geangebote und ist daher in der öffent­lichen Wahr­nehmung präsenter als die jeweiligen Emitten­tinnen. Das Geld floss nicht wie geplant am 30. Juni 2018 beziehungs­weise 31. Dezember 2018 an die Anleger zurück. Im Jahr 2018 war nur von einer Verzögerung die Rede: Solar Sprint Festzins II reißt Rückzahlungsfrist.

Angebote mit schalem Nachgeschmack

Stefan Keller, Geschäfts­führer der Te Verwaltungs GmbH, behauptet in dem Schreiben, er unterbreite die Angebote „aus einer mora­lischen Verantwortung heraus“, es gebe dazu keine recht­liche Verpflichtung. Handelt es sich tatsäch­lich um eine verantwortungs­volle Geste gegen­über den Anlegern, damit sie zumindest einen Teil ihres Geldes wiederbe­kommen? Oder ist es ein Versuch, Anleger billig heraus­zukaufen? Die Angebote hinterlassen zumindest einen schalen Nachgeschmack. Denn Keller ist Chef der gesamten Te-Management-Gruppe, zu der neben der Aufkäuferin auch die beiden Emitten­tinnen der Darlehen gehören, er führt auch ihre Geschäfte. Das galt bis Mitte Februar 2019 auch für die Projektgesell­schaften, denen die Emitten­tinnen Geld geliehen haben: Bei der MEP Solar Miet & Service II GmbH war er bis 15. Februar 2019 im Handels­register als Geschäfts­führer aufgeführt. Bei der MEP Solar Miet & Service III GmbH bis 18. Februar 2019. Damit hat beziehungs­weise hatte er entscheidenden Einfluss darauf, welche Gesell­schaft welche Geschäfte betreibt.* Die Anleger haben dagegen keinerlei Mitbestimmungs­rechte.

Anleger können ihre Forderungen behalten

Anleger müssen keines der Angebote annehmen. Tun sie nichts, behalten sie ihre gesamte Forderung, können sich aber nicht sicher sein, ob ihre Emitten­tinnen jemals in der Lage sein werden, das Geld zurück­zuzahlen. Nehmen sie eines der beiden Kauf­an­gebote an, müssen sie darauf vertrauen, dass die Aufkäuferin Te Verwaltungs GmbH – und bei der ersten Variante auch ihre Emitten­tin – zahlen kann. Die Emitten­tinnen sind derzeit nach Darstellung Kellers nicht in der Lage, ihre Verbindlich­keiten zu bedienen. Den Schreiben liegen keine Unterlagen bei, die eine Beur­teilung der Bonität der Te Verwaltungs GmbH möglich machen. Die Te Verwaltungs GmbH teilte dazu mit, die Beur­teilung der Bonität erübrige sich für den Anleger: „Sollte die Emitten­tin den Kauf­preis nicht voll­ständig zu den vereinbarten Terminen zahlen, kann der Anleger vom Kauf­vertrag zurück­treten. Dies ist in beiden Angeboten und Verträgen der Fall. Im Übrigen beabsichtigt die Te Management Gruppe, die Käuferin mit dem erforderliche Kapital auszustatten.“

Investor bei Muttergesell­schaft einge­stiegen

Die Projektgesell­schaften, die Geld von den Emitten­tinnen geliehen bekamen oder Verbindlich­keiten über­nommen haben, gehören zur MEP Werke GmbH aus München. Ihr aktuellster, veröffent­lichter Jahres­abschluss sieht nicht gut aus. Die Gesell­schaft war demnach Ende 2017 bilanziell über­schuldet. Das galt teil­weise auch für Gesell­schaften der MEP Werke. Sie befanden sich laut Jahres­abschluss teil­weise „in einer wirt­schaftlich und liquiditäts­mäßig sehr angespannten Situation“. Seither hat sich bei den MEP Werken aber einiges getan. So beteiligte sich der österrei­chische Investor PI Solar mit 19,5 Millionen Euro an dem Münchner Unternehmen. Es kann also sein, dass sich das Blatt wendet und sich in der Folge auch die Lage der Emitten­tinnen deutlich verbessert.

Anleger sollen auf weitere Ansprüche verzichten

Anleger sollten sich auf alle Fälle gut über­legen, ob sie ein Kauf­an­gebot annehmen wollen, wenn sie zugleich auf alle weiteren Ansprüche über die versprochenen Zahlungen und Nachbesserung­schancen hinaus verzichten müssen. Die Rechts­anwältin Eva-Marie Ueberrück von der Kanzlei Mattil aus München rät ihren Mandanten nicht dazu: „Wir sehen Anhalts­punkte dafür, dass zum Beispiel die Widerrufs­belehrung fehler­haft war und es Mängel beim Verkaufs­prospekt gab.“ Abhängig davon, was die Anleger in einem etwaigen Rechts­streit fordern, bekämen sie im Erfolgs­fall Schadens­ersatz oder ihr Investment würde rück­abgewickelt.

