Typische Tiergefahren Meldung

Risiken. Gehen Pferde durch, haften die Halter.

Halter haften, wenn es zu Schäden durch ihr Tier kommt – unabhängig davon, ob sie dabei sind, wenn es passiert. test.de über typische Tiergefahren und einschlägige Gerichts­urteile.

Halter haften grund­sätzlich für „typische Tiergefahr“

Der Halter muss für Schäden aufkommen, die durch sein Tier entstehen – und zwar unabhängig davon, ob er in Reich­weite des Tieres ist und dessen Verhalten beein­flussen kann oder nicht. Die Halter haften grund­sätzlich für die „typische Tiergefahr“, die von einem Tier ausgeht – das hat neben dem Ober­landes­gericht Hamm (Az. 14 U 19/14) auch der Bundes­gerichts­hof entschieden (Az. VI ZR 467/13).

Pferde treten zu

Die Richter in Hamm entschieden im Fall eines Hufschmieds. Er wurde bei seiner Arbeit von einem Pferd plötzlich so schwer getreten, dass sein Fuß mehr­fach operiert werden musste, und er arbeits­unfähig wurde. Der Schmied verlangte vom Pferdehalter insgesamt 80 000 Euro Schaden­ersatz und Schmerzens­geld plus 1 400 Euro monatliche Rente. Zu Recht, urteilten die Richter. Es habe sich eine typische Tiergefahr verwirk­licht, die von dem Pferd ausgeht und für die ein Tierhalter haftet. Ein Mitverschulden des Hufschmieds konnte ausgeschlossen werden.

Ponys gehen durch

Der Bundes­gerichts­hof behandelte den Fall von fünf Ponys, die durch­gingen und auf einen Mountain­biker zu galoppierten. Sie gehörten fünf Haltern. Ein Pony riss den Radfahrer um. Der verletzte sich so schwer, dass er heute quer­schnitts­gelähmt ist. Rund 430 000 Euro Schmerzens­geld wurde dem Verletzten zugesprochen, von denen jeder Ponyhalter ein Fünftel zahlen muss. Laut Gericht ist es unerheblich, dass der Radfahrer nur von einem Pony konkret umge­rissen wurde. Die Tiergefahr sei von allen fünf Ponys zeitgleich ausgegangen. Es reiche die Mitver­ursachung der anderen Tiere. Die Halter selbst ritten die Ponys nicht.

Tipp: Hunde- und Pferde­besitzer sollten unbe­dingt eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung abschließen. Es geht nicht nur um Verletzungen, die direkt durch die Vier­beiner entstehen, sondern auch um Folgeschäden, etwa weil jemand vor ihnen erschrickt und sich deshalb verletzt. Für kleinere Tiere wie Katzen oder Kanin­chen reicht in der Regel eine private Haft­pflicht.

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