Türsicherungen Test

Einbrecher haben oft ein leichtes Spiel. Selbst teure Türsicherungen sind von ge­wieften Ganoven zu knacken – auch mit einfachen Werkzeugen, wie unser Test zeigt.

Bei einem Einbruch muss es fix gehen. Kommt der Täter nicht innerhalb von zwei bis fünf Minuten in das Gebäude, so belegen Polizeistatistiken, bricht er die Tat in der Regel ab und sucht sich ein neues Objekt der Begierde. Haus- und Wohnungsbesitzer sind also gut beraten, Fenster und Türen so zu sichern, dass sie Eindringlingen möglichst lange Widerstand leisten – auch gegen brachiale Aufbruchversuche mit Brecheisen, Meißel und Bohrer.

Alle zwei Minuten wird in Deutschland eingebrochen. Die verursachten Schäden betragen jährlich rund 600 Millionen Euro, so die Versicherungswirtschaft. Das Problembewusstsein in der Bevölkerung ist dennoch gering. Laut einer Umfrage des Immobilienportals Immowelt verzichten fast 60 Prozent der Befragten auf zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Sie gaben an, dass ein einfaches Türschloss völlig ausreiche, um ihr Heim zu schützen. Nur 7 Prozent hatten ein Querriegelschloss und knapp 5 Prozent eine Alarmanlage.

Einfache Hebelwerkzeuge reichen

Türsicherungen Test

Bei Etagenwohnungen, die über Fenster, Balkone oder Terrassen schwer erreichbar sind, verschaffen sich Einbrecher fast immer Zutritt durch die Eingangstür. Acht von zehn Türen werden mit einfachen Hebelwerkzeugen aufgebrochen, die jedem zugänglich sind. Wenn die Tür selbst stabil ist und keine leicht einzutretende Pappwabe, können Zusatzsicherungen für einen guten Einbruchschutz sorgen.

Wir haben in diesem Test exemplarisch vier Produktgruppen geprüft, die die Türsicherheit deutlich erhöhen können – und zwar Schließzylinder, Kastenzusatzschlösser, Querriegelschlösser und Türschilde.

Ein erstaunliches Testergebnis

Türsicherungen Test

Das erstaunliche Ergebnis des Tests: Viele Nachrüstprodukte sind von ausge­fuchsten Einbrechern leicht zu knacken, und manchmal wird die angegebene Widerstandsklasse nicht eingehalten. Von 15 untersuchten Produkten sind nur 5 „gut“ oder „sehr gut“, 6 aber „mangelhaft“.

Produktanforderungen und Prüfmethoden für Nachrüstprodukte werden in der Norm DIN 18 104-1 beschrieben. Auf Herstelleranfrage prüft auch die VdS Schadenverhütung, eine Tochter des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Sicherheitsprodukte und zertifiziert sie. VdS geht teilweise über die DIN-Forderungen hinaus. Planung und Einbau von Sicherungstechnik beschreibt zum Beispiel die VdS-Richtlinie 2537. Nachrüstprodukte zur Verriegelung sollten VdS 2536 entsprechen. Sicherungsprodukte gibt es in verschiedenen Preis- und Widerstandsklassen. Während mechanische Sicherungsprodukte ohne Zertifikat meist nur einen begrenzten Schutz bieten und höchstens Gelegenheitstäter abschrecken, soll Klasse A auch vor geübten Einbrechern schützen. Für besonders hohe Risiken, meist im gewerblichen Bereich, gibt es die Klassen B und C.

Ein Schließzylinder ist „sehr gut“

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Die meisten Türen werden mit Einsteckschlössern verriegelt. Herzstück des Schlosses und zugleich Angriffspunkt für Einbrecher ist der Schließzylinder, mit dem der Schlossriegel auf- und zugeschlossen wird. Er muss so konstruiert sein, dass er sich weder mit einem falschen Schlüssel öffnen lässt noch herausgezogen oder abgebrochen werden kann, und er muss Aufbohrversuchen eine Weile standhalten. Diese Anforderungen erfüllen aber nur zwei der fünf getesteten Schließzylinder – doch lediglich der BKS Janus konnte mit „sehr gut“ bewertet werden. Der Ikon Vector bietet zwar auch einen „sehr guten“ Schutz nach VdS-Klasse A. Die auf dem Zylinder angegebene Klasse B erfüllt er aber nicht und wurde deshalb auf „befriedigend“ abgewertet.

Schloss ohne Schlüssel geöffnet

Türsicherungen: Viele sind leicht zu knacken

Der Schließzylinder CES 810 hält Einbruchversuchen durch Bohren und Ziehen zwar ausreichend lange stand, lässt sich aber durch sogenanntes Lockpicking leicht überlisten. Den englischen Begriff Lockpicking (lock: Schloss, to pick: aufpi­cken, stochern) kann man salopp mit Schlösserknacken übersetzen – und zwar ohne das Schloss zu beschädigen und ohne passenden Schlüssel. Dabei werden spezielle Werkzeuge in den Schlüsselkanal eingeführt. Sie drücken die darin enthaltenen Stifte herunter, wofür im Normalfall die Zacken des Schlüssels sorgen. So gelingt es Einbrechern, den Schließzylinder zu öffnen.