Nicht explizit auf Bonitäts­risiko der Projektgesell­schaft einge­gangen

In den beiden Verkaufs­prospekten ist zum Beispiel nur die Rede davon, dass eine nicht namentlich genannte Projektgesell­schaft einge­schaltet werde. Auf deren Bonitäts­risiko für die Anleger gehen sie nicht explizit ein. Auf eine frühere Anfrage von Finanztest antwortete Keller dazu, der konkrete Name der Projektgesell­schaft sei „ohne Relevanz“. Die Bonität der Projektgesell­schaft selbst stelle kein Risiko dar: „Wird diese Bonität schlechter, so ist dies ein Symptom, nicht die Ursache.“

Geld aus Nach­rangdarlehen noch 2016 einge­gangen

Zumindest beim Solar Sprint Fest­zins III gibt es eine weitere Auffälligkeit: Seit Mitte 2015 müssen Verkaufs­prospekte für Nach­rangdarlehen von der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) eigentlich gebil­ligt werden. Der Verkaufs­prospekt des Solar Sprint Fest­zins III wurde aufgelegt, bevor diese Pflicht in Kraft trat. Solche Nach­rangdarlehen durften gemäß einer Über­gangs­regelung nur bis Ende 2015 angeboten werden. Laut Jahres­abschluss der Te Solar Sprint III GmbH & Co. KG für 2016 stiegen die Verbindlich­keiten für Nach­rangdarlehen vom Jahres­ende 2015 bis Ende 2016 von 4,9 Millionen Euro auf 6,9 Millionen Euro an. Auf Anfrage erläuterte die Te Verwaltungs GmbH dazu, die zugehörigen Verträgen seien bereits Ende 2015 angenommen worden. Erst mit der Annahme der Zeichnung seien Anleger zur Zahlung aufgefordert worden: „Bedingt durch die Feiertage erfolgten dadurch Einzahlungen in entsprechender Höhe erst im Januar 2016. Im Jahres­abschluss 2015 sind nur die voll einge­zahlten Zeichnungen berück­sichtigt. Ein weiteres öffent­liches Angebot nach dem im Juni 2015 emit­tierten Nach­rangdarlehen gab es nicht.“

Allgemeingültige Empfehlung lässt sich nicht geben

Anleger, die keines der Kauf­an­gebote annehmen, hoffen darauf, dass ihre Emitten­tinnen irgend­wann wieder zahlen können und halten sich die Möglich­keit offen, Ansprüche mit recht­lichen Schritten durch­zusetzen, falls sie zum Beispiel Anhalts­punkte finden, dass die Widerrufs­belehrung in ihrem Fall fehler­haft gewesen sein sollte. Allerdings kosten recht­liche Auseinander­setzungen in der Regel Zeit, Geld und Nerven. Selbst im Erfolgs­fall muss es dann noch gelingen, die Forderungen durch­zusetzen. Dafür besteht die Chance, ohne jeglichen Verlust aus dem Investment heraus­zukommen. Wer den Aufwand eines Rechts­streits scheut und keines der Angebote annimmt, ist darauf angewiesen, dass die Emitten­tinnen den Umschwung schaffen. Wer eine Variante des Kauf­an­gebots annimmt, muss in Kauf nehmen, auf alle weiteren Ansprüche zu verzichten, und ist darauf angewiesen, dass zumindest die Ende 2017 gegründete Aufkäuferin zahlen kann, wenn das Geld fällig wird.

[Update 8. Mai 2019]: Das sagt die Te Management-Gruppe

Die Te Management-Gruppe hat am 7. Mai 2019 eine Presse­mitteilung zu dem Kauf­an­gebot veröffent­licht. Darin betont sie, die Te Management-Gruppe sowie die Verantwort­lichen der Te Management-Gruppe hätten „derzeit keine Einfluss­möglich­keiten auf die Geschäfts­tätig­keit der Projektgesell­schaften, der MEP Miet- und Service­gesell­schaften, an die die Emitten­tinnen die Mittel ausgereicht haben. Diese Gesell­schaften sind Tochtergesell­schaften der MEP Werke.“ Finanzierer und Projektgesell­schaften hätten vertragliche Vereinbarungen getroffen, „die auch Dritt­wirkung inner­halb der Finanzierer­struktur entfalten. Aus diesem Grund können die Projektgesell­schaften die aus dem laufenden Cashflow generierte, vorhandene Liquidität nicht ohne Weiteres dafür verwenden, Zinsen und Tilgungen auf die Forderungen der te Solar Sprint II GmbH & Co. KG und der te Solar Sprint III GmbH & Co. KG zu leisten.“ Bis vor kurzem war Te-Management-Chef Stefan Keller selbst seit Gründung der Projektgesell­schaften MEP Solar Miet & Service II und III Geschäfts­führer und hatte somit mit der Finanzierungs­struktur zu tun: Erst seit 15. Februar 2019 ist er bei der MEP Solar Miet & Service II GmbH im Handels­register nicht mehr als Geschäfts­führer aufgeführt, bei der MEP Solar Miet & Service III GmbH seit 18. Februar 2019. Außerdem ist er laut Handels­register nach wie vor Geschäfts­führer der MEP Ökostrom GmbH, der Allein­gesell­schafterin der Projektgesell­schaften. Sie wiederum gehört der MEP Werke GmbH, bei der Keller von September 2015 bis September 2018 als Geschäfts­führer fungierte und bei der er laut Handels­register beteiligt ist: Die jüngste, im Handels­register hinterlegte Gesell­schafter­liste der MEP Werke GmbH vom Januar 2019 führt die NCK Invest GmbH als Gesell­schafterin auf, bei der Keller Allein­gesell­schafter ist und auch die Geschäfte führt.

* Passage korrigiert am 7. Mai 2019

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