Auch wenn das Picking viel Fingerspitzengefühl, Übung und Knowhow erfordert, sollte ein hochwertiger Schließzylinder doch vor Picking weitgehend sicher sein. Die DIN- und EN-Normen sehen entsprechende Prüfungen allerdings nicht vor. Produkte mit VdS-Klasse A und höher bieten nach Aussage des VdS eine hohe Sicherheit gegen solcherart Türöffnen.

Umso ärgerlicher ist die Angabe auf der Verpackung des CES-Zylinders: „Bohr- und Ziehschutz nach VdS Klasse A“. Solche Teilzertifizierungen gibt es aber nicht. Der Zylinder ist nicht zertifiziert, was aber suggeriert wird. Genauso ärgerlich ist es, wenn ein Produkt zertifiziert ist und die Anforderungen nicht erfüllt. Der Zylinder von Abus, laut Hersteller VdS Klasse B, ist bei der Ziehprüfung gebrochen. In der Gebrauchsanleitung müsste auf einen notwendigen Ziehschutz, zum Beispiel ein Türschild, hingewiesen werden. Doch diese gibt es nicht.

Türschilde schützen den Zylinder

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Einen guten Schutz gegen das Herausziehen und Anbohren des Schließzylinders bieten einbruchhemmende Türschilde. Sie bestehen teilweise aus massivem Stahl und lassen sich von außen nicht abschrauben. Zwei der getesteten Türschilde machten einen „guten“ Eindruck. Nur das Ikon PI 2000 mit der Schutzklasse ES 2 nach DIN 18 257 zeigte beim Aufmeißeln nicht die für diese Widerstandsklasse notwendige Standhaftigkeit. Es erfüllt lediglich die Klasse ES 1.

Die „guten“ Türschilde bereiteten bei der Montage aber auch Probleme. Beim FSB 7376 bricht die Innenbefestigung des Schildes leicht ab, und beim Abus HLZS waren die mitgelieferten Schrauben zu lang und mussten gekürzt werden. Achtung: Niemals andere Schrauben verwenden, denn die mitgelieferten haben eine höhere Festigkeit als übliche Schrauben.

Wichtig ist der Hinweis, dass ein Türschild allein keinen ausreichenden Einbruchschutz bietet. Tür, Zylinder, Schloss und Türschild müssen sicherungstechnisch eine Einheit bilden.

Kastenzusatzschlösser fallen durch

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Kastenzusatzschlösser haben im Test versagt. Sie konnten leicht überwunden werden. Beim Ikon 9132 mit Sperrbügel bricht eine Metallnase – und das Schloss ist auf. Offenbar entspricht es nicht mehr der Version, die eine VdS- und DIN-Zertifizierung bekam.

Wer seine Tür gegen ungebetene Gäste schützen will, bringt weitere Schlösser und Verriegelungen an. Ob sich ein Kastenzu­satzschloss lohnt, scheint nach unserem Test fraglich. Alle drei geprüften Modelle, immerhin von renommierten Herstellern und teilweise mit Zertifizierung, bieten kaum zusätzliche Sicherheit. Evva und Ikon waren einfach aufzuhebeln und das Abus 9030 ist mit Lockpicking zu öffnen.

Für rund 90 bis 120 Euro kann man eine bessere Qualität erwarten, von einem zertifizierten Produkt sowieso. Das Schloss Ikon 9132 mit VdS- und DIN-Zertifikaten konnte schon nach wenigen Sekunden mit einfa­chen Werkzeugen aufgebrochen werden. Als Schwachstelle erwies sich eine kleine Metallnase an der Abdeckung, die beim Aushebeln schnell abbricht (siehe Foto). Offenbar entspricht das Schloss nicht mehr dem zertifizierten Modell.

Trotzdem kann es sich lohnen, ein Kastenzusatzschloss einzubauen. Denn es stellt zumindest eine weitere Hürde für die stets unter Zeitdruck stehenden Einbrecher dar. Besser wäre natürlich, wenn es Einbruchversuchen etwas länger standhielte.

Zwei Querriegelschlösser sind „gut“

Türsicherungen Test

Die Querverriegelung über die ganze Türblattbreite erschwert das Aufbrechen oder Aufhebeln der Tür dagegen enorm, da sowohl die Öffnungs- als auch die Bänderseite der Tür geschützt werden. Wenn die Tür selbst stabil ist, können Querriegelschlösser, auch Panzerriegel genannt, einen sehr guten Einbruchschutz bieten. Wir haben vier Produkte von Ikon und Abus untersucht, jeweils mit und ohne Sperrbügel.

Ein Sperrbügel schützt, ähnlich wie eine Vorhängekette, vor dem ungewollten Eindringen von Personen in die Wohnung, weil die Tür zunächst nur einen Spalt breit geöffnet werden kann.

Während die Ikon-Modelle „gut“ abgeschnitten haben, sind die Abus-Querriegel im Test durchgefallen. Und zwar deshalb, weil sie mit einem unzureichenden Schließzylinder ausgestattet sind, der dem Lockpicking nicht standgehalten hat. Besser wäre es, wenn der Querriegel mit einem soliden Zylinder angeboten würde – oder ganz ohne, und der Kunde kauft einen passenden dazu. Die Sicherungskette reißt eben immer an der schwächsten Stelle.

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